Internetrecht

Facebook aktiviert Safety-Check

Das Internetnetzwerk Facebook hat nach den Anschlägen in Paris das erste Mal im Zuge einer von Menschen verursachten Katastrophe den eigens entwickelten Safety-Check aktiviert.

Der Safety-Check ist eine technische Implementierung im Facebook-System, die es in einem Krisenfalle Facebook-Nutzern ermöglicht auf einfachem Wege Kontakt zu Freunden und Verwandten aufzunehmen. Das Tool erkennt den letzten Aufenthaltsort eines Facebook-Nutzers und fragt denjenigen, der sich zuletzt in einem Krisengebiet in seinen Facebook-Account eingeloggt hat, ob dieser in Sicherheit ist. Nutzer können diese Frage dann mit einem einfachen Klick bejahen, so dass Freunde und Bekannte automatisch eine entsprechende Statusmeldung über Facebook erhalten. Bis dato hatte Facebook den Safety-Check nur nach Naturkatastrophen aktiviert.

Nach den Anschlägen von Paris habe sich Facebook, so Gründer Marc Zuckerberg, das erste Mal dazu entschieden, den Safety-Check auch nach einer von Menschen verursachten Katastrophe einzusetzen. Zuckerberg sprach dabei von einem menschlichen Disaster.

Moralische Gradwanderung – Wann ist ein Anschlag schlimm genug?

Die Aktivierung der Safety-Check-Option hat Facebook nicht nur Zustimmung gebracht. Kritische Stimmen haben sich vor allem zu der Frage geäußert, nach welchen Kriterien die Entscheidung gefällt werde, wann eine Katastrophe schlimm genug sei, um den Safety-Check zu aktivieren.  Sicherlich ist die Frage für Facebook zukünftig nicht leicht zu beantworten. Es gibt keine Faktoren, die die Tragik, Reichweite und den Schaden eines Terroranschlages messbar machen. Leid ist zu subjektiv, als das die reine Zahl von Verwundeten oder Toten eines Anschlages zukünftig eine ausreichende Begründung für die Aktivierung oder Nichtaktivierung darstellen kann.

Safety-Check zum Tsunami 2001 entwickelt 

Facebook hatte die Entwicklung des Safety Checks im Jahr 2011 begonnen, nachdem ein Tsunami Japan verheerend getroffen hatte. Alleine in diesem Jahr hatte Facebook das Tool fünf Mal aktiviert. Ein Vorteil des Systems kann sein, dass Menschen untereinander Kontakt aufnehmen können, auch wenn die Telefon- oder Mobilfunknetze nicht mehr funktionstüchtig sind und nur noch Zugriff auf das Internet besteht.

Blogger beklagen Doppelmoral von Facebook

Vor allem arabische Blogger werfen Facebook nun eine gewisse Doppelmoral vor. So kritisieren viele Menschen, dass Facebook den Safety-Check nach den Anschlägen von Beirut, bei denen mindestens 37 Menschen durch Selbstmordattentäter getötet wurden, nicht aktiviert habe. Mark Zuckerberg hat auf die viral verbreitete Kritik eines Arztes aus Beirut in einem Beitrag auf Facebook reagiert. Er rechtfertigt die Nichtaktivierung des Safety Checks nach den Anschlägen von Beirut mit der da noch bestehenden unternehmerischen Leitlinie. Zum Zeitpunkt des Anschlags von Beirut habe Facebook den Safety Check nur im Falle von Naturkatastrophen aktivieren wollen. Paris sei das erste Mal gewesen, dass der Safety-Check auch in anderen Katastrophenfällen eingesetzt wurde. Zuckerberg schrieb weiter, dass Facebook den Safety-Check zukünftig weiterhin auch bei von Menschen verursachten Katastrophen zu aktivieren plane.

Safety-Check – Schwierige Entscheidung bei Aktivierung oder Nichtaktivierung

Facebook wird sicherlich auch in Zukunft immer wieder in die mediale Kritik geraten – ganz unabhängig davon, ob Facebook den Safety-Check nach Katastrophen oder Anschlägen aktiviert oder nicht aktiviert. Unmittelbar Betroffene werden eine Nichtaktivierung anprangern und Facebook vorwerfen, die Tragik eines Ereignisses nicht ausreichend objektiv zu bewerten. Facebook wird daher einen Weg finden müssen den Safety-Check so einzusetzen, dass den betroffenen Menschen, Freunden und Angehörigen mit der Nutzung des Tools geholfen wird. Gleichzeitig darf Facebook den anderen Millionen Facebook-Nutzern aus allen Ländern dieser Welt, die täglich terroristische Gewalt erleben müssen, dabei jedoch nicht das Gefühl vermitteln, dass deren Leid weniger Wert sei. (NiH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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