Internetrecht

Gratis-Spieleapps können zur Kostenfalle werden

Wer auf der Suche nach einem kostenlosen Spiel fürs Smartphone oder Tablet ist, wird schnell in seinem App Store fündig. Hier gibt es zahlreiche Angebote, die kostenlos geladen und gespielt werden können. Besonders Kinder empfinden diese Auswahl verlockend und nutzen sie häufig. Einige App-Entwickler machen sich dieses Wissen zunutze. Sie entwickeln Spiele-Apps die auf den ersten Blick völlig kostenlos genutzt werden können. Um in dem Spiel jedoch schneller oder überhaupt weiter zu kommen, müssen virtuelle Güter wie beispielsweise Juwelen, Goldmünzen oder Früchte gekauft werden. In-App-Kauf heißt dieses für die App-Anbieter lukrative Geschäft. Denn besonders Kindern ist oft nicht klar, dass sie bei den In-App-Käufen wirklich Geld ausgeben.  

© SIGNTIME - Fotolia

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Versteckte Kostenfalle: In-App-Kauf

Besonders Apps die das Kind moralisch unter (Kauf-)Druck setzen sind fragwürdig. Dies ist beispielsweise bei Tierpflege-Apps der Fall. Während das Herunterladen und Starten des Spiels kostenfrei sind, muss das Futter für das Tier bezahlt werden. Ohne Futter jedoch stirbt das Haustier. „Das ist besonders schwierig für jüngere Kinder, die natürlich nicht wollen, dass ihr Pferd oder Kaninchen stirbt, sondern dann tut man natürlich alles dafür, um das Tier am Leben zu erhalten“, meint Carola Elbrecht vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Bei den App Stores stellt die Passwortabfrage eine Schwachstelle dar. Denn für den Kauf von Apps im Apple Store ist zwar die Eingabe des iTunes-Passwortes zwingend erforderlich, aber es bleibt für 15 Minuten im Hintergrund aktiv. Installiert also ein Elternteil seinem Kind ein Spiel, kann dieses anschließend, in den nächsten 15 Minuten, In-App-Käufe tätigen. Bei Android-Geräten hingegen existiert keine zeitliche Begrenzung, d.h. hier können Kinder jederzeit und für die Dauer des Spiels In-App-Käufe abschließen. Denn vielfach sind Kreditkartendaten oder Daten des Mobilfunkanbieters (falls man seine Google Play Store-Einkäufe per Handyrechnung bezahlen möchte) im Play Store hinterlegt. Lediglich den Button „Akzeptieren & kaufen“ muss das Kind noch aktivieren und im Rausch des Spiels wird über dessen Wirkung (Abschluss eines Kaufvertrags) nicht weiter nachgedacht.

Schutz vor Abzocke

Besonders Verbraucherschützer und Pädagogen kritisieren das Vorgehen der App-Hersteller heftig.  Apple reagierte bereits auf die Kritik. Der Konzern informiert jetzt vor der Installation eines Spiels auf den In-App-Kauf hin. Zudem schaltete Apple eine iTunes Hinweisseite für Eltern.

Rechtlich ist nur schwer gegen In-App-Käufe vorzugehen, daher müssen Eltern selbst aktiv werden. Sie sollten darauf achten, dass sie in den Einstellungen ihres Smartphones In-App-Käufe blockieren. Bei Apple lassen sich In-App-Käufe ganz stoppen, bei Android-Geräten wird dann immerhin eine Pin-Nummer vor dem Kauf abgefragt. Ist es zu einem In-App-Kauf ohne das Wissen der Eltern gekommen, sollten sich diese schnellstmöglich mit dem App-Store-Betreiber in Verbindung setzen und den Kauf anfechten. Vielfach zeigen sich die Anbieter kulant und überweisen das Geld zurück.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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