Internetrecht

Jugendschutz mit vertrackten Folgen: Gemüsehändler wird Opfer von Netzsperre

An einem aktuellen Fall aus Großbritannien wird deutlich, was Sperren im Internet gegen Kinderpornografie alles anrichten können. Darüber hinaus ist fragwürdig, ob sie Kinder und Jugendliche wirklich schützen.


Nachdem die europäische Kommission zur Bekämpfung von Kinderpornografie die Einrichtung von Netzsperren fordert, sollte ein aktuelles Beispiel aus Großbritannien zu denken geben. In diesem Land sind Netzsperren schon eingeführt worden.

In dem zugetragenen Fall ging es nicht etwa um absichtlich durchgeführte Internetzensur von Webseiten mit politisch „unerwünschten“ Inhalten. Vielmehr wurde aus Versehen das Internetangebot von o2 aufgrund von Filtern als jugendgefährdend eingestuft. Dies kam dadurch, weil dort von „frischen Früchten/Früchtchen“ die Rede war. Der eingebaute Filter ging aufgrund dieser Worte irrtümlicherweise von Kinderpornografie aus. Die Folge war, dass die Seite nur noch für über 18 jährige zugänglich war, die ihre Volljährigkeit durch eine Kreditkartenzahlung „nachweisen“ konnten.

In der Zwischenzeit wurde diese Sperre angeblich wieder aufgehoben. Aber hieran wird deutlich, wozu unsinnige Regulierungswut führen kann. Darüber hinaus ist zweifelhaft, ob diese Sperren wirklich zum Jugendschutz geeignet sind. Keine Frage ist, dass Kinderpornografie unbedingt bekämpft werden muss. Aber nicht mit solchen Mitteln, die ins Leere gehen und Unschuldige treffen.

 

Quellen:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Sebastian sagt:

    Der Inhalt wurde als Kinderpornografie eingestuft und war deshalb ab 18 zugänglich? Macht auch keinen Sinn oder?

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