Internetrecht

Kindersicherheit im Netz: Ist die Software KinderServer ein Flop?

Unsere Kinder brauchen im Netz mehr Sicherheit! Deshalb hat das Familienministerium vor wenigen Wochen die Kinderschutzsoftware KinderServer eingeführt. Allerdings droht das Projekt bereits jetzt zu scheitern. Denn das Programm kann von Kindern nur allzu leicht ausgetrickst werden wie unabhängige Computer-Experten meinen. Die Geschichte eines Flops.

kinder software

©-asrawolf-Fotolia

Auch Kinder sind heute schon im Netz zu Hause. Egal ob Surfen, Spielen, Videos schauen oder sich mit Freunden über Facebook & Co. austauschen – fast alles findet online statt.

Doch im Netz lauern für Kinder viele Gefahren. Nicht nur Abo-Fallen oder illegales Filesharing können den Online-Spaß trüben. Vor allem stoßen Kinder leicht auf gefährliche Inhalte, beispielsweise Gewalt- oder Schmuddelseiten. Viele besorgte Eltern fragen sich daher: Ist mein Kind im Netz sicher? Und wie kann ich es beim Surfen schützen?

Familienministerium startet KinderServer

Um Kindern die nötige Online-Sicherheit zu bieten, hat das Bundesfamilienministerium nun die Schutzsoftware KinderServer gestartet. Damit sollen junge Internetnutzer bis 12 Jahre vor unangemessenen Netzinhalten geschützt werden.

Bei der Vorstellung des Projekts erklärte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, man wolle für die Jüngsten im Netz einen „sicheren Surfraum“ schaffen. Gleichzeitig sollten Kinder „mit Spaß das Internet entdecken und seine Chancen nutzen“. So könnten sie ihre Medienkompetenz frühzeitig entwickeln. Doch wie funktioniert die neue Software? Und wie sicher ist sie wirklich?

Programm blockt bedenkliche Inhalte

Einmal durch die Eltern mit einem Passwort eingerichtet, erlaubt der KinderServer Nachwuchs-Surfern nur noch den Aufruf von kindergerechten Seiten. Dazu leitet das Programm den gesamten Internetverkehr über einen sogenannten Proxy-Server, eine Art technische Weiche im Netz. Ansurfen lassen sich dann nur noch Webseiten, die auf einer von Medienpädagogen geprüften Liste stehen oder von Anbietern als für Kinder bis zwölf Jahren unbedenklich gekennzeichnet sind. Dazu gehören vor allem Inhalte von Kindersuchmaschinen wie Blinde Kuh oder fragFINN.

Zwar werden durch diese Beschränkung auch nützliche Seiten mit jugendfreien Angeboten, beispielsweise Wikipedia geblockt. Eltern können aber ausgesuchte Webseiten, wie Hausaufgaben-Portale oder die Homepage der Schule und des Sportvereins zum KinderServer hinzufügen und ihrem Kind so das Surfen darauf erlauben.

Einrichtung kinderleicht möglich…

Installieren lässt sich der Kinderschutz spielend einfach als Software für Windows bzw. Mac OS oder als Add-on für die Internet-Browser Firefox und Google Chrome. Und auch auf iPhones oder Android-Geräten ist der KinderServer über die App „Meine Startseite“ schnell einsatzbereit.

…Austricksen aber auch

Allerdings scheint die Regierung – wie so oft beim Thema Internet – technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein. Denn nach Meinung von Experten weist der KinderServer große Schwächen auf und lässt sich kinderleicht umgehen. Mit nur wenigen Mausklicks kann der Nachwuchs den Surfschutz wieder ausschalten– und zwar ohne das elterliche Passwort zu kennen. Dazu muss das Kind nur den Proxy-Eintrag in den Einstellungen des Internet Explorer rückgängig machen, oder das Programm im Taskmanager gleich ganz beenden. Beides funktioniert ganz ohne Passwort oder Administrator-Rechte. Das Add-on für Firefox kann sogar noch leichter umgangen werden, indem einfach ein anderer Browser, wie Google Chrome oder Opera zum Surfen genutzt wird. Selbst mit Computern wenig geübte Kinder dürften diese Hürden – zumal mit Hilfe ihrer Freunde – leicht umgehen.

Angesichts dieser Sicherheitslücken bleibt Eltern, die ihren Nachwuchs im Internet sicher schützen wollen, wohl nur die Möglichkeit auf andere Schutzsoftware zurückzugreifen – oder ihren Sprösslingen beim Surfen regelmäßig über die Schulter zu schauen!

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Torsten sagt:

    Willkommen im Internet.

    Fragen die sich mir stellen wären …

    – Wie viel Geld wurde (mal wieder) für (super tolle) Filter Software verbraten?

    „Vor allem stoßen Kinder leicht auf gefährliche Inhalte, beispielsweise Gewalt- oder Schmuddelseiten.“

    Im Großteil der Fälle dürfte das doch an dem Kind liegen. Oder am Freundeskreis des Kindes. Auf SERIÖSEN Seiten dürfte man dann doch relativ selten mit xxx Werbung etc erschlagen werden.

    Klar wenn mein kleiner Bengel auf kino.to Filme schaut oder bei google nach Hardcore xxx Filmen sucht dann wird es auch mit xxx Werbung erschlagen und gelangt unter Umständen in eine fiese Abo Falle weil der divX Player mal wieder ein Update braucht. (Oder Papa hat sich auf Schmuddel Seiten was eingefangen 😉 )

    Mich würde ja mal interessieren wie die überhaupt auf solche Ideen kommen also wie so eine Sitzung aussieht …
    Filter lässt sich umgehen indem man einfach einen anderen Browser nutzt? Kann man sich ja gar nicht ausdenken! :/

    Immer diese Noobs 😀

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