Foto- und Bildrecht

Bilderklau bei eBay kann schnell teuer werden

Wer Bilderklau im Internet etwa bei eBay betreibt, muss mit einer teuren Abmahnung rechnen. Das gilt bereits dann, wenn es sich um ein einzelnes Produktfoto handelt. Bereits mehrere Gerichte haben auf Grundlage der sogenannten MFM-Tabelle hohen Schadensersatz ausgesprochen, auch wenn die Aufnahme nicht von einem Berufsfotografen angefertigt wurde.

 Bilderklau bei eBay kann schnell teuer werden  © Africa Studio - Fotolia.com

Bilderklau bei eBay kann schnell teuer werden © Africa Studio – Fotolia.com

Vorliegend hatte ein Verkäufer bei eBay eine „HAVANNE CLUB RUM EISBOX“für 10 Tage eingestellt. Dabei verwendete er allerdings ein geklautes Bild, das von einem Versandhändler stammte. Dieser hatte das selbst angefertigte Foto auf der Webseite seines Onlineshops als Produktfotografie verwendet. Als der Versandhändler das Foto entdeckte – das bereits über 1.000 Bewertungen aufwies- mahnte er den eBay-Verkäufer ab. Er verlangte neben der Unterlassung der Verwendung die Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 300 Euro.

MFM-Tabelle zur Schadensschätzung auch bei Laien

Hierzu entschied das Landgericht Köln mit Urteil vom 27.05.2014 Az. 14 S 38/13, das der e-Bay-Händler wegen einer Urheberrechtsverletzung durch das geklaute Produktfoto einen Anspruch auf Schadensersatz in Höhe von insgesamt 120 Euro hat. Bei der Höhe des Lizenzschadens dürfen die Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing im Rahmen der Schadensschätzung berücksichtigt werden, obwohl das Foto von einem Laien stammte. Dies begründeten die Richter mit der hervorragenden Qualität des privat angefertigten Bildes, das von dem Online-Händler mit einer professionellen Ausstattung angefertigt worden war.

Bilderklau: Einzelfallbezogener Abschlag beim Lizenzschaden

Da das Foto jedoch nicht von einem Profi stammte – für die die Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing zugeschnitten sind – nahm das Landgericht Köln im Rahmen der Schadensschätzung einen Abschlag in Höhe von 20% vor.

Fazit:

Dieses Urteil des Landgerichtes Köln steht im Einklang mit der Entscheidung des Oberlandesgerichtes Köln vom 01.03.2013 Az. 6 U 168/13 sowie einem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm vom 13.02.2014 Az. 22 U 98/13, das allerdings wegen der einfachen Qualität des Produktfotos einen Abschlag in Höhe von 60% vorgenommen hatte. Daran sieht man, dass die Schadensschätzung von den individuellen Umständen des Einzelfalles abhängig ist. Von daher sollten eBay-Verkäufer bei der Verwendung von Bildern für ihre Artikel darauf achten, dass sie keine Urheberrechtsverletzung begehen. Das gilt auch für Privatleute.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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