Navigation öffnen
Startseite » Insolvenzrecht-Anwalt – Kompetente Unterstützung für Schuldner » Privatinsolvenz – Ablauf, Vorteile und Nachteile im Überblick

Privatinsolvenz – Ablauf, Vorteile und Nachteile im Überblick

Kann eine Person ihre Schulden nicht begleichen, ist sie zahlungsunfähig oder droht eine Zahlungsunfähigkeit, dann kann die Anmeldung einer Privatinsolvenz sinnvoll sein. Sie hat Vor- und Nachteile für den Schuldner – kann am Ende aber zu einer Befreiung von Restschulden führen. Diese Seite gibt einen Überblick über alle Schritte, die im Falle einer Privatinsolvenz nötig sind. Außerdem wird deutlich, in welchen Fällen es ratsam ist, einen Fachanwalt für Insolvenzrecht einzuschalten.

Auf einen Blick

  • Bei Zahlungsunfähigkeit, drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung kann die Anmeldung einer Privatinsolvenz sinnvoll sein.
  • Das Insolvenzverfahren dauert neuen Regelungen zufolge drei Jahre.
  • Am Ende des Verfahrens erfolgt die Befreiung von Restschulden.
  • Privatinsolvenz kann unabhängig vom Einkommen gestellt werden, auch von Arbeitssuchenden oder Rentnern.
  • Ein Fachanwalt kann Schuldner durch den gesamten Prozess vom Antrag bis zur Kommunikation mit dem Insolvenzverwalter unterstützen.

Aktuelle Änderungen

Die Corona-Pandemie hat einige Regelungen bezüglich der Privatinsolvenz verändert: Bis dahin dauerte eine Privatinsolvenz maximal sechs Jahre. Das gilt weiterhin für alle Verfahren, die vor Oktober 2020 eröffnet wurden. Seit dem 01.10.2020 dauern Privatinsolvenzverfahren nur noch drei Jahre. Diese Anpassungen sollen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und damit einhergehender Insolvenzen abmildern.

Ablauf und Dauer der Privatinsolvenz

Die ersten Schritte der Privatinsolvenz beginnen bereits vor der offiziellen Anmeldung. Zunächst ist es notwendig, die individuelle Schulden- und Finanzsituation fachgerecht einzuschätzen. Ausschlaggebende Faktoren hierbei sind die Schuldenhöhe, das Einkommen, die Anzahl der Gläubiger, weitere Verpflichtungen (beispielsweise Unterhaltszahlungen) und ein Überblick über das vorhandene Vermögen. Ein Fachanwalt für Insolvenzrecht kann schon dabei hilfreich zur Seite stehen. Sprechen Sie uns gerne an, um eine individuelle Beratung für Ihre Situation zu erhalten.

Sind all diese Punkte erledigt, sollte zunächst versucht werden, sich mit den Gläubigern zu einigen – das ist Voraussetzung für die Anmeldung der Privatinsolvenz. Scheitert dieser Versuch (was häufig der Fall ist), kann im Folgenden die Privatinsolvenz beantragt werden. Alle Informationen zum Antrag finden Sie in unserem Artikel zum Thema „Insolvenzantrag stellen“.

Ist der Antrag gestellt, dauert es meist etwa einen Monat, bis das Verfahren eröffnet wird. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Gläubiger den Schuldner nicht mehr kontaktieren und alle Pfändungen werden gestoppt. Der Kontakt zu den Gläubigern läuft während des Verfahrens über einen Insolvenzverwalter, den das Insolvenzgericht bestimmt. Schuldner erhalten den pfändungsfreien Teil ihres Einkommens. Die Höhe ist individuell unterschiedlich, hier kann im Vorfeld ein Fachanwalt für Insolvenzrecht eine Einschätzung geben.

Ungefähr ein Jahr nach Beginn des Verfahrens beginnt die sogenannte Wohlverhaltensperiode. In dieser kann der Schuldner Einkommen oder andere Zuwendungen unabhängig von ihrer Höhe erhalten und – wenn möglich – wieder eigenes Geld ansparen. Es wird allerdings monatlich ein festgelegter pfändbarer Betrag zu zahlen sein.

