Games Law

„Rape Day“: Vergewaltigungsspiel auf Steam – Wie ist die Rechtslage?

Im Spiel „Rape Day“ können Spieler Frauen vergewaltigen. Erst nach massiven Protesten hat es die Plattform Steam nun aus dem Programm genommen. Doch wie sieht hier die Rechtslage aus? 

Die Medien berichten derzeit über ein Computerspiel, in dem es darum geht, Frauen zu vergewaltigen. Das „Spiel“, welches das Ein-Mann-Entwicklerstudio „Desk Plant“ bei der Plattform Steam hochladen wollte und bereits seit über einem Monat angekündigt hatte, heißt „Rape Day“.

Steam ist eine Internet-Vertriebsplattform u.a. für Computerspiele, die von der Valve Corporation entwickelt und betrieben wird. Seit Juni 2018 können Entwickler ihre Spiele auf Steam veröffentlichen, ohne dass Valve sie inhaltlich prüft. Offenbar ist das auch hier nicht geschehen, denn ein zentraler Inhalt des Spiels ist es, Frauen zu vergewaltigen. Das Setting ist eine Zombie-Apokalypse, eine gefährliche Welt ohne Regeln. Und der Spieler sei der gefährlichste Vergewaltiger in der Stadt. Nun hat die Gaming-Plattform Steam nach massiven, über einen Monat andauernden Protesten die Seite zum „Spiel“ gesperrt. Doch wie sieht die Rechtslage dahinter aus? Rechtsanwalt Christian Solmecke beantwortet die wichtigsten Fragen:

Muss ein solches Spiel nicht eigentlich verboten werden?

Hauptbestandteil des Spiels ist es, Frauen zu vergewaltigen. Ohne das Spiel gesehen zu haben, liegt aufgrund der Beschreibung doch die Annahme sehr nahe, dass darin strafbare Gewaltdarstellungen zu sehen sind, die in § 131 Strafgesetzbuch (StGB) mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden. Strafbar ist danach, „wer eine Schrift (dazu zählen auch Computerspiele), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildert, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt, verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht.“ Explizit erfasst sich auch „menschenähnliche Wesen“, also auch Computerspielfiguren. Hier wird die Darstellung sicherlich unmenschlich sein, da Frauen „einfach so zum Spaß“ rücksichtslos und menschenverachtend vergewaltigt werden sollen. Dieser Vorgang verletzt die Menschenwürde und wird sicherlich sowohl verharmlosend als auch verherrlichend dargestellt.

Der Vertrieb dieses Spiel verboten werden. Die Ordnungsbehörden bzw. die Polizei können hier u.a. präventiv vorgehen und die Weiterverbreitung des Spiels untersagen. Ein solches Angebot wäre dann auch nach dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag unzulässig und dürfte nicht online zugänglich gemacht werden.

Wenn ein Spiel nicht schon aus strafrechtlichen Gründen verboten wird, kann die Bundeprüfstelle für jugendgefährdende Medien es auch nach dem Jugendschutzgesetz indizieren und damit für Gewerbetreibende die Verbreitung des Spiels so stark einschränken, dass Minderjährige kaum eine Chance haben, an den Inhalt heranzukommen.

Derzeit scheint das Spiel aber weder aus strafrechtlichen Gründen verboten zu sein, noch ist es indiziert. Stattdessen berichten Medien, dass es eine USK 18-Freigabe hat. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so hat es diese vermutlich nicht nach einer ausführlichen Prüfung erhalten, sondern im Rahmen der freiwilligen Selbstkontrolle auf Basis einer Selbstauskunft. Möglicherweise wird die Kontrollstelle, etwa die USK.online, hier noch einmal intensiv nachprüfen.

Haftet Steam für illegale Spiele?

Seit Juni 2018 können Entwickler gegen Gebühr Spiele auf Steam veröffentlichen, ohne dass der Inhaber der Plattform Valve sie prüft. Das stellt die Plattform auch in ihren AGB klar. Damit agiert Steam diesbezüglich als sog. Host Provider. Host-Provider haften, auch nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH), grundsätzlich nicht für fremde Inhalte. Sie sind allenfalls mittelbarer Störer, was dazu führt das Plattformbetreiber keine allgemeine proaktive Prüfungspflicht trifft, ob auf der eigenen Plattform Rechtsverstöße geschehen. Wenn Betreiber wie Facebook aber Kenntnis von den Rechtsverstößen bekommen, so müssen sie, vereinfacht gesagt, unverzüglich handeln. Sie müssen rechtswidrige Inhalte entfernen oder den Zugang zu ihnen sperren (sog. notice-and-takedown-Verfahren).

