Internetrecht

Online-Marketing und Recht- Teil 2: Videos

Die enorme Beliebtheit von Videoplattformen wie YouTube zeigen einen ganz eindeutigen Trend: Es wird so viel Content produziert und konsumiert wie nie zuvor. Für Unternehmen und Startups stellen Videos ein wichtiges Werkzeug dar, mit dem sie auf individuelle Art und Weise mit potenziellen Kunden kommunizieren und gleichzeitig ihr Branding stärken können- Videos sind die Zukunft des Marketings!

In dieser Serie möchten wir uns mit den rechtlichen Anforderungen des Gesetzgebers an das Online-Marketing auseinandersetzen und uns dazu in unserem zweiten Teil mit den Besonderheiten von Videos beschäftigen.

Was ist bei der Video-Produktion zu beachten?

Möchten Unternehmen eine Agentur damit beauftragen, ihr Marketing-Video zu produzieren, so müssen sie daran denken, dass sie sich von der Agentur vertraglich die zeitlich sowie räumlich unbeschränkten Verwertungs- und Nutzungsrechte an dem Video einräumen lassen. Besonders zu beachten ist dabei, dass sich Unternehmen für eine Verbreitung des Videos in sozialen Netzwerken auch eine entsprechende Lizenz vertraglich ausdrücklich einräumen lassen müssen. Denn die Verbreitung des Videos über Facebook, Twitter und Co. ist nicht automatisch gestattet und wird in manchen Fällen sogar mit einer zusätzlichen Lizenzgebühr in Rechnung gestellt!

Wer bei der Produktion lieber auf die einfache Möglichkeit zurückgreift, fertige Videos, sog. Stockvideos, auf Plattformen wie Getty Images einzukaufen und zu verwenden, muss einen Blick in die Nutzungsbedingungen werfen, denn die vergebenen Nutzungsrechte erlauben Unternehmen nicht jede Art der Verwendung. So besteht beispielsweise oftmals eine Einschränkung für die Verbreitung der Videos auf sozialen Netzwerken.

Welche Rechte Dritter sind bei Videos zu beachten?

Videos zu Marketing-Zwecken enthalten nicht immer nur Aufnahmen von Produkten. Vielmehr zeigen eine Vielzahl von Videos auch Personen, die zum Beispiel neue Produkte vorstellen oder als Darsteller in Imagevideos agieren. In diesem Zusammenhang sind die Persönlichkeitsrechte der Darsteller zu wahren. Das bedeutet konkret, dass jeder Mensch selbst bestimmen darf, ob überhaupt und in welchem Zusammenhang Video von ihm veröffentlicht werden. Grundsätzlich müssen werbende Unternehmen daher im Voraus die Einwilligung der Personen einholen, die Teil ihres Videos werden sollen- dies gilt auch dann, wenn es sich um die eigenen Mitarbeiter handelt!

Möchten Unternehmen Musik in ihren Videos verwenden, so müssen sie bedenken, dass jegliches urheberrechtlich geschützte Material nur dann verwendet werden darf, wenn hierfür vom Inhaber der Rechte eine Erlaubnis vorliegt. Dies gilt auch dann, wenn es sich „nur“ um Hintergrundmusik handelt. Dies bedeutet, dass auch hier eine Lizenz eingeholt werden muss- entweder direkt beim Rechteinhaber oder bei der Verwertungsgesellschaft GEMA.

Darf man in Videos seine Produkte bewerben?

Möchten Unternehmen Videos dazu nutzen, neue Distributionskanäle zu den Zielgruppen zu erschließen, so ist zu beachten, dass der Werbecharakter für den Video-Konsumenten klar und eindeutig zum Ausdruck kommen muss. Andernfalls liegt ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vor. Denn das Wettbewerbsrecht sieht eindeutig vor, dass werbliches Handeln von Unternehmen transparent sein muss. Dabei spielt die Qualität des Videos keine Rolle. Zahlen Unternehmen also beispielsweise Bloggern Geld dafür, dass diese ihre Produkte in ihren Videos erwähnen, so muss dies als sogenannte Produktplatzierung gekennzeichnet und für den durchschnittlichen Adressaten erkennbar sein. Dazu sollte auf die Produktplatzierung bereits zu Beginn des Videos, nach einer Werbeunterbrechung und zum Ende der Aufnahmen für mindestens 3 Sekunden mit der Abkürzung „P“ als senderübergreifendes Logo hingewiesen werden. Ergänzend sollte der Hinweis „Unterstützt durch Produktplatzierung“ eingeblendet werden.

Was ist beim Hosting auf Videokanälen zu beachten?

Möchten Unternehmen ihre Werbe-Videos nicht nur auf ihrer Unternehmenswebseite hosten, sondern auch auf Videokanälen wie YouTube, so müssen sie beachten, dass auch dort bei sorglosem Umgang rechtliche Stolpersteine lauern: Nutzungsbedingungen, Community-Richtlinien und Datenschutzbestimmungen der einzelnen Plattform müssen genau beachtet werden. Andernfalls müssen Werbende damit rechnen, dass die Plattform den Videokanal sperrt oder den Vertrag kündigt. Dies ist besonders dann eine empfindliche Einbuße, wenn der Kanal über Jahre hinweg aufgebaut wird und die Videos von vielen Nutzer mitverfolgt werden.

Ist ein Impressum auch in Videos Pflicht?

Ja, wenn das werbende Unternehmen auf der Videoplattform seinen eigenen Kanal betreibt. Dieses muss nicht nur richtig und vollständig sein, sondern auch schnell zugänglich. Insofern gilt die sogenannte Zwei-Klick-Lösung: Das Impressum muss über höchstens zwei Klicks erreichbar sein. Demnach ist es völlig ausreichend, wenn Unternehmen in ihrem Kanal auf das Impressum der eigenen Webseite verlinken. Wichtig ist dabei nur, dass erkennbar ist, dass der Link zum Impressum führt.

IT-Anwalt Christian Solmecke hat sein geballtes Wissen rund um das Online- Recht gemeinsam mit Sibel Kocatepe in ein 749 Seiten starkes Buch zusammengefasst. Das Werk „Recht im Online-Marketing“ enthält alle Informationen, die für Unternehmen und Start-Ups in der digitalen Welt von Belang sein können. Ein Standardwerk, das Rechtsfallen bei der PR- und Marketingarbeit vorbeugen soll. Mehr Infos hier: Recht im Online-Marketing

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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