Foto- und Bildrecht

Hochzeitsfeier soll wiederholt werden

Die bedeutendsten Momente im Leben sind einmalig und genießen dementsprechend höchste Wertschätzung. Die Hoffnung die mit diesen besonderen Momenten verbunden wird, ist diesen Augenblick so lange wie nur möglich festzuhalten. Speziell bei Hochzeitsfeiern, die bekanntlich im Idealfall nur einmal im Leben stattfinden sollen, bedienen sich die Brautpaare der Möglichkeit die Feierlichkeit auf Videoaufnahmen festzuhalten. Auf diese Weise können sie diesen speziellen Augenblick bei Bedarf immer wieder aufrufen. Besonders bitter ist es jedoch, wenn man große Investitionen in die Aufnahme der Hochzeitsfeier steckt und die Aufnahmen aufgrund technischer Probleme nicht gespeichert werden. Mit einem ähnlichen Fall wird sich demnächst das Landgericht Köln beschäftigen müssen.

 

Ein Ehepaar investierte 20.000 € in ihre Hochzeit und beauftragte ein professionelles Team mit den Aufnahmen ihrer Hochzeitsfeier. Die Aufnahmen konnten jedoch nicht gespeichert werden, weil die Festplatten des Filmteams beschädigt waren. Nun besteht das Ehepaar darauf diesen einmaligen Moment zu wiederholen um ihn dann auf Video zu haben. Die aufzubringenden Kosten um die Feier nochmal im großen Rahmen durchzuführen sollen ebenfalls vom Filmteam übernommen werden.

Filmteam soll Kosten für die Wiederholung der Hochzeitsfeier übernehmen

Das Filmteam ist ihrer Verpflichtung aus dem Werkvertrag nicht nachgekommen, so dass das Brautpaar die Werklohnforderung nicht entrichten muss. Nur für den Fall, dass das Filmteam die Aufnahmen doch noch irgendwie retten kann, lebt die Werklohnforderung wieder auf. Darüber hinaus fordert das Brautpaar vom Filmteam die Übernahme der Kosten für die Wiederholung der Hochzeit als Schadensersatz. Die Aussichten hierfür sind schwer einzuschätzen. Zunächst müsste das Brautpaar nachweisen, dass das Filmteam eine Pflicht aus dem Werkvertrag vorsätzlich oder fahrlässig verletzt hat. Deutlich schwieriger wird es jedoch, den Schaden für das Brautpaar festzulegen. Schließlich beschreibt das Brautpaar den entstandenen Schaden als genommene Möglichkeit diesen für sie einmaligen Moment immer wieder aufrufen zu können. Fraglich bleibt hierbei, inwiefern jetzt schon nachgewiesen werden kann, dass das Interesse des Brautpaares am Abspielen dieses Moments nie abnimmt. Schließlich könnte das Paar sich zerstreiten und scheiden lassen. In diesem Fall wäre das Interesse an den Aufnahmen wohl nicht mehr so groß und es bestünde die theoretische Möglichkeit, dass das Filmteam den Schadensersatz zurückfordert. Zudem müsste geklärt werden, wie hoch das Haftungsrisiko für ein Filmteam ausgestaltet werden darf, wenn im Gegenzug ein relativ kleines Honorar (hier: € 1.200) vereinbart wird. Diese Fragen müssen vom entscheidenden Gericht entschieden werden um die widerstrebenden Interessen in Einklang zu bringen.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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