Foto- und Bildrecht

LG Köln: Veröffentlichung der Abbildung eines Paparazzi rechtmäßig

In einer aktuellen Entscheidung hat das LG Köln die Widerklage eines Fotografen abgewiesen, der sich gegen die Verbreitung eines Fotos von sich auf der Plattform Twitter wehren wollte.

Bildnachweis: paparazzi /fRandi-Shooters / CC BY 2.0/some Rights reserved

Gegenstand der Klage war zunächst die Veröffentlichung des Bildnisses eines bekannten Wettermoderators. Der Moderator, der wegen Vergewaltigungsvorwürfen, von denen er inzwischen freigesprochen wurde, zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saß, war vom Beklagten heimlich beim Hofgang im Gefängnis fotografiert worden.

Heimliches Foto vom Hofgang verbreitet

Das Bild war später in verschiedenen Medien veröffentlicht worden. Hiergegen wandte sich der Moderator und erwirkte vor dem LG Köln eine entsprechende einstweilige Verfügung; auch das OLG Köln bestätigte einen Unterlassungsanspruch gegen den Beklagten im einstweiligen Rechtsschutz.

Im Hauptsacheverfahren vor dem LG Köln wehrte sich der Fotograf seinerseits im Wege einer Widerklage gegen ein Foto, welches der Kläger von ihm gefertigt und zur Dokumentation des Paparazzi-Verhaltens des Beklagten auf der Plattform Twitter verbreitet hatte. Das Bild zeigte den Beklagten, der in der Nähe der Klägerwohnung im Auto saß und Zeitung las.

Das LG Köln gab nun (Urteil vom 09.11.2011, Az. 28 O 225/11) der Klage des Wettermoderators statt und wies die Widerklage zurück.

Verletzung berechtigter Interessen des Moderators

Die Veröffentlichung des Fotos des Wettermoderators stelle einen unzulässigen Eingriff in sein allgemeines Persönlichkeitsrecht dar. Insbesondere sei die Verbreitung und Veröffentlichung nicht dadurch gerechtfertigt, dass es sich bei dem Foto des prominenten Moderators um ein Bildnis der Zeitgeschichte handelt. Denn auch Personen die Aufnahmen von sich aufgrund eines hohen zeitgeschichtlichen Interesses dulden müssten, müssten hierbei die Verletzung ihrer berechtigter Interessen nicht hinnehmen. Bei der Abwägung zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Klägers sei hier insbesondere zu berücksichtigen gewesen, dass sich der Kläger in dem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Gefängnishof aufhielt. Aufgrund seiner Inhaftierung konnte er sich von dort auch nicht zurückziehen. Auch wirkte sich bei der Abwägung der Kammer aus, dass heimlich fotografiert worden war.

Foto des Paparazzo erfasst ein zeitgeschichtliches Ereignis

Im Gegensatz hierzu bewertete das Gericht die Veröffentlichung des Beklagtenbildnisses als zulässig. Zum einen handele es sich bei dem Foto um eines von zeitgeschichtlichem Interesse. Es zeige den Beklagten, der während des laufenden Gerichtsverfahrens gegen den Kläger vor dessen Wohnung warte, um ihn zu fotografieren. Gerade über den Umgang der Medien in diesem Strafverfahren war viel in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Das Bild sei geeignet, einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung im Bezug auf die Medienberichterstattung zu leisten.

Da der Beklagte nicht in einer privaten Situation sondern in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit fotografiert worden war, sei dem gegenüber ein schwerwiegender Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht zu verneinen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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