Internetrecht

Mehr Transparenz: Fluggesellschaften müssen Endpreis sofort anzeigen

Ab wann müssen Fluggesellschaften den tatsächlichen Endpreis auf ihren Onlinebuchungsportalen inklusive Steuern und Gebühren angeben? Dies hat heute der Europäische Gerichtshof geklärt.

Ticketpreis inklusive Steuern und Gebühren

In dem von den Verbraucherzentralen erhofften Urteil stellt der EuGH klar, dass die Ticketpreise dem Kunden von Anfang an inklusive Steuern und Gebühren angezeigt werden müssen. Das gilt nicht nur für den konkreten Flug. Vielmehr müssen auch alternative Verbindungen sofort und mit eindeutigem Endpreis für den Verbraucher erkennbar sein.

 

99 Cent-Flüge tatsächlich um ein Vielfaches teurer

 

Im heute entschiedenen Fall hatte der Bundesverband der  Verbraucherzentralen die Fluglinie Air-Berlin verklagt. Hierbei handelte es sich um einen Sachverhalt aus dem Jahre 2008. Der zweitgrößten deutschen Airline wurde vorgeworfen, die im Internet angegebenen Flugpreise ohne die hinzutretenden Zuschläge angegeben zu haben. Auf den angezeigten Preis kämen dann noch Steuern, Flughafengebühren sowie Kerosinzuschläge . Die allseits bekannten 99-Cent-Lockangebote für Flüge seinen eine irreführende Werbemaßnahme. Der tatsächliche Preis belaufe sich oft nämlich auf ein Vielfaches dessen.

Nun sollte geklärt werden, wann genau der endgültige Preis dem Nutzer anzuzeigen ist. Soll dies bereits bei der erstmaligen Preisanzeige verpflichtend sein oder kann dies auch zu einem späteren Zeitpunkt der Onlinebuchung geschehen? Dies haben die Richter des EuGH nun geklärt.

 

EU-Verordnung für mehr Transparenz bereits seit 2008

 

Bereits 2008 hatte eine EU-Verordnung dafür sorgen wollen, dass in die Flugbuchung mehr Transparenz Einzug erhält. Die damals noch werbewirksam propagierten Lockangebote von beispielsweise innereuropäischen Flügen für einen Euro sind wohl noch jedem bekannt.
Seit 2008 sind die Fluggesellschaften bereits verpflichtet, die Ticketpreise im Internet samt Steuern und Abgaben klar und rechtzeitig vor der Buchung anzuzeigen. Irreführende Werbung durch Lockangebote sollte so unterbunden werden. Neben den Zuschlägen dürfen dem Kunden außerdem keine zusätzlichen Angebote ohne dessen ausdrückliche Einwilligung aufgedrängt  werden. In den Buchungsportalen dürfen beispielsweise eine freiwillige Reiserücktrittsversicherung, Hotels oder Mietwagen nicht bereits markiert sein.

 

Urteil klares Signal zur Stärkung der Rechte des Kunden

 

Den Verbraucherschützern nach haben die Fluggesellschaften wie Air-Berlin dies in der Vergangenheit jedoch nicht so genau genommen.

Die Preisanzeigen bei Air-Berlin sind mittlerweile geändert. Für die Fluggesellschaft dürfte das Urteil insofern nicht von höchster Priorität sein. Zumal auch für die Verbraucherzentralen heute mehr die Online-Reisebüros im Fokus der Kritik stehen.

Jedoch steht eines für die Verbraucherzentralen fest: Sie sehen in dem heute ergangenen Urteil ein klares Signal zur Stärkung der Rechte des Kunden.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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