Drei Jahre nach Beginn des Verfahrens erfolgt die Restschuldbefreiung durch das Insolvenzgericht. Das bedeutet, dass Gläubiger ihre Forderungen verlieren und der Schuldner schuldenfrei wird. Davon gibt es allerdings Ausnahmen, beispielsweise im Fall von Steuerhinterziehung oder bei Schulden, die durch vorsätzlich unerlaubte Taten oder durch Bußgelder entstanden sind.

Voraussetzung einer Privatinsolvenz

Es gibt einige Punkte, die für die Anmeldung einer Privatinsolvenz erfüllt sein müssen:

  • Der Schuldner ist zahlungsunfähig oder es droht eine Zahlungsunfähigkeit, und es bestehen offene Forderungen.
  • Ein Einigungsversuch mit den Gläubigern ist gescheitert.
  • Der Wohnsitz des Schuldners befindet sich zu Beginn des Verfahrens in Deutschland.
  • Es liegt keine selbstständige Tätigkeit vor.

Ein Einkommen oder eine Anstellung ist nicht notwendig, um Privatinsolvenz anzumelden. Auch arbeitssuchende Personen, Rentner oder Studenten können Insolvenz beantragen.

Das wollten unsere Mandanten oft wissen…

Häufig gestellte Fragen rund um die Privatinsolvenz an unsere Anwälte.

Jede Person, die verschuldet bzw. zahlungsunfähig ist, kann einen Antrag auf Privatinsolvenz stellen – wenn sie nicht selbstständig ist. Dann wäre eine Regelinsolvenz erforderlich. Außerdem ist es möglich, dass Gläubiger einen Antrag auf Insolvenz eines Schuldners stellen.
Schuldner können bereits Privatinsolvenz anmelden, wenn eine Zahlungsunfähigkeit droht. Auch im Falle einer bestehenden Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist die Anmeldung der Insolvenz möglich und sinnvoll. Bestenfalls verliert man nicht viel Zeit, um schnell eine Befreiung von den Schulden zu erreichen.
Es ist nicht zwingend erforderlich, aber sehr ratsam, einen Fachanwalt für Insolvenzrecht an seiner Seite zu haben. Dieser unterstützt bei der Einschätzung der Schuldenlage, bei der Kommunikation mit den Gläubigern sowie dem Insolvenzgericht. Es handelt sich um ein komplexes Fachgebiet, das Laien nur schwer überblicken können.
Nach Abschluss des Privatinsolvenzverfahrens erteilt das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung. Allerdings gibt es wenige Ausnahmen, zum Beispiel wenn es sich um Schulden aus Steuerhinterziehung oder vorsätzlich durchgeführten unerlaubten Handlungen handelt.
Die Privatinsolvenz wurde 1999 eingeführt, bis Ende 2019 nutzten Statistiken zufolge knapp zwei Millionen Personen diese Möglichkeit. Im Jahr 2019 gab es mehr als 86.000 Privatinsolvenzen.
Die Hintergründe sind individuell unterschiedlich, oft liegen führen Lebensereignisse wie eine Scheidung oder eine Krankheit zur Überschuldung. Auch eine gescheiterte Selbstständigkeit oder der misslungene Umgang mit den eigenen Finanzen kann zur Privatinsolvenz führen.
Besitztümer wie Möbel, der eigene Hausstand, ein Auto, das für die Arbeit benötigt wird, oder auch Fernseher und Computer dürfen nicht gepfändet werden. Oft gibt es bei Schuldnern gar kein pfändbares Vermögen.
Bei einer Privatinsolvenz bestimmt das Insolvenzgericht einen Insolvenzverwalter. Er vertritt die Interessen der Gläubiger und soll das vorhandene Vermögen verwerten. Er ist also nicht als Rechtsbeistand anzusehen. Vielmehr empfiehlt es sich, einen Anwalt zu engagieren, der auch bei der Kommunikation mit dem Insolvenzverwalter Unterstützung leistet.

