Internetrecht

Drittanbieter – Abzocke auf der Mobilfunkrechnung

Vielen ist es schon passiert: Man wundert sich über eine enorm hohe Handyrechnung und stellt fest, dass viele merkwürdige Posten auf der Rechnung stehen. Unter der Position „Sonderdienste / Drittanbieter“ sind  diverse „Abos“ oder „Infodienste“ aufgezählt, von denen man noch nie gehört hat. Die Anbieter sitzen häufig in Übersee, mindestens aber im Ausland wie z.B. den Niederlanden oder Großbritannien.

 

Die Summe, die für angebliche Sonderdienste von Drittanbietern verlangt wird, ist häufig höher als die eigentliche Mobilrechnung.

Wie kommt es, dass der Mobilfunkanbieter für Drittanbieter Geld eintreibt?

Als Kunde schuldet man dem Mobilfunkanbieter grundsätzlich nur die Grundgebühr und eventuell anfallende Kosten für Telefonminuten, SMS und Datenvolumen. Da die Anbieter aber durch Provisionen kräftig mitverdienen an den Drittanbietern, lassen sie sich in den AGB von Kunden die Erlaubnis geben, diese Kosten auf ihrer Rechnung mit einzutreiben.

Nach unserer rechtlichen Auffassung sind derartige Regelungen im Kleingedruckten unzulässig und damit unwirksam. Für den Kunden ist es überraschend und eine unangemessene Benachteiligung, wenn ungefragt Forderungen Dritter auf seiner Mobilfunkrechnung auftauchen.

Das ändert allerdings leider nichts daran, dass weiterhin so von den Mobilfunkanbietern verfahren wird. Besonders fragwürdig wird das Ganze dadurch, dass die angeblichen Abos mit den Drittanbietern häufig auf rechtlich unzulässige Art und Weise zustande kommen. Meist ist es ein unbedarftes Tippen auf eine Anzeige in einer App, ein Rückruf auf eine unbekannter Nummer oder andere Tricks.

Was tun? 

Wenn man generell auf kostenpflichtige Sonderdienste von Drittanbietern verzichten kann, dann sollte unbedingt beim eigenen Mobilfunkanbieter eine sogenannte Drittanbietersperre eingerichtet werden. Damit ist sichergestellt, dass Ihr Anbieter nur noch seine eigenen Leistungen auf der Rechnung abrechnen darf.

Wenn es bereits zu spät ist, muss zunächst geprüft werden, ob man sicher ausschließen kann, dass bewusst ein Vertrag geschlossen oder Leistungen in Anspruch genommen wurden. Wenn man sich sicher ist, kann man die Abbuchung des Mobilfunkanbieters zurückgehen lassen und diesem ausschließlich das Geld für seine eigenen Leistungen, also Grundgebühr, Gesprächs- SMS- und Internetgebühren – natürlich plus Mehrwertsteuer – überweisen.

Gleichzeitig teilt man dem Drittanbieter mit, dass man der Rechnung widerspricht, dass das Zustandekommen eines Vertrages bestritten wird. Bitten Sie um genaue Darstellung, wie der angebliche Vertrag zustande gekommen sein soll und bestreiten Sie, dass überhaupt Leistungen in Anspruch genommen wurden.

Widerspruch gegen unberechtigte Forderung + Überweisung des berechtigten Rechnungsbetrags 

Den Widerspruch zu erheben und die berechtigten Rechnungsforderungen an den Mobilfunkanbieter zu überweisen ist wichtig, damit Sie keine Anschlusssperrung riskieren. Verbraucher müssen bei diesem Vorgang nicht befürchten, dass Ihr Anschluss gesperrt wird. Das wäre höchstens denkbar, wenn es sich um berechtigte Forderungen handeln würde. Sofern Sie als Verbraucher jedoch Widerspruch gegen den zu hohen Rechnungsanteil erhoben haben, handelt es sich ab diesem Moment um eine bestrittene Forderung. Eine Anschlusssperrung darf dann auf keinen Fall vorgenommen werden.

Versenden Sie das Schreiben per Einschreiben mit Rückschein oder besser – da ja die Anbieter häufig im Ausland sitzen – per Fax mit Sendebestätigung.

Ab diesem Zeitpunkt muss der Drittanbieter seine angebliche Forderung direkt an den Kunden wider Willen richten. Falls der Drittanbieter nicht klein beigibt oder man sich selbst nicht sicher ist, kann man selbstverständlich auch einen Rechtsanwalt beauftragen. Da allerdings die Forderungen des Drittanbieters häufig kaum höher sind als die anfallenden Anwaltskosten scheuen viele diesen Schritt.

Hilfreich ist es, wenn man eine Rechtschutzversicherung hat und bei dieser bereits im Vorfeld abklärt, ob die Kosten für eine Erstberatung übernommen werden. Wichtiger Hinweis: Sie müssen sich nicht den Anwalt von Ihrer Rechtschutzversicherung empfehlen lassen. Die Wahl eines Anwaltes ist Vertrauenssache, Sie haben die freie Wahl. (RaS)

Rechtsanwalt Rafael Struwe arbeitet seit 2013 in freier Mitarbeit für die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt Verkehrsrecht.

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