Foto- und Bildrecht

Ron Sommer siegt nach 16 Jahren Rechtsstreit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Der Verlag der Wirtschaftswoche darf keine Manipulation an Fotos vornehmen, die für den Leser nicht als Manipulation zu erkennen ist. Anderenfalls können abgebildete Personen, deren Fotos manipuliert wurden, Unterlassungsansprüche durchsetzen. Die Meinungsfreiheit des Verlages wird dadurch nicht verletzt.

Ron Sommer siegt nach 16 Jahren Rechtsstreit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ©-cirquedesprit-Fotolia

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Ron Sommers Kopf verzerrt abgedruckt

Vor mehr als 15 Jahren hat die Wirtschaftswoche den ehemaligen Vorstandschef der Telekom, Ron Sommer, auf dem Titelbild der Zeitschrift abgedruckt. Dabei wurde ein Foto des Kopfes von Ron Sommer um 5 % gestreckt. Für den Leser war nicht eindeutig zu erkennen, dass das Foto vor dem Abdruck nachbearbeitet worden ist. Sommer hat sich durch die Manipulation in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt gesehen und durch alle Instanzen auf Unterlassung geklagt.

Manipulation auf Foto für den Betrachter nicht erkennbar

Das Bundesverfassungsgericht musste sich nach langem Rechtsstreit auf nationaler Ebene mit der Frage auseinandersetzen, ob Fotos abgebildeter Personen bearbeitet abgedruckt werden dürfen, wenn dem Betrachter nicht deutlich auffällt, dass es sich um bearbeitete Bilder und keine Originalaufnahmen handelt. Das Bundesverfassungsgericht urteilte dabei, dass Ron Sommer eine für den Leser oder Betrachter nicht erkennbare Manipulation seines Bildes nicht hinnehmen müsse und gab der Unterlassungsklage statt. Der Verlag der Wirtschaftswoche wollte das Urteil nicht akzeptieren.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) sollte nach einer Beschwerde des Verlages der Wirtschaftswoche entscheiden, ob der Verlag durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in seiner Meinungsfreiheit verletzt ist. Die Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte lehnten die Beschwerde des Verlages letztlich ab (Az. 52205/11). Es sei nicht erkennbar, dass der Verlag in seiner Meinungsfreiheit verletzt werde. Das Gericht bezog sich dabei auch auf die Meinung eines Sachverständigen. Dieser ging davon aus, dass der abgedruckte Kopf von Ron Sommer gar nicht hätte bearbeitet werden müssen, sondern auch in seinen Originalmaßen auf das Titelbild gepasst hätte.

Vorsicht vor Manipulationen

Vorsicht sollte immer dann walten, wenn Fotos anderer Personen veröffentlicht werden. Werden veröffentlichte Bilder ohne Grund bearbeitet und erkennt der Betrachter des bearbeiteten Bildes nicht, dass es vor der Veröffentlichung manipuliert wurde, können Unterlassungsansprüche des Abgebildeten bestehen. (NIH)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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