Internetrecht

Bing Image Widget: Bilder einbetten leicht gemacht?

Die Microsoft-Suchmaschine Bing hat ein neues Widget im Angebot, dass besonders Blogger und andere Webseitenbetreiber interessieren wird. „Bing Image Widget“ erlaubt die Einbettung von Bildern aus der Bing-Bildersuche auf der eigenen Webseite. Das ist sehr praktisch, wirft aber auch die Frage nach der rechtlichen Lage auf.

Benutzerdefinierte Anpassung

Die Einbettung der Bilder erfolgt schnell und einfach per Copy&Paste des bereitgestellten Codes. Durch entsprechende Veränderungen des Codes kann die Darstellung der Bilder stark variiert und somit individuellen Vorstellungen angepasst werden. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich, auf der „Bing Image Widget“-Seite können die Einstellungen für jeden verständlich und auch auf deutscher Sprache verändert werden. Eine Vorschau zeigt das voraussichtliche Ergebnis, der entsprechende Code wird automatisch generiert.

Wahlweise zeigt das Widget eine Collage aus Bildern oder eine Diashow an. Anzahl der Bilder, Größe des Widgets, Dicke der Rahmen und Hintergrundfarbe sind variabel, selbst der Suchalgorythmus kann teilweise beeinflusst werden.

Durch die gebotenen Veränderungsmöglichkeiten passt das Widget auf jede Webseite. Damit hat Bing ein nützliches und einfach zu bedienendes Widget entworfen, das auf großes Interesse stoßen wird.

Rechtlich stark umstritten

Wie immer wenn es um fremde Inhalte geht, muss die Rechtslage genauer betrachtet werden. Nur weil ein seriöses Unternehmen wie Microsoft eine solche Funktion anbietet, muss sie nicht legal sein.

Das „Bing Image Widget“ zeigt fremde Bilder ohne Einwilligung des Urhebers auf der eigenen Webseite an. Ist das rechtlich unbedenklich oder begeht der Webseitenbetreiber damit eine Urheberrechtsverletzung?

In einem viel beachteten Urteil aus dem Jahr 2011 hat der BGH zu den Google Thumbnails Stellung genommen (BGH, Urteil v. 19.10.2011, Az. I ZR 140/10). Konkret ging es um die Anzeige von Bildern in der Google-Bildersuche gegen den Willen des Urhebers. Der BGH hat zugunsten Googles entschieden, dass solche „Vorschaubilder“ angezeigt werden dürfen, wenn der Urheber seine Bilder bei Einstellung ins Internet nicht entsprechend technisch geschützt hat. Allerdings betrifft dieses Urteil ausdrücklich „Ergebnislisten von Bildersuchmaschinen“. So hört man immer wieder von Abmahnungen wegen urheberrechtlich geschützten Vorschaubildern auf sozialen Netzwerken wie Facebook.

Die Rechtslage in diesem Bereich ist also noch sehr umstritten

Umgehung von Urheberrecht?

Des Weiteren stellt sich die Frage, ob man das „Bing Image Widget“ überhaupt noch mit den Vorschaubildern einer Bilder-Suche vergleichen kann. Zwar zeigt das Widget immer nur die ersten Treffer der entsprechenden Suche und der zugrundeliegende Suchalgorythmus kann nicht verändert werden.

Allerdings kann dieses System sehr einfach umgangen werden: Stellt man das Widget in den Einstellungen auf „Diashow“, kann man die Anzahl der angezeigten Bilder auf ein einziges Bild begrenzen. Dann sucht man sich ein beliebiges Bild aus der Bing-Bildersuche aus. Mit dem genauen Titel, teilweise auch der Bild-URL, kann man das gewünschte Bild durch eine gezielte Suche an erster Stelle der Treffer anzeigen lassen. Anschließend entfernt man in den Einstellungen des Bing-Widgets die Rahmen und stellt die Hintergrundfarbe der eigenen Webseite ein.

Das Endergebnis ist ein alleinstehendes, fremdes Bild auf der eigenen Webseite. Lediglich ein kleiner „Bing“-Schriftzug deutet noch auf das Widget hin.

Ein Unterschied zum bloßen Copy&Paste eines beliebigen Bilds aus dem Internet ist fast nicht mehr gegeben. Im Falle einer Abmahnung dürfte es der Verteidigung also sehr schwer fallen den Vorwurf des Urheberrechtsverstoßes abzuwehren. Da das Widget noch sehr neu ist, bleibt natürlich abzuwarten ob Bing in naher Zukunft Veränderungen vornimmt um mögliche Urheberrechtsverletzungen auszuschließen.

Fazit

Im vergangenen Jahr hat der BGH dem EuGH einen Fall zur Entscheidung vorgelegt, der sich um das Thema „Framing“, also die Einbettung von YouTube-Videos auf der eigenen Webseite, dreht. Abhängig davon, nach welchen Kriterien der EuGH diesen Fall entscheiden wird, können die Ergebnisse auch bei der rechtlichen Beurteilung des „Bing Image Widgets“ weiterhelfen. Solange wie an dieser Front aber nichts geschieht, wird das neue Bing-Widget ein juristisch sehr umstrittenes Thema sein.

Wenn man selbst keinen Präzedenzfall schaffen möchte, ist bei der derzeitigen Rechtslage von einer Nutzung des Bing Image Widgets“ abzuraten.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×