Internetrecht

Neue Gewinnchancen für Facebook

Schon lange fragt man sich, was sich Facebook einfallen lassen wird um das Vertrauen der Anleger (wieder) zu gewinnen.

Facebook Datenschutz Privatsphäre

© simsalabin1-Fotolia

Der Gang zur Börse stellte sich als ein Fehler dar und wurde schließlich zum Flopp. Es mag zwar richtig sein, dass das Unternehmen Milliarden wert ist, doch ist es dies nur aufgrund der vielen Nutzer die dort angemeldet sind. Das Problem: Das darf aber nicht alles sein.

 

Nun erscheint es so, als ob Facebook mit der Erfragung der Telefonnummern seiner User ein weiteres Geschäftsfeld entdeckt hat. Zwar geschieht dieses nur aus Sicherheitsgründen wie es Facebook selbst beteuert, fraglich erscheint aber, ob da nicht eventuell noch mehr dahinter steckt. Es sieht wohl so aus, dass die Nummern tatsächlich nicht direkt weitergegeben werden wie von manch einem behauptet, jedoch erscheint eine indirekte Nutzung durch Werbetreibende nicht ausgeschlossen. So ist es wohl möglich, dass ein Werbetreibender seine eigene Nummernliste mit dem Nummernpool von Facebook abgleichen kann. Facebook beteuert jedoch, dass nicht erkennbar ist, welche Person speziell hinter dieser Nummer steht. Bedenklich erscheint hier daher allerdings, dass Facebook dies nicht als Grund für das Sammeln der Nummern angibt.

 

Im Abschnitt „Custom Audience Targeting“ heißt es, dass Telefonnummern und Email Adresse von Werbetreibenden genutzt werden können, die Voraussetzung dafür sei aber, dass dieser Werbetreibende irgendwie an diese Daten schon gekommen sei. Sei es innerhalb oder außerhalb von Facebook. Damit kann er dann ein Zielpublikum bilden, um Werbung genau an diese Person zu schicken. Ein direkter Nummernabgleich findet nicht statt und der Werbebetreiber bekommt auch keine Liste von Facebook-Nutzern. In jedem Fall liegt die Nutzung der Telefonnummern durch Facebook nicht im Interesse desjenigen, der seine Nummer im Vertrauen darauf das diese von Facebook nur auch Sicherheitsgründen erfragt wird.

 

Solche Meldungen wirken natürlich wie Öl ins große Feuer. Denn in der Vergangenheit hat Facebook durchaus so einige negative Schlagzeilen verursacht. So hat der Konzern nicht nur Email Adressen ausgetauscht, sondern auch Datenbanken manipuliert, auch wenn es immer hieß, dass dies ein versehen gewesen sei.

 

Eine besonders interessante Vorgehensweise ist auch, dass sich Unternehmen bzw. sogar auch der Einzelne die Aufmerksamkeit anderer innerhalb Facebooks kaufen können. Ein Nutzer der Geld für seine Einträge bezahlt, wird eher wahrgenommen als jemand der dies nicht tut.

 

Facebook analysiert die Kommunikation zwischen den Mitgliedern und in Fällen in denen die Mitglieder über herkömmliche Email Adressen Kommunizieren und eben nicht mehr über Facebook, kann es sogar passieren das manch einer aus dem Newsfeed ausgeschlossen wird.

 

Solche Experimente verärgern natürlich viele Nutzer. Was besonders gravierend enden kann für ein Konzern wie Facebook. Da diese Nutzer das einzige Kapital dieses Konzerns sind, sollte hier in Zukunft mit besonderer Vorsicht gehandelt werden. Doch Facebook steht unter Druck, denn bei schwachem Börsenkurs hat das Unternehmen im dritten Quartal 2012 einen Verlust gemeldet.

 

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Frank sagt:

    Ich lehne mich jetzt mal ganz weit zum Fenster raus und behaupte, dass Facebook pleite geht.

    Wenn ein deutscher Verlag (Bertelsmann, Springer o.a.) ein „deutsches Facebook“ mit deutschen Datenschutzbestimmungen auf den Markt brächte, wäre das das Aus von Facebook.
    So schwer kann das ja nicht zu programmieren sein.

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