Vor- und Nachteile der Privatinsolvenz

Ob die Anmeldung einer Privatinsolvenz sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab. Wir prüfen Ihren Fall gerne für Sie und stehen Ihnen mit kompetenten Experten zur Seite. Die folgenden Vor- und Nachteile können bei einer ersten Einschätzung helfen.

Zu den Vorteilen zählt, dass Schuldner nach Abschluss des Insolvenzverfahrens von ihren Schulden befreit werden. Der Zeitpunkt für die Restschuldbefreiung ist klar definiert, sodass Planungssicherheit für den Schuldner besteht. Seit Oktober 2020 dauert es drei Jahre, bis die restlichen Schulden erlassen werden.

Schon unmittelbar nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens dürfen Gläubiger nicht mehr vollstrecken oder Pfändungen durch einen Gerichtsvollzieher durchführen lassen. Es besteht weiterhin ein unpfändbarer Teil des Einkommens, über den Schuldner frei verfügen können. Drei weitere Jahre nach der Restschuldbefreiung werden alle Schufa-Einträge gelöscht, die bis zur Eröffnung des Insolvenzfahrens bestanden. Auch das trägt zu einer Erleichterung für den Schuldner bei.

Doch natürlich gibt es auch Nachteile der Privatinsolvenz: Besteht pfändbares Vermögen und Einkommen, das über den unpfändbaren Betrag hinausgeht, wird der Insolvenzverwalter dieses einziehen. Außerdem gibt es für den Schuldner Pflichten für die Zeit des Verfahrens über drei Jahre. Ein außergerichtlicher Vergleich mit Gläubigern würde eine schnellere Lösung darstellen – allerdings auch voraussetzen, dass die Schulden (zumindest zum Teil) beglichen werden können.

Was ein weiterer Nachteil sein könnte: Bei einer Privatinsolvenz erfolgt eine Insolvenzbekanntmachung, sodass Schuldner die eigene finanzielle Lage nicht für sich behalten können. Das wäre bei einer außergerichtlichen Einigung mit den Gläubigern der Fall.

Wie können wir Ihnen helfen?

Das kompetente Team von WILDE BEUGER SOLMECKE unterstützt Schuldner von Beginn an. Zunächst erfolgt in der Regel die Einschätzung der Schuldensituation sowie eine Bewertung, was in der individuellen Lage die sinnvollsten Schritte sind. Fällt die Entscheidung für eine Privatinsolvenz, ermittelt unsere Kanzlei alle Gläubiger und erstellt anschließend den Insolvenzantrag. Außerdem begleiten wir Mandanten bei der Korrespondenz mit Gläubigern sowie dem Insolvenzverwalter und helfen dabei, Vermögen vor der Pfändung zu schützen. Nehmen Sie gerne für ein unverbindliches Erstgespräch Kontakt mit uns auf.

In aller Kürze

Eine Privatinsolvenz kann ratsam sein, wenn ein Schuldner zahlungsunfähig ist oder eine Zahlungsunfähigkeit droht. Wenn ein außergerichtlicher Vergleich mit den Gläubigern gescheitert ist, ist die Anmeldung einer Privatinsolvenz in vielen Fällen ein sinnvoller Schritt.
Am Ende des Insolvenzverfahrens erfolgt eine Restschuldbefreiung, sodass noch offene Forderungen nicht erfüllt werden müssen. Nach weiteren drei Jahren werden alle Schufa-Einträge, die vor Beginn des Verfahrens bestanden, gelöscht. Beides stellt eine Erleichterung für viele Schuldner dar.
Es ist nicht zwingend erforderlich, einen Fachanwalt für Insolvenzrecht zu engagieren – allerdings handelt es sich um ein komplexes Rechtsgebiet, das für Laien schwer zu überblicken ist. Ein Anwalt unterstützt Schuldner bereits bei der ersten Einschätzung ihrer Situation sowie über das ganze Verfahren hinweg.