Internetrecht

Bank haftet für Phishing Attacke beim Online-Banking

Wenn Kriminelle mittels einer Phishing Attacke ein Bankkonto leer räumen, muss unter Umständen die Bank für den eingetretenen Schaden aufkommen. Dies ergibt sich aus einer aktuellen Entscheidung des Landgerichtes Oldenburg.

 Bank haftet für Phishing Attacke beim Online-Banking ©-asrawolf-Fotolia

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Ein Kunde nutzte schon seit vielen Jahren Online-Banking, ohne dass es zu Beanstandungen gekommen war. Nachdem sein Geldinstitut das mTan Verfahren eingeführt hatte – bei der der Kunde von der Bank zur Freigabe seines Bankauftrags eine SMS an sein Handy erhält, mittels derer er sich am PC als Berechtigter legitimieren kann – kam es jedoch zu Unregelmäßigkeiten. Innerhalb von 5 Tagen kam es zu 44 unberechtigten Überweisungen im Werte von insgesamt 11.244,62 €.

Der Kunde verlangte nunmehr, dass die Bank ihm diesen Schaden ersetzt. Doch diese weigerte sich. Sie warf ihrem Kunden vor, dass dieser grob fahrlässig gehandelt habe. In dem er Apps aus unsicheren Quellen auf sein Handy heruntergeladen, habe der Kunde erheblich gegen seine Sorgfaltspflichten verletzt.

Phishing Attacke: Kein Anscheinsbeweis zu Lasten des Kunden

Das Landgericht Oldenburg sah dies jedoch anders und verurteilte die Bank mit Urteil vom 15.01.2016 (Az. 8 O 1454/15) zum Schadensersatz. Das Gericht begründete das damit, dass hier die Bank darlegen und nachweisen muss, dass der Kunde die Zahlungsvorgänge autorisiert hat. Demgegenüber braucht der Kunde nicht zu beweisen, dass er eine Phishing Attacke erlitten hatte, durch die es zu den Zahlungen gekommen war.

Fazit:

Diese begrüßenswerte Gerichtsentscheidung des Landgerichtes Oldenburg ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Opfer einer Phishing Attacke sollten sich so schnell wie möglich mit ihrer Bank in Verbindung setzen. Manchmal kann sie diese Überweisungen noch rückgängig machen. Demgegenüber sollten Kunden beim Online-Banking vorsichtig sein und auf jeden Fall ein aktuelles Virenschutzprogramm verwenden. Denn auch das mTAN Verfahren bietet Kunden keinen wirklich sicheren Schutz. (HAB)

Sicher ist das folgende Video zum Phishing für Sie interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. frazy sagt:

    In „Diese begrüßenswerte Gerichtsentscheidung des Landgerichtes Oldenburg ist allerdings noch nicht rechtswidrig. “ muss es rechtskräftig statt rechtswidrig heissen.

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