Foto- und Bildrecht

Bordell-Besucher wird im Internet bloßgestellt: Bordellbetreiber veröffentlicht Fotos

Fotos von einem Bordellbesucher wurden vom Bordellbetreiber im Internet veröffentlicht. Dies sei rechtswidrig, entschied das OLG Koblenz mit Urteil vom 15.01.2014, Az.: 5 U 1243/13.

 

 Fotos von Bordellbesuchern gehören nicht ins Internet ©-Erwin-Wodicka-Fotolia

Fotos von Bordellbesuchern gehören nicht ins Internet ©-Erwin-Wodicka-Fotolia

Der Beklagte besuchte ein Bordell. Er randalierte und warf Stinkbomben in das Gebäude. Ein erheblicher Sachschaden war die Folge. Der Kläger stellte als Rache Fotos vom Beklagten über den Bordellbesuch ins Internet, um ihn mit Hilfe der Öffentlichkeit identifizieren zu können.

Er hatte Erfolg. Nachdem der Kläger den Beklagten ausfindig gemacht hatte, einigten sich beide auf folgenden Vergleich: Der Beklagte sollte 12.000 € Schadensersatz zahlen und dafür verpflichtete sich der Kläger die Bilder aus dem Web zu nehmen.

Nachdem der Beklagte dies vereinbart hatte, wollte er hiergegen vorgehen. Der Vergleich sei unter einer Drohung zustande gekommen und zudem wucherisch. Der Bordellbesucher fühlte sich dazu gezwungen, den Vergleich zu schließen, damit der Bordellbetreiber die Fotos aus dem Internet nimmt. Dies wurde zwar so nicht ausdrücklich vereinbart, jedoch ergäbe sich dies aus den jeweiligen Umständen.

Vergleichsschluss unter Zwang

Dem stimmte das Oberlandesgericht Koblenz zu. Unzulässig ausgeübter Zwang führte dazu, dass der Bordellbesucher die Vergleichsvereinbarung überhaupt unterzeichnete.

Die Veröffentlichung der Bilder verstoße gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Bordellbesuchers und sei daher rechtswidrig. Unerheblich sei, ob die ursprüngliche Veröffentlichung möglicherweise rechtmäßig war, um an den Namen des Beklagten zu gelangen. Jedenfalls nachdem der Beklagte dem Kläger bekannt war, bestünde kein sachlicher Grund mehr für die Veröffentlichung.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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