Foto- und Bildrecht

Reproduktionsfotografien von Gemälden sind urheberrechtlich geschützt

Das Landgericht Berlin hat in seinem Urteil vom 31.Mai 2016 (Az. 15 O 428/15) entschieden, dass Fotos von gemeinfreien Gemälden als Lichtbilder urheberrechtlich geschützt sind.

 

 Reproduktionsfotografien von Gemälden sind urheberrechtlich geschützt ©-cirquedesprit-Fotolia

Reproduktionsfotografien von Gemälden sind urheberrechtlich geschützt ©-cirquedesprit-Fotolia

Hintergrund des Verfahrens waren 17. sogenannte Reproduktionsfotografien von Gemälden die ein Fotograf im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses bei Reiss-Engelhorn-Museen für ein Sammelband 1992 fertigte. 2006 hatte ein Wikimedia-Nutzer  Fotos dieser 17 Gemälde, ohne Zustimmung der Museen, auf Wikimedia Commons hochgeladen und die fotografierten Gemälde sowie die Fotografien selbst für gemeinfrei erklärt. In Folge kam es zu zahlreichen ungenehmigten, insbesondere auch gewerblichen Nachnutzungen der Fotografien.

Als Inhaber der Urheberrechte an den Fotos hatte Reis-Engelhorn -Museen daraufhin Unterlassungsansprüche gegen Wikimedia geltend gemacht und forderten diese zur Löschung auf. Wikimedia hingegen vertrat die Auffassung,  dass die Bilder als 1:1-Reproduktionen gemeinfreier Gemälde nicht dem Lichtbildschutz unterfielen und daher nicht nur die Gemälde, sondern auch die Fotografien der Gemälde gemeinfrei seien.

Lichtbilder urheberrechtlich geschützt

Das Landgericht Berlin entschied nun, das die Fotografien als Lichtbilder im Sinne des § 72 Abs. 1 UrhG zu qualifizieren sind. Dies gelte auch dann, wenn das abgelichtete Motiv gemeinfrei sei. Ob ein Foto von einem Gemälde Lichtbildschutz erhalte, könne nicht davon abhängig gemacht werden, was der Eigentümer des Gemäldes damit mache. Vielmehr komme es dabei auf die aufwendige handwerkliche-technische Leistung sowie auf ein Mindestmaß an persönlicher geistiger Leistung an, die für eine originalgetreue Reproduktion und für einen Lichtbildschutz erforderlich ist. Anders sei es bei reinen „Bild vom Bild“ Reproduktionen oder einfachen Knipsereien, denn diese seien gerade nicht geschützt.

Weiterhin sei auch die Informationsfreiheit kein Grund, Lichtbildschutz zu versagen und sich ungefragt und eigenmächtig an den Leistungen Dritter- hier an professionellen Reproduktionen- zu bedienen, so das Gericht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wikimedia hat bereits angekündigt gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. (LiA)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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