Foto- und Bildrecht

Update: Affe als Fotograf – wer ist hier der Urheber?

Update 23.09.2015: Die kuriose Geschichte um die Urheberrechte eines indonesischen Affens an seinem Selfie geht in die nächste Runde. Die Tierschutzorganisation PETA hat nun vor einem kalifornischen Gericht geklagt. Im Namen des betroffenen Affens verlangt die Organisation, dass ihm das Urheberrecht an dem Foto gerichtlich anerkannt wird. (Update Ende).

Derzeit tobt ein Rechtsstreit zwischen Wikipedia und dem britischen Fotografen David Slater, der nicht nur die Netzgemeinde, sondern auch Juristen interessiert und amüsiert.

David Slater hat Wikipedia abgemahnt, weil die freie Online-Enzyklopädie ein Foto in seine Datenbank stellt, welches David Slater, oder besser ein Makaken-Affe von sich selbst geschossen hatte. Der Fotograf ließ 2011 seine Kamera im Nationalpark von Nord-Sulawesi in Indonesien für einen kurzen Moment unbeobachtet und besagter Affe schnappte sich spontan die Kamera und schoss ein paar hundert Fotos damit. Darunter war auch ein sehr gut getroffenes Selfie, auf dem der Affe breit grinsend in die Kamera schaut. Das Selbstportrait ging 2011 um die Welt und verbreitete sich sowohl im Internet, als auch in Zeitungen und TV-Berichterstattungen.

Wikipedia platzierte das Foto auf dem englisch- und deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag über Schopfaffen. Weiterhin stellte Wikipedia das Foto in die eigene Mediendatenbank, Wikimedia zum kostenlosen Download für seine User zur Verfügung.

David Slater sieht hier seine Urheberrechte verletzt, da das Foto ohne seine Zustimmung in den Wikipedia-Einträgen verwendet wurde. Wikipedia argumentiert jedoch damit, dass der Affe das Foto selbst geschossen hat und somit nur er als Urheber in Frage käme. Bekanntermaßen können Affen aber keine Urheberrechte genießen, da sie keine Menschen sind. Somit gehöre das Bild der Allgemeinheit.
Für David Slater hat der Rechtsstreit auch einen finanziellen Hintergrund. Als Tierfotograf wartet man häufig Wochen und Monate auf das eine gute Foto, das man vermarkten kann und mit dem man dann für einen gewissen Zeitraum seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Rechtlich ist die Situation eine Grauzone. Einerseits könnte tatsächlich argumentiert werden, dass David Slater nicht der Urheber sei, weil der Affe das Foto ja eben selbst und nicht der Fotograf von sich geschossen hat. Andererseits wurde das Foto in einer Situation gemacht, die ohne das Zutun des Fotografen gar nicht erst entstanden wäre. Außerdem gehört die Kamera David Slater und dieser hat das Foto ausgewählt und veröffentlicht.
Eine Klärung des Sachverhalts wird nur ein Gericht treffen können. David Slater will diese Angelegenheit auf alle Fälle juristisch klären lassen.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. bid sagt:

    > „Andererseits wurde das Foto in einer Situation gemacht, die ohne das Zutun des Fotografen gar nicht erst entstanden wäre.“

    Auf die Art und Weise könnte ich versuchen, die Urheberrechte an jedem Bild zu fordern, das eine Situation zeigt, die „ohne mein Zutun nicht entstanden wäre“. Ich fürchte, ganz so einfach wird die Argumentation in diesem ziemlich interessanten Fall nicht, 😉

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