Internetrecht

Amazon bezeichnet Kontensperrung als endgültig

Im Falle der Amazon-Kontensperrungen, sind wir in unserem Beitrag vom 31.07.2013 zu dem Schluss gekommen, dass die Kontensperrungen unrechtmäßig sind. Wir haben den Betroffenen geraten sich mit den von uns geschilderten Argumenten an Amazon zu wenden, um eine Reaktivierung des Kontos zu verlangen.

Ein Betroffener wehrt sich gegen die Kontensperrung

Ein Betroffener folgte unserem Rat und wandte sich an Amazon mit der Bitte sein Konto zu reaktivieren. Zusätzlich drohte er mit der Einschaltung eines Anwalts. Amazon blieb eisern und sandte umgehend eine E-Mail mit einer Absage. Amazon ging in seiner Antwort in keiner Weise auf die Möglichkeit einer Wiedereröffnung des Kontos ein, sondern machte vielmehr deutlich, dass die Entscheidung das Konto zu sperren „endgültig“ und „unumkehrbar“ sei. Schließlich bat Amazon seinen gesperrten Kunden kein neues Konto zu eröffnen. Zu erwähnen ist dabei, dass dieser Kunde durchaus zum Umsatz von Amazon beigetragen hat. Er bestellte innerhalb eines Jahres ca. 200 Artikel und schickte weniger als die Hälfte wieder zurück. Die E-Mail lautete im Original wie folgt:

Guten Tag, Herr...

wie bereits mitgeteilt haben wir Ihr Amazon.de-Kundenkonto geschlossen.
Diese Entscheidung ist endgültig und unumkehrbar.
Bitte öffnen Sie keine neuen Kundenkonten.
Da aufgrund der Kontosperre keine Rücksendeetikett zu Verfügung gestellt werden kann, 
bitten wir Sie Ihre Retouren versichert an folgende Adresse zu senden:
(...)
Wir danken für Ihr Verständnis.

Viele Grüße
Monique Hahn
Executive Customer Relations

Amazon hält an unverhältnismäßiger Kontensperrung fest

Es ist kaum zu glauben, dass Amazon die Kontensperrung als endgültig bezeichnet. Gerade im Hinblick darauf, dass ein aktives Kundenkonto die Voraussetzung ist, um andere Amazon Dienste zu nutzen. Die Unumkehrbarkeit der Kontensperrung würde bedeuten, dass Kunden, die wichtige Daten auf ihrer Amazon Cloud gespeichert haben, diese endgültig verloren haben. Es würde zudem bedeuten, dass die Investition in ein Kindle-Gerät eine Fehlinvestition war, denn auch für den Zugang zum Kindle-Shop braucht man ein Kundenkonto. Es wäre zu erwarten, dass sich der Konzern eine Lösung ausdenkt, wie Kunden wenigstens die übrigen Amazon Dienste nutzen können. Zumindest bedarf es einer Übergangslösung, um kurzzeitigen Zugang zu gespeicherten Daten zu erlangen. Es bleibt abzuwarten, wie lange Amazon an dieser unverhältnismäßigen Aussage festhält.

 

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (11)

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  1. Kristin sagt:

    Jura muss man studieren… Umsatz ist ja schön und gut, aber wieviel Gewinn macht Amazon mit jedem versandten Artikel? Lieferkosten, Einkaufskosten, Administration etc. Ich schätze da mal, dass da nicht so viel Marge bei rausspringt. Wenn dann jemand etwas zurücksendet, dann kostet das nochmals Lieferung, etc, und die Ware muss wegen allfälliger Beschädigung zu einem tieferen Preis abgesetzt werden. Hier werden Kosten von nur 10-20 Euro pro Artikel angegeben. Wenn aber die wirklich verkaufte Ware nur 5 Euro Gewinn pro Stück macht, dann ist weniger als die Hälfte zurückgesendet wahrscheinlich immer noch zu viel (nehme an es wird mehr als ein Drittel sein).

    Ausserdem finde ich es sehr egoistisch und bescheuert, dieses Rückgaberecht so missbräuchlich und schlecht nachweisbar auszunutzen.

