Internetrecht

DDoS-Angriff auf Sipgate – ein Fall für den Strafrichter

DDoS-Angriffe sind schon seit Jahren ein immer wiederkehrendes Thema in den Medien. Der breiten Öffentlichkeit wurden die Attacken vor allem als Ausdruck des Protests von verschiedenen politisch motivierten Internet-Gruppierungen bekannt. Allerdings werden DDoS-Angriffe größtenteils von Kriminellen benutzt um Unternehmen zu erpressen. So hat es vor kurzem auch den Internet-Telefonie-Anbieter „Sipgate“ getroffen.

Modernes Erpressungswerkzeug

Erst ein Testangriff mitten in der Nacht, dann ein Erpresserschreiben – so beschreibt das Düsseldorfer Unternehmen „Sipgate“ den Anfang einer zwei Tage andauernden Attacke durch unbekannte Kriminelle. In drei Wellen erfolgten die sogenannten „DDoS“-Attacken auf die unternehmenseigene IT-Infrastruktur. In der Folge waren Webseite und Mobilfunkdienste des Kommunikations-Unternehmens zeitweise nicht erreichbar.

Doch was ist ein DDoS-Angriff und wie kann eine darauf basierende Erpressung funktionieren? „DoS“, also „Denial of Service“, beschreibt die Nichtverfügbarkeit eines bestimmten Dienstes. In den meisten Fällen ist die Nichtverfügbarkeit eine Folge von Überlastung. Eine Webseite kann nur eine bestimmte Anzahl von Aufrufen zur gleichen Zeit verarbeiten. Aus diesem Grund sind einige Internet-Dienste zu bestimmten Zeiten oder Wochentagen langsamer; ab und zu kommt es auch vor, dass eine Webseite nach einem öffentlichkeitswirksamen Bericht komplett überlastet ist.

Eine solche Überlastung kann allerdings auch gezielt herbeigeführt werden. Ein beliebtes Mittel ist die „DDoS“-Attacke, also „Distributed Denial of Service“. Der Angriff wird über tausende von verschiedenen Rechnern ausgeführt. Meist werden mit Schadsoftware infizierte Rechner zu fernsteuerbaren „Bot“-Netzen zusammengeschlossen. Dann stellen die einzelnen Rechner ununterbrochen Anfragen an das Ziel, überfordern es und legen es somit lahm.

Strafbar und teuer

Erfolgreiche DDoS-Attacken können Internet-Dienste für mehrere Stunden oder sogar Tage lahmlegen. Gerade bei Internet-Dienste-Anbietern wie Sipgate können dadurch enorme Schäden entstehen. Kunden wechseln den Dienst oder entscheiden sich gar nicht erst für den Geschädigten. Kunden, die auf einen bestimmten Dienst angewiesen sind könnten ihrerseits finanzielle Einbußen erleiden. Die Kriminellen hinter dem DDoS-Angriff sind jedoch oft nicht zu fassen. Das erklärt auch, warum sich die deutschen Gerichte mit diesem Thema bisher nur wenig auseinandersetzen mussten.

Insbesondere in den USA machen allerdings die teilweise drakonischen Strafen gegen Internetkriminelle Schlagzeilen. Für die einminütige Teilnahme an einem DDoS-Angriff wurde 2013 ein 38-Jähriger zu einer Geldstrafe von 183.000 US-Dollar verurteilt.

Neben zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen muss man natürlich auch nach deutschem Recht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Im Jahr 2011 hat das LG Düsseldorf (Az. 3 KLs 1/11) einen Mann zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 10 Monaten verurteilt. Unter Androhung von DDoS-Attacken hatte der Angeklagte mehrere Wettbüros erpresst. Die Wettbüros, die das geforderte Geld nicht gezahlt hatten, wurden per DDoS-Attacken durch ein Botnetz lahmgelegt. Neben einer gewerbsmäßigen Erpressung sah das Gericht auch den Tatbestand einer gewerbsmäßigen Computersabotage (§ 303b StGB) verwirklicht. Eine Begründung führt das Gericht nicht an, die Anwendbarkeit des § 303b StGB auf DDoS-Attacken wird aber in der Rechtswissenschaft anerkannt. Mit Verweis auf den § 202c StGB werden bereits bestimmte Vorbereitungshandlungen bestraft. Darunter fällt zum Beispiel die Herstellung von Programmen zur Durchführung der Attacken.

Fazit

Ob die Drahtzieher hinter dem Angriff auf Sipgate jemals gefasst werden ist fraglich. Wünschenswert wäre ein Gerichtsurteil zum Thema DDoS um Klarheit zu schaffen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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