Foto- und Bildrecht

55 Millionen Dollar Schmerzensgeld wegen der Veröffentlichung eines Nacktvideos

Ein US-amerikanisches Gericht in Nashville hat der bekannten Sportreporterin Erin Andrews insgesamt 55 Millionen Dollar Schmerzensgeld zugesprochen. Im Jahre 2008 hatte ein Stalker heimlich Nacktaufnahmen von Andrews angefertigt. Diese wurden dann im Internet veröffentlicht und millionenfach angesehen.

55 Millionen Dollar Schmerzensgeld wegen der Veröffentlichung eines Nacktvideos ©-cirquedesprit-Fotolia

55 Millionen Dollar Schmerzensgeld wegen der Veröffentlichung eines Nacktvideos ©-cirquedesprit-Fotolia

Heimliche Nacktvideos aus dem Hotelzimmer

Ein arbeitsloser Versicherungsvertreter aus Illinois hatte Erin Andrews im Jahr 2008 über mehrere Wochen quer durch die USA verfolgt. Immer wieder hatte er versucht Videoaufnahmen der Sportreporterin zu machen. Als Andrews ein Hotelzimmer bezogen hatte, schaffte es der Stalker die Zimmernummer über die Hotelrezeption herauszufinden und mietete das Hotelzimmer neben ihr. Er installierte dann eine Videokamera im Türspion von Erin Andrews Zimmer und filmte sie heimlich.

TMZ lehnte Ankauf des Videos ab

Die heimlich aufgenommenen Nacktvideos hat der Mann dann versucht an das bekannte amerikanische Promi-Portal TMZ zu verkaufen. Die verantwortlichen Mitarbeiter haben einen Ankauf jedoch abgelehnt. Ein knappes Jahr später ist das Video im Internet aufgetaucht und wurde bis heute millionenfach abgerufen.

Klage gegen den Stalker und das Hotel

Erin Andrews hat nun sowohl den Stalker als auch das Hotel, bei dem sie zum Tatzeitpunkt wohnte, erfolgreich auf Schmerzensgeld in Anspruch genommen. Das zuständige Gericht sprach ihr insgesamt 55 Millionen US-Dollar zu. Laut Urteil muss das Hotel 49 % der Summe zahlen und der Stalker 51 %. Im Prozess warfen Andrews Anwälte den Hotelbetreibern vor, dass die Privatsphäre der landesweit bekannten Reporterin nicht ausreichend geschützt wurde.

Hotelbetreiber wollen in Berufung gehen

Die Hotelbetreiber werden wohl in Berufung gehen. Sie argumentieren, dass das Nacktvideo der Karriere von Andrews mehr geholfen, als geschadet hätte. Daneben stehen weiterhin Vorwürfe im Raum, dass Erin Andrews selbst Auftraggeberin des Nacktvideos sei. Mit diesem habe sie ihre Popularität erhöhen wollen.

Schmerzensgeldzahlung ungewiss

Auch wenn Andrews vom Gericht nun insgesamt 55 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld zugesprochen bekommen hat, wird sie dieses Geld in voller Höhe wohl nicht erhalten. Der Vater des Stalkers sagte, dass Täter Michael Barrett kein ausreichendes Vermögen habe und bei ihm im Keller wohne. Sollten die Hotelbetreiber in Berufung gehen, kommt es zu einem weiteren jahrelangen Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang ergeben. Voraussichtlich wird sich Andrews daher mit den Hotelbetreibern außergerichtlich auf eine erheblich niedrigere Schmerzensgeldzahlung einigen.

Was tun bei Nacktfotos im Netz?

Immer wieder werden private Nacktfotos ohne Einwilligung der Abgebildeten im Internet veröffentlicht. Die Veröffentlichung verletzt regelmäßig das Urheber- oder Persönlichkeitsrecht der fotografierten Personen. Betroffene sollten versuchen veröffentliche Bilder aus dem Internet zu entfernen. Notwendig dafür ist, dass die jeweiligen Dienste- oder Portalbetreiber informiert und zur Löschung aufgefordert werden. Ist derjenige, der Bilder ohne Einwilligung veröffentlicht hat bekannt, können Verletzte auf zivilrechtichem Wege Unterlassungs- bzw. Beseitigungsansprüche und Schadensersatzansprüche geltend machen. Bei besonders erheblichen Rechtsverletzungen ist auch die Durchsetzung von Schmerzensgeldansprüchen möglich. Betroffene sollten beachten, dass Bilder im Internet äußerst schnell kopiert und weiterverbreitet werden können. Je höher der Verbreitungsgrad einer Bilddatei ist, desto schwieriger wird die Durchsetzung von vollumfänglichen Beseitigungsansprüchen. Betroffene sollten daher äußerst schnell handeln. (NIH)

Sicher ist das folgende Video interessant:

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×