Internetrecht

Online-Banking Betrug ist auch über ein vermeintlich sicheres Unterkonto möglich

Wir wollen hier einmal über einen Fall berichten, der viele Online Banking Kunden vermutlich aufschrecken lassen wird. Über eine vermeintliche Testüberweisung hat ein Bankkunde eine Überweisung von seinem Unterkonto auf ein drittes Konto veranlasst. Der Clou ist, dass die Bank diesem Kunden stets versichert hatte, dass vom Unterkonto aus keine Direktüberweisungen erfolgen können, sondern stets über das Referenzkonto laufen müssen.

Bankkunde wird über eine vermeintliche Testüberweisung getäuscht

Als sich ein Online-Banking Kunde auf der Webseite seiner Bank einloggen wollte, wurde er aufgefordert zunächst eine Testüberweisung in Höhe von 4, 849 Euro durchzuführen. Dazu sollte er eine echte TAN eingeben. Was er übersah: die Überweisung sollte von seinem Unterkonto auf ein drittes fremdes Konto ausgeführt werden. Der Betrag wurde abgebucht und nun verlangt der Kunde von seiner Bank die Rückerstattung des Betrages.

Als Argument führte er an, dass die Überweisung niemals hätte erfolgen dürfen, alleine aus dem Grund, dass über das Unterkonto nur Verrechnungen mit dem Hauptkonto geführt werden können. Zudem habe er bisher ausschließlich volle tausender Beträge vom Unterkonto auf das Hauptkonto gebucht, sodass die Bank bei dieser Überweisung hätte stutzig werden sollen.

Bank verweigert die Rückerstattung

Die Bank hat die Rückerstattung verweigert mit dem Argument, dass hier ein grob fahrlässiges Verhalten des Kunden vorliege. Dieser hätte misstrauisch werden müssen, als er nach seinem Login aufgefordert wurde eine Testüberweisung mit einer gültigen TAN zu machen. Es sei allgemein bekannt und auch auf der Webseite der Bank werde klar und deutlich darüber aufgeklärt, dass die Bank ihre Kunden niemals zur Eingabe ihres Passwortes oder einer TAN auffordern würde.

Technisch ist die Überweisung von einem Unterkonto aus möglich

Das Argument des Kunden, dass zuvor vereinbart wurde, dass Überweisungen vom Unterkonto nicht möglich sind, lässt die Bank nicht gelten, mit folgender Begründung: „Sinn dieser Vereinbarung ist aber nicht ein besonderer Schutz vor Betrügern, sondern die Tatsache, dass Sie das Konto ohne Kontoführungsgebühr nutzen können.(…) Hieraus ergibt sich bereits eindeutig aus dem Wortlaut, dass das Konto technisch für den Zahlungsverkehr genutzt werden kann. Deshalb können Sie sich auch nicht darauf berufen, dass die Bank diese Nutzung hätte ausschließen müssen“. Unserer Ansicht nach, macht die Bank es sich hier ein bisschen zu einfach. Der Kunde geht gerechtfertigterweise aufgrund der Vertragsvereinbarungen davon aus, dass Direktüberweisungen von diesem Konto aus tatsächlich nicht möglich sind und automatisch blockiert werden.

Fazit: Hier hätte der Online-Banking Kunde vermutlich erkennen können, dass es sich hier um eine Betrugsmasche handelt. Allerdings sehen wir hier auch ein Mitverschulden der Bank. Diese hat eine Pflicht aus dem Vertrag verletzt, in dem vereinbart wurde, dass Überweisungen vom Unterkonto auf fremde Konten nicht möglich sind.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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