Internetrecht

Die Familienfreigabe – Ein Blick auf Apples neue Funktion

Das neue Betriebssystem von Apple kommt mit einer neuen Familienfreigabe daher. Mit dem in der vergangenen Woche erschienenen iOS 8 können erstmals Produkte aus iTunes, dem App Store, dem Mac App Store und dem iBooks Store mit bis zu sechs zuvor festgelegten Mitgliedern geteilt werden. Verbessert wurde auch der Schutz der Eltern vor nicht genehmigten Einkäufen ihrer minderjährigen Kinder und den damit verbundenen Kosten. Wir haben die neue Funktion unter die Lupe genommen.

Einrichtung der Familienfreigabe

Jeder Apple-Nutzer, der sowohl ein Konto bei iTunes als auch bei iCloud besitzt, kann mit Hilfe der Familienfreigabe eine Familie einrichten. Voraussetzung ist, dass dieser Organisator mindestens 18 Jahre alt ist und ein geeignetes Zahlungsmittel bei seinem iTunes-Account hinterlegt hat.

Nach der Einrichtung einer Familienfreigabe hat grundsätzlich jedes Mitglied Zugriff auf alle heruntergeladenen Produkte sämtlicher Familienmitglieder aus iTunes, dem App Store, dem Mac App Store und dem iBooks Store. Mitglied kann im Rahmen einer solchen Familienfreigabe die verfügbaren Inhalte der anderen Familienmitglieder herunterladen ohne sie erneut kaufen zu müssen. Darüber hinaus erhält jedes Mitglied der Familie Zugriff auf Fotos, Videos, Termine, Erinnerungen sowie Informationen über den jeweiligen Aufenthaltsort mit der Funktion „Meine Freunde suchen“ und Informationen darüber, wo sich Ihr Gerät befindet, mit „Mein iPhone suchen.

Dies führt dazu, dass innerhalb einer solchen Familienfreigabe jedes Mitglied die übrigen Mitglieder bzw. deren Geräte suchen und finden kann.

Einkäufe durch Kinder

Mit der „Einkäufe bestätigen“-Funktion führt Apple eine Schutzfunktion für Kinder ein. Diese sorgt dafür, dass unter 18-jährige für den Download eines Produkts die Erlaubnis des Organisators oder eines anderen Erwachsenen einholen muss. Sowohl der Organisator als auch der von ihm benannte Erwachsene müssen Elternteile oder Erziehungsberechtigte aller Familienmitglieder sein, für die diese Funktion aktiviert ist. Erst nach Erteilung der Erlaubnis kann der Download oder Kauf des Produktes getätigt werden. Diese Funktion gilt jedoch nicht für Inhalte, welche von anderen Familienmitgliedern heruntergeladen worden sind.

Diese neue Funktion spiegelt die gesetzlichen Regelungen des BGB wider, welche vorsehen, dass die Erziehungsberechtigten Einkäufe der Minderjährigen genehmigen müssen, damit diese rechtswirksam zustande kommen können. So schafft Apple nicht nur einen Schutz für die Eltern vor ungewollten App-Downloads der Kinder, sondern auch Rechtssicherheit in eigener Sache.

Die Bezahlung der Einkäufe erfolgt grundsätzlich weiterhin über das Konto des jeweiligen Familienmitglieds. Übersteigt ein Einkauf jedoch die Summe des Guthabens des Familienmitglieds, so wird der fällige Betrag vom hinterlegten Zahlungsmittel des Organisators eingezogen.

Um zu verhindern, dass die anderen Familienmitglieder bestimmte heruntergeladene Produkte sehen und somit auch herunterladen können, bietet Apple eine Funktion zum „Verstecken“ der Inhalte an. Dadurch werden die Inhalte für die übrigen Familienmitglieder unsichtbar. Erfolgt die Bezahlung jedoch über das Zahlungsmittel des Organisators der Familie, so erhält dieser – obwohl der Inhalt versteckt ist – die Rechnung über den Einkauf.

Nachteile

Durch den Beitritt in eine Familie werden die Funktionen der Familienfreigabe ohne weitere Nachfrage automatisch aktiviert. Das bedeutet, dass sämtliche Familienmitglieder Zugriff auf die genannten Inhalte haben. Lediglich die Freigabe des Standorts muss gesondert genehmigt werden.

Einer Familie können auch Kinder unter 13 Jahren beitreten. Dafür ist es erforderlich, dass der Organisator ein Elternteil oder Erziehungsberechtigter sämtlicher Familienmitglieder ist, die jünger als 13 Jahre sind. Dies sichert er bereits bei der Einrichtung der Familie zu.

Im Übrigen treten sämtliche Familienmitglieder als Bevollmächtigte des Organisators auf, sobald dessen Zahlungsmittel verwendet wird. Der Organisator ist somit rechtlich Vertragspartner von Apple bei jedem Kauf, welcher von seinem Zahlungsmittel beglichen wird. Bereits mit der Einladung in die Familie erklärt der Organisator bei zukünftigen Einkäufen der Familienmitglieder sämtliche anfallenden Kosten für genehmigt und sich selbst für verantwortlich. Der Organisator haftet also für sämtliche Einkäufe der Familienmitglieder, unabhängig von seiner Kenntnis über den Kauf und auch wenn er den Kauf ausdrücklich vorher untersagt hat. Auch eine Rückforderung vom Anbieter des Zahlungsmittels – etwa dem Kreditkarteninstitut – ist ausgeschlossen.

Ablauf der Mitgliedschaft

Mit der Entfernung eines Familienmitgliedes aus der Familie läuft dessen Mitgliedschaft und somit auch die von ihm genutzte Familienfreigabe ab. Das Mitglied kann sodann weder Einkäufe über das Zahlungsmittel des Organisators tätigen noch Produkte oder Informationen der anderen Familienmitglieder sehen oder teilen.

Zugleich wird dies in vielen Fällen dazu führen, dass die übrigen Familienmitglieder auf Inhalte des ausgeschiedenen Mitglieds nicht mehr zugreifen können; unabhängig davon, ob sie diese zuvor auf ihr Gerät geladen hatten oder nicht.

Schwieriger wird es bei so genannten In-App Käufen. Wurden die Käufe innerhalb einer App getätigt, die ursprünglich vom nunmehr ausgeschiedenen Familienmitglied heruntergeladen wurde, so muss diese App erneut gekauft werden um die getätigten In-App Käufe wiederherzustellen.

Fazit: Die Familienfreigabe bringt neben dem Schutz vor ungenehmigten App-Einkäufen von Kindern vor allem praktische Vorteile. Jedes Familienmitglied kann nun bequem auf Fotos, Videos und Termine zugreifen. Gleichzeitig ermöglicht die Familienfreigabe jedoch auch – bei Aktivierung der Funktion – die genaue Ortung der Familienmitglieder und der von Ihnen genutzten Geräte. Diese bei Kindern sicherlich sinnvolle Möglichkeit der Aufenthaltsbestimmung ist bei volljährigen Familienmitgliedern jedoch bedenklich.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×