Internetrecht

Kündigung bei 1&1 nur per Fax?

Wer sein Vertragsverhältnis mit dem Internetdienstleister 1&1 Internet AG beenden will sieht sich im Zeitalter des Internets ungeahnten Problemen ausgesetzt: Die Kündigung soll angeblich nur per Fax möglich sein.

Zurzeit herrscht in diversen Foren und Blogs eine rege Diskussion zum Thema „Kündigung bei 1&1“. Kern der Diskussion ist die Maßgabe des Dienstleisters, dass Kündigungen nur qua Fax akzeptiert werden.

In Zeiten des Internets und der Prozessoptimierung drängt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach einem rechtsmissbräuchlichen Verhalten auf. Jedenfalls wächst der allgemeine Unmut gegenüber der Firma aus Montabaur. So häufen sich die Berichte, dass Teile der Kündigungsschreiben angeblich auf mysteriöse Art und Weise abhanden gekommen sind.

Die Beweislage in diesem Zusammenhang ist klar: Die Beweislast für den Zugang der Kündigung hat im Zweifel der Verbraucher zu tragen. Mit einem einfachen Sendeprotokoll des Gerätes ist dem nicht Genüge getan. Es stellt sich daher die Frage, ob nicht ganz einfach aus taktischen Gründen eine Kündigung per Fax verlangt wird. Trägt nämlich der Verbraucher die Beweislast hinsichtlich des Zugangs der Kündigung, so führt dies bei verbleibenden Zweifeln zu einer Unwirksamkeit der behaupteten Kündigung und damit zu einer Fortdauer des Vertragsverhältnisses.

Es ist natürlich auch möglich, dass die entscheidenden Passagen der Schreiben tatsächlich im Wege der Übertragung, etwa irgendwo auf dem weiten Weg durch die alten Glasfaserkabel verloren gehen. Man könnte aber auch vermuten, dass das Unternehmen hier eben wegen der unklaren Beweislage eine Kündigung per Fax verlangt. Der sich dem objektiven Betrachter aufdrängende Eindruck wird dadurch verstärkt, dass auf die vermeintlich unvollständig übertragenden Kündigungen nicht auch per Fax, sondern per Mail geantwortet wird. Warum kann man dann nicht auch per Mail kündigen? Sicher ist, dass es in diesem Zusammenhang zu einer auffälligen Vielzahl von Fällen gekommen ist und vermutlich weiter kommen wird.

Fazit:

Wer sich dem bei 1&1 nicht aussetzen will dem bleibt zu raten den konventionellen Weg zu wählen, den das Bürgerliche Gesetzbuch vorsieht. Hier wurde noch vor den Zeiten des Faxgerätes geregelt, wie man einen Vertrag vernünftig kündigt: per Brief. Wenn man diesen per Einschreiben mit Rückschein verwendet kann man sicher nichts falsch machen – es sei denn die wichtigen Passagen fallen- ähnlich der Faxübermittlung- aus dem Briefumschlag.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 4,67 von 5)

RSSKommentare (5)

Kommentar schreiben

  1. M.L. sagt:

    Garantiert ein Einschreiben mit Rückschein auch den Inhalt der Post ? Vgl. auch mit http://www.anwalt.de/rechtstipps/einwurf-einschreiben-als-zustellungsnachweis_024691.html

  2. Mastergenius [Mobile] sagt:

    Inwiefern kann gegen diese Praxis denn rechtlich vorgegangen werden? Immerhin scheint hier ein begründeter Verdacht zu bestehen, dass 1&1 hier die Verträge gegen den Kundenwillen aufrecht erhalten will.

  3. Die hier beschriebenen Gerüchte sind Unfug. Selbstverständlich ist bei 1&1 eine formlose schriftliche Kündigung möglich – natürlich auf dem Postweg.

    Wir empfehlen unseren Kunden aber – insbesondere wenn Sie mehrere Verträge haben oder Domains betroffen sind – die Kündigung über das 1&1 Control-Center zu initiieren. Hier bieten wir optional ein Formular an, bei dem alle notwendigen Daten bereits eingetragen sind.

    In der Vergangenheit haben die meisten Domainregistrierungsstellen (Registrys) bei Kündigungen oder Domainumzügen zwingend eine Unterschrift des Domaininhabers verlangt. Mittlerweile genügt oft ein Authentifizierungscode.

    Entsprechend konnten wir den Kündigungsprozess schon deutlich vereinfachen und werden ihn noch weiter optimieren.

    Andreas Maurer
    Head of Social Media Communications
    1&1 Internet AG

  4. DJKaito [Mobile] sagt:

    am besten man macht sich eine Kopie! oder man schickt die Kopie los so steht man nachher nicht mit leeren händen da wenn die aus dem Umschlag fallen.

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.