Internetrecht

Kinderpornografie wird hauptsächlich über Tauschbörsen verbreitet

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz-Universität Hannover. Anlass für die Studie war die häufig gebrauchte Begründung von Befürwortern der sogenannten Websperren, dass mit kinderpornografischen Werken im Internet immense Summen umgesetzt würden.

Diese Behauptung wurde nun im Rahmen der Studie empirisch untersucht. Die Studie baut auf eine Analyse von Strafakten aus Niedersachen des Jahres 2008 sowie Befragungen von Strafermittlern im Bereich Kinderpornografie auf und wurde von der Initiative „White IT“ des niedersächsischen Innenministeriums gefördert.

Prof. Bernd-Dieter Meier, Direktor des Instituts erklärte, dass der größte Markt für kinderpornografische Inhalte in unentgeltlichen Tauschbörsen liege, dort bestehe ein breites, nahezu unerschöpfliches und grundsätzlich kostenloses Angebot. Neue Inhalte dagegen würden wahrscheinlich zunächst in geschlossenen Nutzergruppen verbreitet, um in diese einzudringen müsse man jedoch zuvor eine Keuschheitsprobe ablegen, also selber neues, kinderpornografisches Material anderen zur Verfügung stellen.

Prof. Meier bestätigte weiter, dass es durchaus Interesse an kostenpflichtigen Angeboten von kinderpornografischem Material gebe, besonders Neulinge auf dem Gebiet seien eher bereit, Geld für Kinderpornografie zu bezahlen, aber auch bei diesen Inhalten handele es sich meistens um Dateien, welche aus kostenlosen Quellen bezogen wurden.

Die Strafverfolgung innerhalb der Tauschbörsen gestaltet sich im Übrigen sehr schwierig. Die ermittelnden Behörden können beziehungsweise dürfen diese „Keuschheitsprobe“ verständlicherweise nicht absolvieren, da das Hochladen von neuen pornografischen Inhalten nicht von § 184b Absatz 5 StGB gedeckt und somit rechtswidrig wäre.

In Hinblick auf die in der Politik so häufig geforderten, praktisch aber kaum möglichen Websperren kann man also sagen, dass sie zumindest hinsichtlich der Kinderpornografie kaum Sinn machen würden. Die Inhalte werden schließlich der Studie nach nicht über einzelne, kostenpflichtige Internetseiten verbreitet, sondern meistens in kaum überwachbaren Filesharing-Netzwerken.

 

Quellen:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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