Internetrecht

Facebook streamt Champions League in den USA – Dürfen Nutzer Geosperre umgehen?

Facebook zeigt ab der Spielzeit 2018/19 UEFA Champions League-Spiele über die Facebook-Seite von Fox Sports. Allerdings nur auf dem US-Markt. Deutsche Nutzer bleiben außen vor. Nutzer fragen sich, ob durch die Umgehung der Geosperre per VPN-Client oder Proxy, der Stream legal angeschaut werden kann? Wir erklären die Situation:

Champions League auf Facebook – Fotolia.de © Csaba Peterdi

Die neue Saison hat noch nicht begonnen, doch schon gibt es zahlreiche Diskussionsthemen. Neben dem alljährlichen Spielertransfer- Hick-Hack zwischen den Vereinen – man denke zurzeit nur an Dortmunds Aubameyang oder Kölns Modeste –  gab es in den vergangenen Tagen auch bezüglich der Übertragungsrechte  Neuigkeiten.

Sky Slogan „Alle Spiele alle Tore“ ist irreführend

Ab der kommenden Bundesligaspielzeit nimmt im Pay-TV der Discovery-Sender Eurosport einen Platz ein und zeigt jeweils 45 Bundesligaspiele live. Damit war der Sky-Werbeslogan „Alle Spiele – alle Tore“ nicht mehr korrekt und Discovery ein Dorn im Auge. Die Werbeaussage sah nun auch das Landgericht Köln als irreführend an und erließ eine einstweilige Verfügung gegen Sky Deutschland auf Antrag von Discovery.  Ob zum Beginn  der Bundesligasaison 2017/18 Sky-Kunden tatsächlich nicht mehr alle Spiele und alle Tore werden sehen können, steht indes weiterhin nicht endgültig fest- eine Einigung jedoch konnte bislang noch nicht gefunden werden. Sollte es zu keiner abschließenden Einigung zwischen Sky und Discovery kommen, so könnten Kunden sowohl ein vertragliches als auch ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht haben und zumindest ihr Sky-Bundesliga-Abo kündigen.

Facebook streamt Champions League in den USA

Eine weitere nun bekannt gewordene Neuheit: Der Social Media-Gigant Facebook hat sich die Champions-League geschnappt und wird künftig zahlreiche Spiele der Königsklasse live Übertragen- allerdings zunächst nur in den USA. Twitter hatte den neuen Markt bereits zuvor für sich entdeckt und erwarb Sportrechte. So zeigt Twitter mittlerweile unter anderem die Major League Baseball (MLB). Nun zieht Facebook nach. Ab der kommenden Spielzeit 2018/19 zeigt Facebook jeweils zwei Partien der Champions League-Gruppenphase pro Spieltag. Zudem werden sowohl vier Achtelfinal als auch vier Viertelfinal-Spiele live auf Facebook gestreamt.  Und zwar auf der Facebook-Seite von Fox Sports, wie der Sender nun ankündigte. Wie tief Facebook für die Rechte in die Tasche gegriffen hat, ist nicht bekannt.

Geosperre hindert deutsche Nutzer am Stream

Wer nun allerdings glaubt, er könne ab 2018/19 auf ein Sky- oder DAZN-Abo verzichten, um Champions League-Spiele zu sehen, liegt falsch- oder doch nicht? Immerhin gelten doch die Rechte ausschließlich für eine Ausstrahlung in den USA und sind dank Geosperre für ausländische Nutzer gesperrt. Wer darauf zugreifen möchte, wird den Hinweis erhalten, dass dieser Inhalt für seinen Aufenthaltsort nicht verfügbar ist. Sobald eine IP-Adresse aus dem Ausland erkannt wird, greift die Geosperre. Daher sind Geosperren bei vielen Nutzern verhasst. Doch stellen Geosperren für Rechteinhaber ein zumeist notwendiges Übel dar, um die territoriale Rechtevergabe praktisch umzusetzen.

Die Möglichkeit, Geosperren zu umgehen, ist für viele Nutzer mit geringem technischem Know-how meist ein leichtes. Nutzer können durch eine in der Regel einfache Installation eines VPN-Clients, eines Proxy oder eines Anonymisierers ihre tatsächliche IP-Adresse verschleiern und so Zugang zum gewünschten CL-Spiel erhalten und die Sperre umgehen.

Wird die Sperre von Nutzern umgangen, stellt sich für die Rechteinhaber regelmäßig die Frage, wie und ob sie dagegen vorgehen können. Dabei muss die zentrale Frage geklärt werden, ob es sich bei Geosperren um eine wirksame technische Schutzmaßnahme im Sinne des § 95a des Urheberrechtsgesetzes handelt. Denn würde es sich um eine technische Schutzmaßnahme handeln, so könnten Nutzer auf Unterlassung und eventuell Schadensersatz in Anspruch genommen werden, wenn sie diese umgehen.

Doch sind ausländische Live-Streams, insbesondere Tricks gegen Geosperren, auch legal?

Nun, hier ist die Rechtslage bislang nicht eindeutig. Hierzu Christian Solmecke: „Darf ich also Geosperren umgehen, um damit dann auf dem Facebook-Kanal von Fox Sports CL-Spiele  zu gucken? Ich sage: Ja, das funktioniert. Solche Geosperren sind keine wirksamen technischen Schutzmaßnahmen im Sinne des Gesetzes. Umgehe ich die Schutzmaßnahme, handle ich aus meiner Sicht nicht urheberrechtswidrig. Das Ansehen eines Videos auf einem ausländischen Streaming-Portal unter Umgehung der Geo-Sperre ist somit nach meiner Auffassung rechtmäßig.

Die genaue Beurteilung dieses Sachverhalts ist unter Juristen allerdings noch umstritten, einschlägige Urteile fehlen bislang. Nutzern, die Geosperren durch VPN-Clients oder Proxy umgehen, drohen meiner Ansicht nach damit keine rechtlichen Folgen. Rechteinhabern bleibt damit aktuell nichts anderes übrig, als zu versuchen, die installierten Geosperren immer dem neuesten Stand der Technik anzupassen und eine Umgehung durch entsprechende Programme zu verhindern. Zweifelsohne ein Katz- und Maus-Spiel.

tsp


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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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