Internetrecht

Abzocke – Gewerbe-Meldung.de

In den letzten Tagen häufen sich Anfragen von Betroffenen, die ein Formular einer Firma „europe reg services“ bekommen haben. Im Briefkopf ist ein stilisierter Adler und Bezeichnungen wie „Herzogenrath.Gewerbe-Meldung.de“ oder „Elsdorf.Gewerbe-Meldung.de“. Es handelt sich um ein Anschreiben auf Recyclingpapier, wie es häufig von Behörden verwendet wird. Die Adresse lautet „Zentrale Postverteilstelle, Gerichtsweg 2, 04103 Leipzig“. Je nach dem wo der Betroffene wohnt, wird der Ort entsprechend angepasst.

Besonders dreist ist der Text. Darin heißt es, dass man seit der Auflösung von dezentralen Gewerbeverzeichnissen die Aufgabe übernommen habe, in der Bundesrepublik Deutschland die Gewerbeverzeichnisse abzuwickeln. Es wird also suggeriert, man würde eine hoheitliche Aufgabe wahrnehmen. Genau das ist jedoch nicht der Fall.

Es liegt ein Formular bei, in dem die Daten größtenteils bereits vorausgefüllt sind. Fett gedruckt ist, dass man die Rückantwort gebührenfrei senden kann. Es wird sogar eine Art Frist gesetzt.

Man versucht offenbar mit allen Mitteln den Eindruck zu vermitteln, dass es hier um die Erfassung von Daten für ein behördliches Register geht. Der Briefkopf, die Adresse, das Layout und der Text sollen die Betroffenen täuschen und in dem Glauben zur Unterschrift verleiten, es ginge hier um etwas „offizielles“ und nicht etwa um eine kostenpflichtige Leistung.

Erst wenn man das Kleingedruckte ganz bis zum Ende liest stellt man fest, dass ein Vertrag geschlossen werden soll. Dieser soll drei Jahre laufen und pro Jahr 348,00 € kosten.

Die Formulare werden besonders gerne an neu angemeldete Kleinunternehmen versandt. Die Betroffenen sind völlig unbedarft, da sie ja durchaus erwarten, behördliche Schreiben zu erhalten und lassen sich durch die vermeintlich offizielle Aufmachung des Schreibens täuschen. Das böse erwachen kommt dann, wenn die Rechnung ins Haus flattert.

Gewerbe-Meldung.de ähnelt dem von bekannten Branchenbuch-Abzockern

Das Vorgehen der „europe reg services“ mit Ihren Formularen für Gewerbe-Meldung.de ähnelt dem von bekannten Branchenbuch-Abzockern wie der GWE oder der DR-Verwaltung GmbH. Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass man die bekannte Formular-Masche weiter verfeinert hat. Indem man den jeweiligen Ortsnamen des Betroffenen voranstellt, wirkt die Täuschung noch echter.

Im Internet kann man praktisch jede beliebige Stadt der Adresse voranstellen. Egal ob „koeln.gewerbe-meldung.de“, „berlin.gewerbe-meldung.de“, „hamburg.gewerbe-meldung.de“ „muenchen.gewerbe-meldung.de“ oder zahlreiche andere beliebige Städte alle Adressen führen zum besagten Anbieter. Auf der Seite werden sogar öffentliche Ausschreibungen wiedergegeben, auch hier versucht man mit aller kraft, den vermeintlich offiziellen Eindruck aufrecht zu erhalten.

Was können Betroffene tun?

Vor allem: Jeden Posteingang gewissenhaft lesen und nichts ungeprüft unterschreiben. Wenn Zweifel bestehen, den Namen des Registers im Netz suchen und schauen, ob es sich um Abzocke handelt. Wenn man auch dabei nichts findet, besser rechtlichen Rat einholen.

Gerne können Sie sich in Zweifelsfällen telefonisch an uns wenden. Die erste Einschätzung ist kostenfrei.

Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Rechnung ins Haus flattern sollte, dann bloß nicht unbedarft zahlen. Aus unserer Sicht ist der angebliche Vertrag nichtig und anfechtbar. Holen Sie Rat ein und lassen Sie mithilfe anwaltlicher Unterstützung den angeblichen Vertrag anfechten und die Forderung zurückweisen. (RaS)

Rechtsanwalt Rafael Struwe arbeitet seit 2013 in freier Mitarbeit für die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt Verkehrsrecht.

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