Sollte das Spiel tatsächlich als strafbar einzuordnen sein, könnte problematisch sein, dass Steam den Trailer zum Spiel offensichtlich erst einen Monat nach Meldung durch verschiedene Nutzer offline genommen hat – das ist nicht mehr unverzüglich.

Darüber hinaus gehört so ein Spiel eigentlich zu den Inhalten, das gegen die AGB der Plattform verstößt. Doch auch dies hat Steam offenbar nicht dazu bewogen, schneller zu reagieren.

ahe/tsp


Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (11)

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  1. Sunny sagt:

    Sehr geehrter Herr Solmecke,

    inwieweit sehen Sie bei der Haftung oder Nichthaftung von Steam für illegale Spiele eine Parallele zur aktuellen Debatte um die novellierung der Kopierschutzdirektive?

    In beiden Fällen geht es schließlich um große Anbieter, die für Fremdcontent auf ihren Plattformen zur Rechenschaft gezogen werden.

    Vielen Dank und LG

  2. Insomnia sagt:

    Fragt sich nur, in wie weit sich dieser Titel (Rape Day) von Anderen unterscheidet, bei denen die Gewaltdarstellung ähnlich stark ist. Selbst in Büchern, die auch für nicht-volljährige einfach zugänglich sind, werden teilweise exzessive Gewaltdarstellungen beschrieben und trotzdem sind diese nach wie vor erhältlich. Vergewaltigungs-Pornos (keine Snuff-Movies sondern inszenierte) sind eigentlich das gleiche. Auch für jeden zugänglich, der bestätigt über 18 zu sein und eventuelles Geld parat hat.
    Der einzige Unterschied hier ist, dass es jemand schaffte Medienwirksam darüber einen Shitstorm abzulassen – und schwups, landen wir in diesem juristischen Grau-Bereich in dem man hunderte von anderen Spielen, Büchern und Filmen stecken könnte, die fröhlich Umsatz auf dem Markt generieren.

    • Roland sagt:

      Das „Gleiche“ ist nicht das „Selbe“, aber nicht einmal annähernd sind „Rapeporns und Pornoromane“ mit solchen Spielen vergleichbar, denn im Spiel handelt der Spieler aktiv, macht sich die strafbare Handlung zu Eigen und identifiziert sich damit. Man kann zwar nicht behaupten, alle Spieler würden dadurch „radikalisiert“, aber derartige Spiele wirken „normalisierend“ und verharmlosen mindestens sexuelle Gewalthandlungen, auch bei „nicht Bedürftigen“. Im Falle „niedriger Fähigkeiten“, die zunehmend zu beobachten sind- Asexualisierung der Gesellschaft- schreitet deutlich voran- führt es unweigerlich dazu, dass sex. Gewalt als „normal angesehen oder gar befürwortet“ wird. Ich führe in sol. Fällen immer die alten US Schinken an. Der „Held bekommt von der verruchten Schönen eine gelangt, dann versinkt sie in seinen Armen“. Dies hat zu der Annahme geführt, dass Frauen ja meinen, wenn sie nein sagen und diese Haltung ist bis dato deutlich in allen Gesellschaften ersichtlich und spürbar- auch abseits der #me too Debatte-. Frauen wird ungefragt an alle Körperteile gefasst und selbst ein „US Präsident“ prahlt damit und befürwortet Dies! Auch Kommentare wie „geiler Arsch“ etc. werden als „Kompliment“ umgedeutet und man“cher“ glaubt, dass Frauen dies gut finden. Es gibt also durchaus Bedarf- übrigens auf beiden Seiten- Annäherung (Partnersuche) auf ein gesundes Level zu bringen.

  3. Anon sagt:

    Hätte Solmecke wenigstens verstanden worüber er versucht zu reden, dann hätte er längst erkannt, dass nach dieser Argumentation jedes Spiel verboten und strafrechtlich verfolgt werden müsste, in denen ein „menschenähnliches Wesen“ erschossen wird. Menschen zu erschießen ist ja, soweit ich weiß, auch unmenschlich.

    Da müssten sich die Bettelviel-, Call Of Nichtschonwieder- und Kontorstreikspieler dieses Landes aber warm anziehen.

    • Matt sagt:

      Hihi. „(…)Bettelviel-, Call Of Nichtschonwieder- und Kontorstreikspieler (…)“. Wie „Kleinweich“, „Microschrott“ oder „zum Bleistift“. Lustig. Nicht.

    • foreigner sagt:

      Das ist dummerweise auch nicht richtig, wenn man sich selbst ein bisschen auskennen würde, bevor man pöbelt, wäre einem das auch bewusst.

