Foto- und Bildrecht

Erfolg für Tochter von Michael Schumacher – Publikationsverbot für Reitturnier-Fotos

Das OLG Frankfurt am Main entschied, dass mehrere Bilder von der Tochter des ehemaligen Formel-1 Rennfahrers Michael Schumacher nicht weiterverbreitet werden dürfen. Auf den Fotos sieht man Schumachers Tochter bei einem Reitturnier in Rom. Um das Reitturnier jedoch sei es gar nicht gegangen, argumentierten die Richter. Die Fotos von einem Reitturnier seien zumindest dann keine Bildnisse der Zeitgeschichte, wenn das Ereignis nur als Vorwand verwendet würde. 

Die Fotos, die Michael Schumachers Tochter mit ihrer Mutter bei einem Reitturnier zeigen, dürfen nicht mehr veröffentlicht werden. So entschied in zweiter Instanz das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main (OLG Frankfurt, Urteil vom 22.02.2018, Az. 16 U 87/17). Die Bilder stünden nicht im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Sportereignis. Das Turnier habe hier lediglich einen Vorwand gebildet, um Schumachers Tochter in der Presse abzubilden.

Schumachers Tochter gegen Veröffentlichung von Fotos

Schon im Jahr 2016 klagte die Tochter von Michael Schumacher gegen einen großen deutschen Zeitschriftenverlag auf Unterlassen der Veröffentlichung von fünf Fotos. Auf den Fotos sieht man die damals 19-jährige Tochter neben ihrer Mutter bei einem Reitturnier in Rom, an dem sie teilgenommen hatte. Das fünfte Bild zeigt Schumachers Tochter bei einem Fußballturnier in Monte Carlo auf der Tribüne. Das Frankfurter Landgericht (LG) gab der Klage statt (LG Frankfurt, Urteil vom 27. April 2017, Az. 2-03 O 214/16). Der deutsche Zeitschriftenverlag, der für seine Boulevard-Presse bekannt ist, ging daraufhin in Berufung.

Jedoch war die Berufung für den Verlag erfolglos. Das OLG Frankfurt machte deutlich, dass Schumachers Tochter nicht in die Bildveröffentlichungen eingewilligt habe (§ 22 KUG). Durch die Teilnahme an einem internationalen Reitturnier willigt man zwar stillschweigend ein, dass die zugelassenen Pressevertreter einen ablichten und diese Fotos verbreiten dürfen. Diese Einwilligung erstrecke sich aber nicht auf Verbreitung von Bildnissen, die über das Turniergeschehen hinausgehen. Auf den beanstandeten Bildern ginge es nicht um Teilnahme am Reit-Wettbewerb, sondern zeigten allein das Zusammentreffen der Klägerin mit ihrer Familie am „Rand des Geschehens“.

Keine Prominenten-Fotos unter falschem Vorwand

Bei den Bildern des Reitturniers handele es sich auch nicht um „Bildnisse der Zeitgeschichte“ (§ 23 Abs. 1 S. 1 KUG). Das internationale Reitturnier sei zwar ein zeitgeschichtliches Ereignis. Da es auf den Fotos aber nicht um die Teilnahme am Turnier, sondern um das Zusammentreffen der Familie ginge, fehlt auch hier der Bezug zum Turnier. Das OLG stellte klar, dass man bei zeitgeschlichen Ereignissen berichten kann, welche Prominente daran teilgenommen haben. Dies gelte jedoch nicht, wenn nur als Vorwand über das Ereignis berichtet wird, um einen Grund zu schaffen, die Prominenten abbilden zu dürfen.

Aus dem Artikel des Boulevard-Magazins konnte der Senat keine Informationen zum Turnier, wie beispielsweise weitere Teilnehmer oder Ergebnisse, entnehmen. Im Vordergrund des Artikels stand hier ausschließlich Schumachers Familie.

Schumacher bietet kein rechtfertigendes Informationsinteresse

Außerdem beschäftigte sich das OLG damit, ob ein Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht von Schumachers Tochter nicht bereits deshalb gerechtfertigt sei, weil ein öffentliches Informationsinteresse am Umgang der Familie mit dem Schicksalsschlag von Michael Schumacher bestehe. Dies jedoch verneinte das Frankfurter OLG in letzter Konsequenz, da sich die Familie nach dem Unfall des ehemaligen Rennfahrers aus der Öffentlichkeit zurückgezogen habe. Zudem hätte Familie Schumacher seitdem keine Informationen über seinen aktuellen Gesundheitszustand herausgegeben.

Boulevard-Magazin benötigt immer eine Einwilligung

Auch das fünfte Bild, welches die Tochter in ihrer frühen Kindheit zeigt, dürfe nicht veröffentlicht werden. Selbst bekannte Prominente müssten bei der Wiedergabe von Fotografien aus der Kindheit stets einwilligen (§ 22 KUG). Und dies gelte dementsprechend erst recht für die Kinder von Prominenten. Es sei bereits fraglich, ob die Familie Schumacher bei der Entstehung des Fotos in die Verbreitung des Bildes eingewilligt haben. 17 Jahre später bedürfe das Boulevard-Magazin nun auf jeden Fall die Einwilligung der nun volljährigen Tochter.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Warum dürfen sie nicht verbreitet werden?

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