Hilfe bei der Gestaltung von Testimonialverträgen

Bekannte und erfolgreiche Schauspieler oder Sportler werden heutzutage gerne als sog. Testimonials genutzt, um Marken, Projekte oder einzelne Produkte zielgruppengenau zu bewerben. Die geschäftliche Verbindung kann für beide Partner sinnvoll und gewinnbringend sein. Das werbende Unternehmen kann sich mit dem Ruf des Testimonials auf dem Wettbewerbsmarkt positionieren und die Werbefigur kann das eigene Image monetarisieren.

Wie sieht eine Zusammenarbeit aus?

Regelmäßig wird das werbende Unternehmer eine Werbefigur als Partner auswählen, die aus marketingstrategischen Gründen zu dem werbenden Unternehmen passt oder eine zielgruppenorientierte Positionierung des zu bewerbenden Produkts ermöglicht. Üblich ist es, dass im Zuge der Zusammenarbeit vertragliche Beziehungen geschlossen werden, die die Rahmenbedingungen der Partnerschaft vorgeben. Das werbende Unternehmen verpflichtet sich die im Rahmen der Werbekampagne nötigen Arbeiten auszuführen und das vereinbarte Honorar zu zahlen. Im Gegenzug wird die Werbefigur die Nutzung und Auswertung eines Teils der eigenen Persönlichkeitsrechte ermöglichen. Je nach Ausmaß und Art der Werbekampagne muss die Werbefigur z.B. in die Nutzung von Fotos, bewegten Bildern, dem Namen oder Sprachaufnahmen einwilligen. Ebenso wird die Werbefigur Verpflichtungen zu Mitwirkungshandlungen eingehen. Besteht auf beiden Vertragsseiten Klarheit darüber, welche Ziele die Zusammenarbeit haben soll und welche Pflichten beide Vertragspartner treffen kann die Zusammenarbeit vertraglich fixiert werden.

Vertragsgestaltung

Verträge mit Werbepartnern sollten – wie selbstverständlich auch jeder andere Vertrag – rechtssicher und transparent gestaltet werden, um der Gefahr entstehender Konflikte im Vorfeld bestmöglich begegnen zu können. Im Bereich der Einräumung von Persönlichkeitsrechten ist nur wenig spezialgesetzlich geregelt. Umso wichtiger ist die deutliche und ausführliche Verschriftlichung getroffener Vereinbarungen. Bei der Einräumung von Persönlichkeitsrechten besteht die Gefahr, dass nicht ausreichend klare Vertragsklauseln trotz Auslegungsversuchen am Ende keine Rechteübertragung auslösen. In diesen Fällen würde die Werbefigur trotz eines geschlossenen Vertrages keine Einwilligung zur Einräumung eines Teils der allgemeinen Persönlichkeitsrechte erteilt haben und die Verwendung von Namen oder Bildern verhindern. Für das werbende Unternehmen würde diese Folge wohl das Ende einer finanzierten Werbekampagne und einen wahrscheinlich hohen wirtschaftlichen Verlust bedeuten. In einem Testimonialvertrag sollte die Dauer der Vertragspartnerschaft genauso festgeschrieben sein wie eine sachliche und räumliche Begrenzung der Nutzungsrechte. Für den Fall, dass die Partnerschaft irgendwann beendet werden soll bedarf es rechtssicher gestalteter Kündigungsregeln, die die Folgen etwaiger Vertragsbeendigungen sichtbar machen. In vielen Fällen investiert ein werbendes Unternehmen eine hohe Summe in die Verpflichtung einer bekannten Persönlichkeit. Regelmäßig werden daher Exklusivvereinbarungen unterschrieben, die verhindern, dass die Werbefigur in einem ähnlichen Produkt- oder Markensegment weitere Werbepartnerschaften eingeht.

Umfang der Rechteeinräumung

Die Werbefigur wird einem Vertragspartner nicht unbegrenzt alle Nutzungsrechte am eigenen Bild oder dem eigenen Namen einräumen. Ein transparenter Vertrag in Bezug auf die geplante Werbekampagne sollte deutlich regeln in welchem Austrahlungsmedium die Werbekampagne oder das Projekt kommuniziert wird. Weiter sollte ein Adressatenkreis definiert und die Zielgruppe festgelegt werden. Ebenso sollte die Möglichkeit einer Retusche von Bild- und Tonaufnahmen geregelt und das Verbreitungsgebiet der Kampagne festgelegt werden. Die Ausarbeitung und Festlegung aller möglichen und möglicherweise auch erst zukünftig eintretenden Details hilft Konflikten bei der Durchführung einer Werbekampagne im Vorfeld zu begegnen.

Haftungsrisiken begrenzen

Ein rechtssicher gestalteter Testimonialvertrag beschäftigt sich auch mit den Folgen bei eintretenden Problemen während, vor oder nach der Zusammenarbeit. Geregelt werden sollten mögliche Schadensersatzleistungen bei einem Ausfall des Testimonials oder bei Schlechtleistung des Partnerunternehmens. Ebenso sollten nötige Rechte Dritter angefragt und in den Vertrag eingegliedert werden. Oftmals sind bekannte Persönlichkeiten aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit mit anderen Unternehmen arbeitsvertraglich verbunden. Die mitunter nötige Zustimmung des Arbeitgebers sollte vorliegen.

Chancen und Risiken einer Partnerschaft

Die Chance der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und bekannten Persönlichkeiten liegt zweifelsohne darin, dass durch die Popularität eines Einzelnen zielgruppenspezifisch eine breite Öffentlichkeit über Produkte, Marken oder Projekte informiert werden kann. Der naheliegende Imagetransfer ist für beide Seiten werthaltig. Jedoch gilt es auch zu bedenken, dass es bei langfristiger Zusammenarbeit erhebliches Konfliktpotential und drohende negative Meinungsbildung geben kann, wenn einer der Vertragspartner einen Imageverlust erleidet. Eine Zusammenarbeit sollte daher aus allen Blickwinkeln zukunftsorientiert betrachtet werden. Dabei sollten Chancen und Risiken der Partnerschaft analysiert werden, um die beiderseitigen Interessen in Einklang zu bringen. Die anschließende vollumfängliche rechtssichere Gestaltung von Testimonialverträgen stellt dann eine Basis für eine werthaltige Zusammenarbeit dar.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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