    ES IST NIEMANDEM GEDIENT, VORALLEM DEN TREUEN UND AUFRICHTIGEN KUNDEN, WENN AMAZON PLEITE GEHT.
    Dann kann niemand mehr auf seinen digital content zugreifen.

    Ausserdem gilt luxemburgisches Recht, habt ihr das miteinkalkuliert?

    • Caroline sagt:

      Amazon ist ein ganz fürchterlicher Laden. Er zwingt alle Menschen in die Knie. Die Hersteller, die Händler, die Lagermitarbeiter, die Amazonmitarbeiter, die Innenstädte und die Umwelt. Allen wäre damit viel besser gedient, wenn es Amazon nicht mehr geben würde.

      Amazon sperrt auch nur die Kunden, die bei Amazon selbst eingekauft haben. Wenn bei einem Amazon-Händler (also nicht Amazon selbst!) ständig von einer Person die Artikel verschwinden – hat der Händler keine Chance keine Geschäfte mehr mit diesem Kunden zu täigen. Da fragt man Amazon vergeblich, den Kunden zumindest nur für einen selbst zu sperren.

      Sollche Kunden sind aber ganz selten. Schlimmer ist es, dass Amazon Konten schließt, ohne Gründe. Dann ist der Kindel unbrauchbar und die über ein Jahrzehnt zusammgekauft Kindelbücherrei.

      Schlimm ist auch, dass Amazon mit dem Vineclub Bewertungen für sich kauft.

      Schlimm ist auch, dass Amazon keine Steuern bezahlt.

      Schlimm ist auch das Amazon sich alle Rechte nimmt, selbst wenn sie unserös sind und das für normal und als das Recht des Stärkeren empfunden wird.

  2. Andrea sagt:

    Weniger als die Hälfte zurückgesendet soll ein Argument sein? Normale Menschen überlegen sich vorher, was sie eigentlich haben wollen, und haben eine Retourenquote von weniger als 10 Prozent (Schuhe und Kleidung mal ausgenommen). Man kann ja mit dem ein oder anderen Artikel unzufrieden sein oder eine Auswahl treffen wollen, aber hier hat mal wieder jemand die Kulanz eine Anbieters gnadenlos ausgenutzt und kriegt jetzt die Rechnung präsentiert. Klar ist die komplette Sperrung für Kindle-Besitzer ein echtes Problem, aber ich fände es absolut gerechtfertigt, wenn Amazon bei solchen Kundenkonten die Möglichkeit sperren würde, retourefähige Ware zu kaufen, und nur noch den Erwerb digitaler Inhalte zuließe.

    • Caroline sagt:

      Der Diebstahl der Kindelbücherrei finde ich wie alles von Amazon schäbig. Amazon ist das einzige Unternehmen, welches sich nicht an Rechte halten muss. Amazon sperrt ja auch Konten, wo es überhaupt keine Gründe gibt – das nennt sich dann, wir konnten Sie nicht verifizieren. Wieso kann man jemanden nicht verifizieren? Und wieso verliert man dann seine Kindelbücherrei? Den Kindel und die Kindelbücher konnte Amazon ja auch liefern?!

      Ich gebe Dir recht: Man sollte dann nur bei zu hoher Retorenquote den Kunden vom Umtausch ausschließen.

      Noch besser würde ich finden, wenn man Amazon in Zukuft total meidet. Amazon zerstört alles und ist das unseriöseste Unternehmen auf dieser Welt.

  3. Rdf sagt:

    Amazon nutzt die Vorteile des Internethandels brutal aus, zählt Dumpinglöhne und verschiebt Gewinne in Niedrigsteuerländer. Ortsansässige Händler dürfen die Ware vorführen und gehen so Pleite. Das ist kein fairer Wettbewerb.
    Wie wäre es, wenn Amazon und Co erklärungsbedürftige Ware ortsnah in Ausstellungen vorführen MÜSSTE?
    Oder wir warten ab, bis keine Händler vor Ort mehr existieren. Dann wird sich Amazon was anderes einfallen lassen müssen.

