Internetrecht

Datingplattform daily-date als klassische Abofalle?

Für viele User entpuppt sich die angeblich kostenlose Datingplattform  daily-date als klassische Abofalle. Wir haben Zweifel an der rechtlichen Wirksamkeit des Vertrages und geben Tipps, wie man sich wehren kann!

In letzter Zeit häufen sich bei uns die Anfragen zum Thema daily-date.de. Die Betroffenen berichten, dass Sie nur eine Testmitgliedschaft abgeschlossen haben. Auf der Homepage des Anbieters steht klipp und klar: 14 Tage sollen 1,00 € kosten. Wer dort in gutem Glauben seine Daten eingibt, erlebt eine böse Überraschung: es folgen Rechnungen und Mahnungen. Angeblich hat man eine 6-monatige Premiummitgliedschaft für monatlich EUR 89,00,- abgeschlossen. Dahinter steckt der Anbieter Ideo-Labs GmbH, der verschiedene ähnliche Plattformen betreibt. Die Plattformen eint, dass Nutzer uns häufig wegen ihren schlechten Erfahrungen kontaktieren. Aus unserer Sicht handelt es sich dabei um eine rechtlich fragwürdige Abzocke!

Tatsächlich zu zahlender Preis des daily-date Abos wird verschleiert

Das Angebot wird mit einer festen Laufzeit von 14 Tagen zum Preis von 1,00 € beworben. Dass daraus ein 6-monatiges Abo wird, falls man nicht rechtzeitig kündigt, steht nur versteckt im Kleingedruckten. Das Gesetz legt fest, dass der Verbraucher klar und deutlich eine Zahlungspflicht erkennen muss. Hier wird jedoch bewusst die wahre Zahlungspflicht für ein Abo verschleiert, indem die Einmalzahlung von 1,00 € hervorgehoben wird. Wir haben daher Zweifel, ob überhaupt ein Vertrag zustande kommt.

Klausel hält AGB-Prüfung nicht stand

Außerdem machen die AGB das Kündigen unnötig schwer. Kündigungen der kostenpflichtigen Abos per Mail und Fax sollen nicht akzeptiert werden. Dies hindert aus unserer Sicht einen Verbraucher an der Ausübung seiner Rechte. Die AGB-Klausel halten wir daher für unwirksam: Die Ideo-Labs GmbH muss auch Kündigungen per E-Mail oder Fax akzeptieren. Dennoch empfehlen wir dringend, die Kündigung schriftlich per Einschreiben mit Rückschein zu erklären. So vermeidet man unnütze Diskussionen.

Verzicht auf das Widerrufsrecht dürfte ungültig sein

Doch nicht nur die Frage der Kündigung sorgt für Verwirrung. Auch ein Widerruf des Vertrages wird unnötig erschwert. Wer auf „Kaufen“ klickt, bestätigt damit angeblich auch, dass er auf sein Widerrufsrecht verzichtet. Zwar sieht das Gesetz grundsätzlich eine solche Möglichkeit vor. Allerdings nur dann, wenn ein ausdrücklicher Hinweis auf den Verzicht erfolgt und der Kunde dem bewusst zustimmt. Es genügt aus unserer Sicht nicht, wenn dies nur nebenbei vom Anbieter so festgelegt wird. Damit dürfte der Verzicht unwirksam sein. Ein Widerruf ist nach unserer Auffassung weiterhin möglich.

Was sollten Sie tun?

Wenn auch Sie unerwartet Rechnungen oder Mahnungen von daily-date.de bekommen, dann sollte schnellstens reagiert werden. Zunächst empfiehlt sich eine Kündigung des Vertrages. Gerne können Sie dazu unseren Mustertext Kündigung von daily-date verwenden. Sollten Sie bereits Post von einem Inkasso-Unternehmen erhalten haben, so verwenden Sie bitte diesen Mustertext für das Schreiben an Jedermann Inkasso.


Wenn daily-date.de nicht locker lässt oder alle Fristen hoffnungslos abgelaufen sind, dann empfiehlt es sich, anwaltliche Hilfe zu suchen. Rufen Sie uns unter der Rufnummer 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit) für eine kostenfreie Ersteinschätzung an.


Muster: Kündigung daily-date
Muster: Schreiben an Jedermann Inkasso


In die Falle getappt? Wichtige Verhaltensregeln:

1. Die Anfechtung des vermeintlichen Vertrages erklären

2. Den Widerruf erklären

3. Schriftlich per Einschreiben mit Rückschein kündigen

4. Bei Erhalt weiterer Schreiben oder Mahnungen einen Anwalt kontaktieren

Unter Juristen ist bislang umstritten, inwieweit Betreiber von Abofallen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Das Landgericht Hamburg hat deutlich dazu Position bezogen: Abzocke durch Abofalle kann Betrug sein

(RS)

Rechtsanwalt Rafael Struwe arbeitet seit 2013 in freier Mitarbeit für die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt Verkehrsrecht.

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RSSKommentare (2)

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  1. Für die „Welt am Sonntag“ haben wir recherchiert wer hinter Daily-Date und zahlreichen anderen ähnlichen Plattformen wie Dateformore und Zuuyo steckt: http://www.welt.de/wirtschaft/article143184617/Wie-Sex-und-Flirtportale-ihre-Nutzer-abzocken.html

  2. Melissa sagt:

    Wer sich auf so einer scheiss Seite („eine Affäre hat noch niemandem geschadet“) anmeldet, ist doch selber schuld!

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