Internetrecht

AG Berlin-Charlottenburg: Schmerzensgeld wegen Verbreitung intimer Fotos über WhatsApp

Verbreitet ein Schüler intime Fotos seiner Freundin über WhatsApp, muss er ihr Schmerzensgeld zahlen. Dies entschied das Amtsgericht (AG) Berlin-Charlottenburg (Az.: 239 C 225/14). Das Gericht geht davon aus, dass der 13-jährige Schüler verantwortlich für den entstandenen Schaden ist, da er bei der Begehung der schädigenden Handlung die erforderliche Einsichtsfähigkeit hatte.

AG Berlin-Charlottenburg: Schmerzensgeld wegen Verbreitung intimer Fotos über WhatsApp©-cirquedesprit-Fotolia

AG Berlin-Charlottenburg: Schmerzensgeld wegen Verbreitung intimer Fotos über WhatsApp©-cirquedesprit-Fotolia

Schüler verbreitete intime Fotos seiner Freundin über WhatsApp

Die beiden Schüler aus Berlin-Steglitz wurden Anfang des vergangenen Jahres ein Paar. Der damals 13 Jahre alte Junge wollte von seiner Freundin, dass sie ihm aufreizende Fotos von sich über WhatsApp schickt. Die Schülerin machte daraufhin Selfies von sich, auf denen sie teilweise unbekleidet und in Unterwäsche zu sehen war. Acht bis zehn Bilder schickte sie ihrem Freund zu. Doch der behielt sie nicht für sich, sondern verbreitete die Fotos per WhatsApp im Freundeskreis.

Die Schülerin ging zu einem Anwalt und erreichte, dass der Junge eine Unterlassungserklärung abgab. Darin erklärte er, die Fotos nicht weiter zu verbreiten. Allerdings lehnte der Anwalt des Schülers Schmerzensgeld für das Mädchen ab. Daraufhin klagte sie Ende 2014 vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg auf Erstattung von Rechtsanwaltskosten und Schmerzensgeld.

AG Berlin-Charlottenburg: Schüler ist „deliktsrechtlich voll einsichtsfähig“

Das Gericht kam zu der Ansicht, dass die Schülerin einen Schadenersatzanspruch von 1.000 Euro gegen ihren Exfreund hat.

Nach Ansicht des Gerichts beeinträchtigte die Weiterverbreitung der Bilder die Lebensführung der Schülerin sowie ihre Entwicklung. Eine Entschädigung in Geld dient also der Genugtuung. Der 13-jährige Beklagte sei aufgrund der allgemeinen Erfahrungen von Jugendlichen im Umgang mit sozialen Netzwerken, Medien und deren Gefahren „deliktsrechtlich voll einsichtsfähig“, so das Gericht. Durch die Weiterverbreitung der Bilder handele es sich auch um eine erhebliche Beeinträchtigung der Klägerin, die sich dadurch „an den Pranger gestellt fühlen und die Situation insgesamt als ausgesprochen peinlich empfunden haben dürfte“. Darüber hinaus sei die Situation dazu geeignet, die ungestörte sexuelle und persönliche Entwicklung der Klägerin zu beeinträchtigen.

Die Zahlung des Schmerzensgeldes finanziert der Schüler übrigens durch einen Ferienjob. (JAZ)

Auch ein interessanter Fall: Ein britisches Gericht verhängte drei Monate Gefängnisstrafe gegen einen WhatsApp Nutzer, der aus Rache für eine gescheiterte Beziehung ein Nacktbild seiner Ex als Profilbild verwendet hatte. Mehr zu diesem Fall im Video:

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×