    • Caroline sagt:

      Du hast es erkannt – es gibt kein schäbigeres Unternehmen als Amazon.

      Du hast vergessen zu Erwähnen, dass Amazon seinen eigenen Algorithmus manipuliert indem Amazon mit seinem Vineclub Bewertungen kauft, was keine Anderer Händer auf Amazon darf – da hat Amazon jetzt ja welche verklagt – dabei macht Amazon es ja vor. Das hat niemand verstanden.

      Amazon bezahlt kaum Steuern. Amazon ist auch das einzige Untenehmen, welches Verträge ohne Grund fristlos kündigen darf.

      Im Grunde hilft nur eins. Sprechte täglich schlecht über die Machenschaften von Amazon, tätige Beratungsklau auf Amazon und kaufe dann woanders, am Besten in Deiner Stadt.

  4. Kaya sagt:

    Also bei dieser Menge an zurückgeschickten Artikeln finde ich eine Kontosperrung nicht unverhältnismäßig. Amazon hat wie jeder andere Händler online oder in der Stadt das Recht zu entscheiden, mit wem er Geschäfte machen will und mit wem eben nicht.
    Wenn man jeden zweiten Artikel zurückschickt und Amazon jedesmal Kosten für Hin- und Rückporto und das Wiederverpacken des Artikels aufgebrummt bekommt, kann man sich doch ausrechnen, dass das nicht lange gut gehen kann.

  5. Uwe Kalert sagt:

    Das kommt dabei heraus, wenn man sich an einen großen Konzern ausliefert. Ob Cloud, Kindle oder Arbeiterausbeutung, Amazon hat bei mir alle Chancen verspielt. Die Macht scheint den Verantwortlichen zu Kopf gestiegen zu sein.

    Bevor ich mich in solch eine Abhängigkeit begebe, müßte schon verdammt viel passieren.

    Gruß
    UK

    • Caroline sagt:

      Das hast Du ganz richtig erkannt – Amazon ist menschenverachtend.

      Ja man sollte Jubeln an dem Tag wo man das letzte Mal bei Amazon gekauft hat – ob freiwillig oder unfreiwillig.

      Es ist nicht die Frage ob Amazon Dich und alles zerstört sondern, wann Amazon Dich und alles zerstört!!!

  6. OliverG sagt:

    HM, wenn nun jemand täglich in der Kanzlei bei Ihnen anrtiefe und frahen würde, ob er anwaltXY sprechen könne. Und dann mit dem über das wetter plaudert und über Fußballergebnisse. würden sie ggf. nciht auch erwägen, deise Telefonnummer nicht mehr durchztustellen oder sogar zu sperren?

    Wenn jemand durch sein „Kunde sein“ (bzw seien Art des „Nicht-Kunde-seins“), einem Geschäft Schaden zufügt (und den Kooperationspartnern von Amazon) dann würde ich sogar von Amazon ERWARTEN, dass sie MICH als LIEFERANT davor schützen, dass ich Verlust mache.

    Es gibt kein Recht auf bewusste Schädigung Dritter.

    • Caroline sagt:

      Ja da hast Du recht, wenn es so durchgeführt werden würde.

      Ich wollte auch mal von Amazon von einem Käufer geschützt werden. Diese brutale Vorgehensweise gegen schwierige Käufer betrifft aber nur Amazon als Verkäufer selbst. Nur wenn jemand so dreist ist bei Amazon selbst zu kaufen und umzutauschen, wird mit der Amazonhärte zugeschlagen. Der kleine Amazonhändler dagegen würde nicht geschützt werden.

      Und ein auffälliges Verhalten vom Kunden sollte geprüft werden, bzw. angemahnt….ein Verlust der Kindelbücherei und Speichermedien bzw ein unbrauchbarer Kindel ist unverhältnismäßig.

      Da sieht man mal wie wichtig Vielfalt ist. Für den Kunden kann es wirklich von großem Nachteil sein, wenn aufgrund Umtauschverhaltens oder einer gesperrten Kreditkarte alle bezahlten Käufe aus der Vergangenheit von Amazon geklaut werden.

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