      Im betreffenden Paragraphen des StGB sind nämlich zwei Passagen wichtig:
      1. die Schilderung von grausamen oder unmenschlichen Gewalttätigkeiten an Menschen oder menschenähnlichen Wesen
      und 2. die Verharmlosung oder Verherrlichung der gezeigten taten.

      Mit anderen Worten: Gewalt ja, unreflektiert suggerieren, dass diese Gewalt das beste is was einem passieren kann geht aber nicht.
      Und auch wenn der ErmessensSpielraum für „Verharmlosung oder Verherrlichung“ recht groß ist und deswegen auch immer für viele aufreger in Film- und Gamewelt sorgt, kann man sagen, dass es insgesamt recht gut funktioniert.

      Übrigens haben die Entwickler von CoD etc. früher reihenweise bereits selbst vorher die Schere angesetzt, um einer Indizierung über den 131er zu entgehen. Das nur zu deinem restlichen Kommentar. Unsere klassischen Egoshooter sind nur noch sehr selten im Visier der BPjM (denn die indiziert, die USK stellt nur eine Freigabe aus oder verweigert sie).
      Mittlerweile sind FSK und USK allerdings verhältnismäßig modern geworden und beurteilen spiele (neben der Anerkennung von Spielen als Kunst, um sie durch die Kunstfreiheit abgedeckt zu wissen) sehr viel differenzierter als nur mit dem Standardsatz: Diese bösen Killer Spiele.
      Die BPjM geht mit ihren Indizierungen (zumindest in den letzten zwei Jahren) auch immer fairer um.

  4. lektorat sagt:

    Hust. Es würde sich lohnen dass nochmal jemand den Beitrag Korrekturliest.

    Bsp.: „Der Vertrieb dieses Spiel verboten werden.“

    Zahlreiche weitere Stellen.

  5. Chris sagt:

    Mich würde Ihre Position zur Rolle der Presse interessieren.

    Es wird mit Nennung des vollen Titels, Screenshots und teilweise („derwesten.de“) auch mit Verlinkung der Homepage des Urhebers berichtet.

    Ohne diese extrem massive Werbekampagne wäre dieses „Spiel“ in den unbekannten Weiten des Netzes verschwunden. Valve hätte es nach einer Beschwerde still und leise offline nehmen können, ein Hinweis an die Behörden (BPjM) hätte statt per Twitter ebenso per Mail erfolgen können.

    Mir kommt das alles so vor, als hätten ein paar Aufmerksamkeits-Junkies und eine Horde Click-versessener Journalisten die Situation masslos verschlimmert.

  6. Roland sagt:

    Die Vergleiche mit „egoshootern“ etc. hinken gewaltig. Zum Einen wurden diese „Spiele“ von der US Armee entwickelt, um junge Menschen „daran zu gewöhnen“ und Feindbilder zu entwickeln. Zum Anderen hat sich aber gezeigt, dass, zumindest in Ländern mit strengen Waffengesetzen hier keine negativen Effekte zu beobachten sind, von evtl. Einzelfällen abgesehen. Mord- Tötung ist hochschwellig im Menschen angelegt und wird allenfalls durch „Erziehung- Prägung“ niederschwelliger. Sexualisierte Gewalt „entsteht“ durch Prägung, es dürfte kaum ein Mensch genetisch dazu befähigt sein, d. h. so geboren werden, vielmehr wird dies in nahezu 100% der Fälle durch „selbst erfahrene Gewalt, Demütigung“ etc. zu derartigen „Ausfallerscheinungen“ kommen- ich empfehle die Geschichte des Kindermörders Bartsch zu lesen, WiKi genügt, um die Logik darin zu erkennen. „Triebtaten“ aus rein sexuellen Gründen dürften in unseren Sphären so gut wie gar nicht vorkommen. Hingegen zeigt bspw. Indien, wie die Verharmlosung sex. Gewalt resp. Erniedrigung der Weiblichkeit den männl. Teil einer Gesellschaft nahezu komplett zu potent. Tätern machen kann. Solche „Spiele“ würden dazu ganz sicher beitragen.

  7. Jürgen Karsten sagt:

    Kurz und bündig, für mich gehören alle Gewaltverherrlichungen verboten egal ob Film oder Spiel. Wir bewegen uns eh schon in einer sehr egoistischen und zunehmend Gewalt bereiten Gesellschaft. Auch wenn meine Meinung einen Sturm der Entrüstung auslösen sollte, ich denke die Menschen die sich so entrüsten sind schon soweit abgestumpft, das sie nur mit solch einem Kick ein Vergnügen verspüren. Im übrigen ist es wie mit den meisten Entgleisungen in unserer Gesellschaft, wir brauchen nicht mehr Gesetze sondern die konsequente Umsetzung der Gesetzgebung. Gewaltverherrlichung und Krieg sind gesetzlich geregelt auch im GG.

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