Internetrecht

Internetkriminalität – Online-Shop für Schadsoftware entdeckt

Die Kriminalität im Internet steigt von Jahr zu Jahr. Cyberkriminelle entwickeln immer neue Methoden, um unerkannt Daten, Geld oder Informationen zu stehlen. Üblicherweise entwickeln Betrüger die nötige Schadsoftware selber. Mitarbeiter der russischen Sicherheitsfirma Kaspersky Labs haben nun einen Webshop entdeckt, der Schadsoftware im Angebot hat, die auch von Laien als Komplettpaket gekauft und verwendet werden kann.

Internetkriminalität – Online-Shop für Schadsoftware entdeckt ©-asrawolf-Fotolia

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Spear-Phishing Angriff auf Bankmitarbeiter

Die Mitarbeiter des russischen Sicherheitsunternehmens Kaspersky Labs hatten sich Ende 2015 mit einer Spear-Phishing Attacke beschäftigt und diese näher untersucht. Ein Bankmitarbeiter aus Singapur hatte eine auf den ersten Blick unauffällige E-Mail von einem scheinbaren Bank-Kollegen erhalten. In der E-Mail wurde vor einem Geldwäsche-Fall gewarnt. Angehangen waren Dateien, die weitere Detailinformationen zum Fall beinhalten sollten. Der Empfänger der E-Mail hatte daraufhin den Anhang geöffnet. Dabei hatte er jedoch keine weiteren Informationen erhalten, sondern unbemerkt einen Trojaner aktiviert. Dieser war so programmiert, dass er nach Aktivierung die Kontrolle über den Computer übernommen hatte.

Ermittelter Absender der Spear-Phising-Mail überrascht Fachleute

Spear-Phishing Attacken sind heutzutage eine beliebte Methode, um Computer zu kapern. Die Programme ermöglichen zum Beispiel die Protokollierung jeder Tasteneingabe, die Kontrolle über eingebaute Mikrofone und das Auslesen der Festplatte. Passwörter gelangen auf diesem Wege schnell in die Hände der Betrüger. Die Mitarbeiter von Kaspersky Labs sind bei der Untersuchung des Falles auf den tatsächlichen Absender der E-Mail gestoßen. Es handelte sich dabei um einen Nigerianer. Diese Tatsache verwunderte, da nigerianische Cyberkriminelle bis dato nicht durch die Nutzung komplexer Schadsoftware aufgefallen sind. Vielmehr haben sich nigerianische Online-Betrüger in der Vergangenheit mehr auf den Versand von einfachen betrügerischen E-Mails konzentriert.

Webshop mit Abo-Angeboten für Schadsoftware entdeckt

Im Zuge weiterer Ermittlungen waren die Viren-Experten auf einen Webshop aufmerksam geworden, der eine große Zahl sehr wirkungsvoller Schadsoftware zum Verkauf anbot. Der nordafrikanische Absender der E-Mail hatte die Software wohl gar nicht selbst programmiert, sondern über den Webshop bestellt und letztlich nur angewendet. Die grundsätzliche Möglichkeit Schadsoftware im Internet zu erwerben ist nicht neu. Auffallend ist aber, dass der Webshop vergleichsweise einfach im Internet zu finden ist. Üblicherweise wird der Zugang und Verkauf von Schadsoftware restriktiver gehandhabt. Cyberkriminelle bleiben gerne unter sich und bieten Dritten selten Zugang zu Programmen und Informationen.

Kaspersky Labs vermutet über 2000 zahlende Kunden

Es deutet sich an, dass in Zukunft noch mehr Gefahr von Cyber-Kriminellen ausgehen wird. Die Zahl derer, die unter Einsatz wirkungsvoller Schadsoftware Dritte operieren, wird dadurch steigen, dass Schadsoftware immer öfter auf einfachem Wege käuflich zu erwerben ist. Es ist immer weniger notwendig, dass Online-Betrüger selber ausgefeilte Programmierkenntnisse haben. Da die Zahl der möglichen Täter steigt, steigt auch das Risiko selbst Opfer eines Cyber-Angriffes zu werden. Privatpersonen, Unternehmen und staatliche Stellen sollten die eigene IT-Sicherheit stets dem aktuellen Stand anpassen. Experten von Kaspersky Labs gehen davon aus, dass eine internationale Zusammenarbeit von Sicherheitsbehörden notwendig ist, um die verantwortlichen Webshop-Betreiber zu identifizieren. (NIH)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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