Internetrecht

Die Bundeswehr auf der Suche nach IT-Experten

Die Bundeswehr benötigt dringend Cyber-Soldaten gegen die überhandnehmende Cyberkriminalität. Martialisch ausgedrückt: Das Internet ist heutzutage längst selbst zu einem Schlachtfeld, einem Digitalen-Schlachtfeld, geworden. Hier sieht die Bundeswehr dringenden Handlungsbedarf.

Die Bundeswehr auf der Suche nach IT-Experten ©-Erwin-Wodicka-Fotolia

Die Bundeswehr auf der Suche nach IT-Experten ©-Erwin-Wodicka-Fotolia

Deutschland hinkt hinterher. Wieder einmal. Die Klage, dass die Bundeswehr auf dem immer wichtigeren Feld der Informations- und Kommunikationstechnik hinterherhinkt, ist dabei jedoch keineswegs neu. Bereits seit vielen Jahren ist das Problem bekannt.

Andere Länder sind längst viel weiter im Kampf gegen Internetkriminalität und haben bereits eigene Cyber-Truppen installiert. Gemeint sind damit eigene Abteilungen innerhalb der Bundeswehr, die sich primär um die Bedrohung aus der digitalen Welt kümmern sollen. Die denkbaren Folgen, die aus dem internationalen Internet-Terrorismus resultieren könnten – sollte man sich nicht ausreichend und zielgerichtet gegen Cyberattacken aufstellen – könnten verheerend sein. Denkbare Horrorszenarien wären beispielsweise Cyber-Angriffe die ganzen Atomkraftwerke, die Stromversorgung, oder Krankenhäuser lahmlegen würden. Gegen solche Angriffe heißt es, sich im Ernstfall schnellstmöglich und effektiv verteidigen zu können. Denn: Schon jetzt werden die Netze des Bundes bis zu 6500-mal pro Tag angegriffen. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Cyber-Truppe gegen internationalen Cyber-Terrorismus

Um sich auf die schnell wachsende und verändernde Informations- und Kommunikationstechnik einzustellen hat die Bundeswehr nun eine neue Cyber-Truppe ins Leben gerufen. Diese soll künftig Bundeswehrtypisch in eine neue Organisationsstruktur mit einem Drei-Sterne-General an der Spitze münden. In der neuen Abteilung sollen dann alle Soldaten und Zivilbeschäftigte zusammengefasst werden, die in irgendeiner Form etwas mit Informationstechnik, Computer und Netzwerken zu tun haben werden. Mit insgesamt rund 13.500 Personen soll die Cybereinheit die kleinste von dann sechs Organisationseinheiten der Bundeswehr werden. Die Cybereinheit soll unter anderem das eigene Informationsnetzwerk überwachen und schützen, welches täglich rund 1,1 Millionen E-Mails produziert. Zudem sollen auch die mit digitaler Technik vollgestopften modernen Waffensysteme überwacht werden.

IT-Nachwuchs ist schwer zu finden

Um sich adäquat zu rüsten, benötigt die Bundeswehr entsprechendes Personal. So lässt das Verteidigungsministerium mittlerweile, zwar etwas plakativ, dennoch mit einem ernsten Unterton mitteilen: „Jetzt suchen wir nicht mehr nur Sportskanonen, wir suchen inzwischen händeringend Nerds“.

Allerdings leidet die Bundeswehr zurzeit unter dem Problem, dass sich die in Frage kommenden Nachwuchskräfte nicht für die Bundeswehr interessieren. Die händeringend benötigten und auf dem Markt vorhandenen IT-Fachkräfte werden zumeist schnell von der Industrie abgeworben. Bereits im Kerngeschäft hat die Bundeswehr aktuell große Probleme ausreichend Soldaten zu finden. Ende März 2016 war die Bundeswehr so klein wie nie zuvor.

Bundeswehr starten neue Kampagne

Um gegen diesen Trend vorzugehen wirbt die Bundeswehr nunmehr seit einigen Wochen mit der neuen Werbekampagne „Projekt Digitale Kräfte“. Dabei muss die Bundeswehr besonders eines tun, was ihr bekanntermaßen nicht leichtfallen dürfte: Sie muss erheblich unmilitärisch denken, um das dringend benötigte Personal anzuwerben.

Daher weicht die Bundeswehr auch ihre Anforderungen an den klassischen Soldaten auf. Personen die bislang beispielsweise wegen fehlender Eignung nicht Soldat werden konnten sollen jetzt gezielter angesprochen und entsprechend ausgebildet werden. Auch Personen mit Migrationshintergrund bzw. Personen mit Staatsangehörigkeit eines anderen Landes sowie Studienabbrecher und Personen ohne eine entsprechende Vorbildung in diesem Bereich werden stärker in den Fokus genommen.

Etablierte Soldaten begegnen diesem neuen Kurs mit erheblicher Skepsis. Da der Bundeswehr aber die Alternativen ausgehen, wird ihnen kaum etwas anderes übrigbleiben, als diesen Kurs zu intensivieren.  [STK]

Sicher ist das folgende Video interessant:

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. B.Fischer sagt:

    Gut und schön und dann zeigt man Interesse an der IT-Geschichte der BW, auch wenn man seinerzeits den Wehrdienst verweigert und Ersatzwehrdienst bei der Feuerwehr vorgezogen hat und was bekommt man von einem sog. Hauptfeldwebel Stürmer zu hören?
    „Also für ne Offizierslaufbahn sind sie mit 35 zu alt, wir nehmen nur bis 29 und für den Rest müssen Sie erst mal 30 Kilo abnehmen!“ Also bitte?!? Entweder ich brauche Leute und bin dann auch etwas flexibel oder ich suche mir noch sog. Fachleute bis zum St.-Nimmerleinstag!

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