Heilmittelwerberecht

Werbeaussage „Vildagliptin – der einzige DPP4-Hemmer ohne CYP-450-Verstoffwechselung“ wettbewerbswidrig

Das OLG Hamburg hat in seinem Urteil vom 4. Juli 20013, AZ. 3 U 161/11 entschieden, dass die Werbeaussage: „Vildagliptin – der einzige DPP4-Hemmer ohne CYP-450-Verstoffwechselung“ wettbewerbswidrig sei. Ein wissenschaftlicher Nachweis für diese Aussage liege nicht vor, sodass sie irreführend sei.

 Irreführende Werbung für Medikamente bez. Verstoffwechselung  ©- Thomas-Jansa-Fotolia

Irreführende Werbung für Medikamente bez. Verstoffwechselung ©- Thomas-Jansa-Fotolia

 

 

Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde: Die Antragsstellerin, die Diabetes-Arzneimittel vertreibt, wehrt sich gegen eine Werbung der Antragsgegnerin die ebenfalls Diabetes-Arzneimittel vertreibt.

Diabetes-Medikamente und die Leber

In zwei Diabetes-Arzneimitteln der Antragsgegnerin befindet sich der Wirkstoff Vildagliptin. Dies ist ein sogenannter DPP4-Hemmer, der die Insulinfreigabe des Körpers steigert und den Blutzuckerspiegel senken kann. Arzneiliche Wirkstoffe werden grundsätzlich in der Leber verstoffwechselt, unter Einbeziehung des Enzyms CPY-450. Dies kann unter bestimmten Umständen zu Problemen mit anderen Medikamenten und Wirkstoffen führen, die durch dasselbe Enzymsystem verstoffwechselt werden. Denn das Enzymsystem kann sich nur mit dem Abbau eines Wirkstoffs „beschäftigen“ und nicht mit zwei Wirkstoffen gleichzeitig.

Die Antragsgegnerin bewarb nun ihr Medikament mit dem Wirkstoff Vildagliptin damit, dass „keine CYP-450-Verstoffwechselung“ stattfinden würden. Dies führe dazu, dass es keine Probleme mit anderen Wirkstoffen gibt.

Dagegen wehrte sich der Konkurrent. Es sei nicht wissenschaftlich bewiesen, dass der Wirkstoff Vildagliptin überhaupt nicht über die Leber verstoffwechselt werde. Vielmehr gebe es eine Studie die besagt, dass eine Verstoffwechselung von 1,6 % stattfinde.

Genaue Informationen bitte! Gerade bei Medikamenten!

Die Gerichte gaben dem Konkurrenten Recht. Denn auch wenn eine Verstoffwechselung von 1,6% minimal gering sei und vermutlich auch nicht relevant, sei dies dennoch etwas anderes als 0%. Die Aussage dass absolut keine Verstoffwechselung stattfindet sei nicht korrekt und sogar irreführend, auch für Ärzte.

Gerade im Bereich des Gesundheitswesens und der Verabreichung von Medikamenten stehen hohe Rechtsgüter auf dem Spiel, wie Leben und Gesundheit. Hier müssen besonders hohe Maßstäbe an die Richtigkeit von Informationen an den Tag gelegt werden. Die Werbeaussage darf nicht einfach entsprechend „umgedeutet“ werden von „keine Verstoffwechselung“ auf „fast keine Verstoffwechselung“. Es muss eine absolut exakte, wissenschaftlich erwiesene Information widergegeben werden.

 

Kilian Kost ist seit 2009 Rechtsanwalt der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt im Internet- und Wettbewerbsrecht. Seit 2013 ist er zudem Fachanwalt für den gewerblichen Rechtsschutz.

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