Internetrecht

Haftung des Bankkunden bei Phishing-Mails – Das Amtsgericht Frankfurt am Main hat entschieden

Mit Urteil vom 24.03.206 wies das AG Frankfurt die Klage einer Bankkundin zurück, die die Verurteilung ihrer Bank zum Ausgleich ihres Kontos wegen einer nicht autorisierten Abbuchung verlangte. Es entschied, dass immer dann, wenn ein Bankkunde sich bei Phishing-Mails grob fahrlässig verhält, diesem später keine Schadensersatzansprüche gegen das Geldinstitut zustehen (AG Frankfurt a.M. Az.: 32 C 3377/15 (72).

 Haftung des Bankkunden bei Phishing-Mails ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

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Die Hintergründe

Die Klägerin unterhielt bei der Beklagten ein Girokonto, welches für das Onlinebanking- sowie das Telefonbanking-Verfahren freigeschaltet war.

Anfang 2014 erhielt die Klägerin eine sogenannte Phishing-Mail, die mit dem Logo ihrer Bank versehen war und in der sie dazu aufgefordert wurde, aufgrund technischer Änderungen, ihren Telefonbanking-Pin mitzuteilen. Daraufhin machten sich die Betrüger ans Werk und ließen vom Konto der Klägerin einen Betrag in Höhe von 4.900,00 EUR abbuchen. Mit ihrer Klage verlangte die Klägerin die Erstattung dieses Betrages von ihrer Bank.

Phishing: Keine Ansprüche bei Fahrlässigkeit

Das Amtsgericht Frankfurt a.M. wies die Klage zurück. Die Klägerin habe sich grob fahrlässig verhalten und damit auch einen Ersatzanspruch seitens der Bank begründet. Grob fahrlässig handle derjenige, der die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maß verletze. Dies habe die Klägerin hier getan.

Als Nutzerin des Onlinebanking-Verfahrens müssten ihr die damit verbundenen Risiken und Betrugs-Möglichkeiten bewusst sein und sie hätte niemals ihren Pin einfach herausgeben dürfen. Bereits die Phishing-Mail hätte der Klägerin verdächtig erscheinen müssen, da sie über sprachliche Mängel verfüge und es an der Angabe ihres Sachbearbeiters bei ihrem Kreditinstitut fehlte.

Zumindest hätte sie sich jedoch durch Anruf bei ihrer Bank vergewissern müssen, ob es sich bei der E-Mail tatsächlich um eine solche ihrer Bank handelte.

Fazit

In der heutigen Zeit macht ein Großteil der deutschen Bevölkerung von dem Onlinebanking-Verfahren Gebrauch. Hierbei obliegt es jedem Einzelnen sich selbst und seine Bankdaten zu schützen. Verbraucher sollten sich der Risiken bewusst sein, die diese Verfahren bergen und insbesondere den eigenen Pin mit erhöhter Sorgfalt behandeln. Kreditinstitute weisen regelmäßig auf den eigenen Websites auf diesen Umstand hin, sodass sie am Ende auch nicht dafür belangt werden können, wenn aufgrund eigenes Verschuldens trotzdem etwas passiert. (KaV)

Sicher ist das folgende Video zum Phishing interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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