Internetrecht

Amazon kämpft um die Glaubwürdigkeit des eigenen Bewertungssystems

Der Internetgigant Amazon hat in den USA in über 1000 Fällen Klageverfahren gegen die Verfasser von gefälschten Internetrezensionen eingeleitet. Amazon argumentiert, dass der eigene unternehmerische Erfolg auch stark abhängig von dem authentischen und ehrlichen Bewertungsportal sei. Mehrere hundert Millionen Produktbewertungen von Käufern seien oftmals ein kaufentscheidender Ratgeber für die eigene Kundschaft. Gefälschte Kundenrezensionen seien geeignet die gesamte Glaubwürdigkeit des Bewertungssystems in Frage zu stellen.

Amazon kämpft um die Glaubwürdigkeit des eigenen Bewertungssystems©-cirquedesprit-Fotolia

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Unternehmen haben Interesse an positiven Bewertungen

Auf der Handelsplattform Amazon verkauft der Internethändler nicht nur Waren in eigenem Namen, sondern er bietet auch unabhängigen Unternehmen die Möglichkeit im Rahmen des „Amazon Marketplace“ eigene Waren anzubieten. Unternehmen können so die Reichweite und grundsätzlich bestehende Reputation der Onlineplattform nutzen, ohne ein eigenes Shopsystem betreiben zu müssen. Unabhängige Händler versuchen seit jeher durch eine möglichst gute Bewertung der eigenen Produkte und der eigenen Dienstleistungen möglichst in den Fokus der Verbraucher zu rücken.

5 Sterne Bewertung eingekauft

Unabhängige Internethändler, die über die Amazon-Plattform Waren verkaufen, haben in großem Stil gefälschte Produktrezensionen über das Internetportal fiverr.com eingekauft. Fiverr.com vermittelt Dienstleistungen jeder Art. So konnten Händler über fiverr.com buchen, die gegen Bezahlung positive Rezensionen auf den Shopseiten der jeweiligen Händler auf der Amazon-Plattform verfasst haben. Amazon sieht das Vertrauen seiner eigenen Kunden in Gefahr, auch wenn „es sich zahlenmäßig nur um wenige Bewertungen handelt“.

Amazon kämpft für wahre Bewertungen

In den letzten Jahren hat Amazon vermehrt Maßnahmen ergriffen, um die gegen gefälschte Produktrezensionen vorzugehen. Anfang des Jahres hatte Amazon die Betreiber verschiedener Portale verklagt, die sich auf das Angebot und den Verkauf gefälschter Produktrezensionen spezialisiert hatten. Die jetzt angestrengten Klageverfahren richten sich gegen die jeweiligen Verfasser der gefälschten Produktrezension persönlich.

Die Plattform fiverr.com selbst verbietet in den verwendeten Geschäftsbedingungen das Angebot des Schreibens gefälschter Produktrezensionen und kooperiert seit längerer Zeit mit Amazon. Werden fiverr.com Angebote bekannt, die gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform verstoßen, dann werden diese zeitnah und effektiv gelöscht.

Amazon hofft, dass ein hartes gerichtliches Vorgehen gegen verantwortliche Unternehmen und Rezensenten eine auf den Markt abschreckende Wirkung erzielt.

Rechtliche Situation in Deutschland

Positive Bewertungen und Produktrezensionen sind heutzutage im Internethandel bares Geld wert. Verbraucher assoziieren mit einer hohen Zahl positiver Bewertungen Verlässlichkeit und Seriosität. Daher werden auch in Deutschland immer wieder Fälle bekannt, in denen Shop-Betreiber die eigene Reputation mit Hilfe gefälschter Bewertungen verbessern wollten.

In Deutschland gelten manipulierte Bewertungen und Produktrezensionen als Schleichwerbung. Werbung in Deutschland muss als solche immer deutlich erkennbar sein. Verbraucher müssen immer klar und transparent erkennen können, wann diese einer Werbemaßnahmen ausgesetzt sind. Entscheiden sich Unternehmen eigene Rezensionen zu fälschen, besteht die Gefahr einer wettbewerbsrechtlichen Inanspruchnahme auf Grund eines Wettbewerbsverstoßes. Konkurrenten können dann Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche geltend machen. Darüber hinaus können gefälschte Rezensionen – abhängig von Art und Ausmaß – als Irreführung der Verbraucher und Marktteilnehmer und strafrechtlich relevanter Betrug bewertet werden.

Die Strafen, die deutschen Unternehmen in Bezug auf gefälschte Produktrezensionen drohen, bewegen sich im Bereich mehrerer tausend Euro. In einem etwaigen Wiederholungsfalle drohen Strafen bis zu einer Höhe von 250.000 Euro. Neben dem wirtschaftlichen Schaden ist auch ein möglicher Imageschaden zu kalkulieren. Kunden, die von solch unlauteren geschäftlichen Handlungen hören, können heutzutage binnen wenigen Stunden über soziale Netzwerke eine mediale Welle der Empörung und Wut ins Rollen bringen, die den wirtschaftlichen Vorteil gekaufter positiver Produktrezensionen mühelos vaporisieren kann. (NIH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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