Foto- und Bildrecht

BGH: Offensichtliche Bildmanipulationen – Keine Entschädigung für Fotografen

Der Bundesgerichtshof (Urteil vom 28.07.2016, Az. I ZR 95) hat entschieden, dass offensichtliche Bildmanipulationen von urheberrechtlich geschützten Fotos durch dritte Personen keine Entschädigungsansprüche des Fotografen begründen.

BGH: Offensichtliche Bildmanipulationen - Keine Entschädigung für Fotografen ©-cirquedesprit-Fotolia

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Promi-Fotograf lichtet Schauspieler ab

Ein bekannter Fotograf hatte vor einigen Jahren TV- und Filmschauspielerin Bettina Zimmermann für eine Fotostrecke abgelichtet. Auf einem der Bilder trug die Schauspielerin lediglich ein Bikinioberteil und Hotpants.

Fotowettbewerb im Internet

Im Rahmen eines digitalen Wettbewerbes auf einer Internetseite nutzte ein Dritter das Bild von der Schauspielerin und verfremdete es. Der Name des Wettbewerbs lautete „Promis auf fett getrimmt“. Der Teilnehmer erfüllte sodann seine Aufgabe: Er bearbeitete das Bild mit digitalen Hilfsmitteln und machte so den Körper der Schauspielerin dick.

Fotograf fordert Entschädigung

Nachdem der Fotograf erfahren hat, dass eine dritte Person ohne vorherige Erlaubnis sein Bild verfremdet hat, forderte er eine Entschädigung. Der Fotograf argumentierte, dass die Veröffentlichung des bearbeiteten Bildes seinen Ruf ziemlich gefährde. Darüber hinaus existiere generell ein Vertrauensverhältnis zwischen den Prominenten und ihm. Dieses drohe zu zerbrechen.

Keine Rechtsverletzung gegeben

Der Bundesgerichtshof hat im Ergebnis entschieden, dass die Verfremdung und anschließende Veröffentlichung des Bildes keine Rechtsverletzung darstellt. Die Richter begründeten ihre Entscheidung vor allem damit, dass die Leser der Internetseite wohl nicht davon ausgegangen sind, dass der Fotograf der Verfremdung zugestimmt oder für diese verantwortlich gewesen ist.

Offensichtliche Bildmanipulationen

Auch weil die Bildmanipulation offensichtlich erkennbar ist, seien die Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Schauspielerin nicht verletzt. Das Gericht betont dabei, dass es für die rechtliche Beurteilung unerheblich ist, aus welchen meinungsbildenden Gründen der Dritte die Bearbeitung vorgenommen hat.

Nutzungsgebühren möglich

Dem Fotografen stehen möglicherweise Lizenzgebühren für die Nutzung zu. Das zuständige Oberlandesgericht Hamburg wird nun entscheiden, ob der Bearbeiter den Fotografen nachträglich entlohnen muss.

Fazit

Bildmanipulationen können die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen verletzen. Dies kann vor allem dann sein, wenn digital bearbeitete Bilder ohne vorherige Erlaubnis veröffentlicht werden und gleichzeitig Authentizität suggerieren. Nicht entscheidend ist dabei, ob der Bearbeiter eine positive oder negative Intention verfolgt hat. Werden Bilder bearbeitet veröffentlicht, entstehen in den meisten Fällen keine Entschädigungsansprüche des Fotografen des Bildes. Dies gilt zumindest so lange die Art und Weise der Veröffentlichung die Vermutung einer persönlichen Verantwortlichkeit des Fotografen ausschließt. (NH)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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