Foto- und Bildrecht

Gewaltvideo bleibt auf YouTube verfügbar

In der heutigen Zeit hat fast jeder ein Smartphone. Kameras sind allgegenwärtig. Jeder kann jederzeit Foto und Filmaufnahmen erstellen, egal ob mit oder ohne Einwilligung des Abgebildeten. Entstehen entsprechende Aufnahmen mit Zustimmung des Abgebildeten können sie eine schöne Erinnerung oder Dokumentation geschehener Ereignisse darstellen. Problematisch wird die Situation dann, wenn der Abgebildete mit der Aufnahme nicht einverstanden ist oder entsprechende Dokumente sein allgemeines Persönlichkeitsrecht verletzen.

Gewaltvideo bleibt auf YouTube verfügbar ©-Thomas-Jansa-Fotolia

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Das Landgericht Hamburg hat mit Urteil vom 14.11.2014, Az.: 324 O 548/12 die Klage eines Betroffenen abgewiesen der die Löschung eines Videos auf der Onlineplattform YouTube gerichtlich erzwingen wollte. Das streitgegenständliche Video hat den Kläger in einer Situation gezeigt, in der er gewalttätig attackiert wurde. Im Vorfeld der Klageeinreichung hat der Kläger YouTube aufgefordert das Video aus dem Netz zu nehmen. Da YouTube nicht reagiert hat, hat er eine entsprechende Klage auf Unterlassung und Schadenersatz angestrengt. Im Ergebnis haben die Hamburger Richter beide Ansprüche abgelehnt. Im Urteil bemängeln die Richter, dass die Rechtsverletzung nicht bestimmt genug verschriftlicht wurde.

Schadensersatz könne der Kläger nicht erwarten, da nur bei schwerwiegenden Verletzungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ein Anspruch auf Schadensersatz bestehe. Darüber hinaus habe der Kläger im Rahmen presserechtlicher Berichterstattung der Verbreitung und Ausstrahlung von Teilen des ausgestrahlten Videos zugestimmt. Diese Zustimmung bewirke, dass die Veröffentlichung des gesamten Videos auf der Online Plattform YouTube nicht als ausreichender schwerwiegender Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte gewertet werden könne.

Die heutigen Online Kommunikationsmedien ermöglichen eine extrem schnelle Kommunikation, deren Auswirkungen auf viraler Ebene vielfach nicht einzuschätzen sind. Um sich gegen die Verbreitung von Videoaufnahmen, die das eigene Persönlichkeitsrecht verletzen zur Wehr zu setzen, ist generell schnelles Handeln erforderlich. Sind Videoaufnahmen einmal im Netz, kann es unter Umständen schwierig sein, die Verbreitung zu stoppen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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