Foto- und Bildrecht

Keine Nacktfotos im Rathaus von Köpenick

Im Rathaus von Berlin-Köpenick werden seit Anfang März mehrere hundert Fotos ausgestellt. Zwei davon hat die verantwortliche Kulturamtsleiterin Annette Indetzki nun entfernen lassen. Die Bilder haben nackte Frauen gezeigt. Einige andere ausstellende Künstler sind aufgrund der Zensur empört und haben eigene Kunstwerke frühzeitig wieder aus dem Rathaus entfernt.

Keine Nacktfotos im Rathaus von Köpenick © ferkelraggae-Fotolia

Keine Nacktfotos im Rathaus von Köpenick © ferkelraggae-Fotolia

Nackte Frauen nicht erwünscht

Die Ausstellung im Rathaus Köpenick mit über 300 Fotos von 191 Fotografen hat anscheinend nicht jedem gefallen. Drei Wochen nach der feierlichen Eröffnung sprechen nun einige der Künstler und Bürger von Köpenick von unerträglicher Zensur. Die Kulturamtsleitern hat sich dazu entscheiden zwei Fotos der Fotografen Wolfgang Hiob und Jan Gießmann aus der Ausstellung zu entfernen. Beide Bilder haben nackte Frauen gezeigt.

Problemvermeidung als Begründung

Die Kulturamtsleitern begründet ihre Entscheidung damit, dass es sich bei dem Rathaus um ein öffentliches Dienstgebäude handele, das von den Bürgern in erster Linie wegen der Erledigung von Amtsgeschäften und selten zum Besuch einer Ausstellung aufgesucht werde. Darüber hinaus kämen viele Menschen mit Migrationshintergrund in das Rathaus, deren religiöse Gefühle durch Aktfotos nicht verletzt werden sollten.

Künstler zeigen sich solidarisch

Für viele Bürger und vor allem auch einige der ausstellenden Künstler gleicht das Verhalten einer nicht akzeptablen Zensur. Mehr als 30 Bilder wurden bereits aus Protest aus der Ausstellung entfernt. Fotograf Gießmann betont, dass sein Bild weder sexistisch noch frauenfeindlich sei.

Beschwerden von Menschen ohne Migrationshintergrund

Kulturamtsleiterin Indetzki begründet die Zensur auch damit, dass Menschen mit Migrationshintergrund gestört werden könnten. Nach Informationen der Berliner Zeitung haben sich jedoch bis heute keine Menschen mit Migrationshintergrund über die beiden Nacktaufnahmen beschwert. Beschwert haben sollen sich lediglich Mitarbeiter und Besucher des Rathauses ohne Migrationshintergrund.

Aktfotos bereits zum zweiten Mal abgehängt

Bereits vor mehr als fünf Jahren wurden in einem vergleichbaren Fall Aktfotos des Fotografen Wolfgang Hiob abgehängt. Das Bezirksparlament beschloss daraufhin, dass es keine Motiv-Beschränkungen mehr geben soll. Abzuwarten bleibt, ob nun auch weitere Künstler eigene Werke aus Protest zurückziehen werden. (NIH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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