Heilmittelwerberecht

LG Düsseldorf – Wettbewerbswidrige Werbung für Zahnersatz

ZahnersatzCard von Tchibo – Zähne zum Schnäppchenpreis

Kaffee, Reisen Blumen, Bettwäsche, all das konnte der Kunde bei Tchibo bisher bereits erwerben. Nun erweiterte das Unternehmen, dessen Ursprünge im Verkauf von Kaffee zu finden sind, sein Sortiment. Seit vergangener Woche können  Kunden  auch eine sogenannte „ZahnersatzCard“ kaufen.  Diese sorgte jedoch direkt für eine Abmahnung des Unternehmens.

Wettbewerbswidrige Werbung für Zahnersatz ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Wettbewerbswidrige Werbung für Zahnersatz ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Das neueste Angebot von Tchibo klingt verlockend. „Schöne Zähne – Strahlendes Lächeln! Hochwertiger Zahnersatz zu günstigen Preisen.“  Und das alles nur für 24,-€.

In Kooperation  mit dem Dentallabor NOVADENT, dessen Labor sich auf den Philippinen befindet, verspricht Tchibo seinen Kunden bei dem Erwerb ihrer ZahnersatzCard  große Preisvorteile für Kronen, Brücken und Inlays.  Zum Teil warb Tchibo mit Rabatten  bis zu 50 Prozent.

Dies empfand die konkurrierende Zahntechnikfirma Audentic AG jedoch als Werben mit „Mondpreisen“ und mahnte Tchibo daraufhin wegen wettbewerbswidriger  Werbung ab. Es fehle vor allem an Vergleichspreisen, an dem der Kunde den angeblichen Preisvorteil erkennen könne. Denn tatsächlich bot NOVADENT  selbst im Jahr 2011 deutlich niedrigere Preise für ihre Leistungen an.

Des Weiteren sah die Audentic AG es als irreführend an, dem Kunden mit dem Angebot das Gefühl zu vermitteln, dass er sich selbst das für ihn zuständige Zahnlabor aussuchen könne.  Denn grundsätzlich ist dies nicht  Aufgabe des Patienten, sondern die  des behandelnden Zahnarztes, der für die Gesundheit seines Patienten verantwortlich ist und für den Zahnersatz haftet. Das bedeutet, dass ein Zahnarzt die Zusammenarbeit mit NOVADENT trotzdem ablehnen kann, obwohl der Patient eine sogenannte ZahnersatzCard erworben hat. Dies sei auch nicht unwahrscheinlich. Denn bislang arbeitet  nur ein Bruchteil der deutschen Zahnärzte mit NOVADENT  zusammen. Nicht zuletzt liegt es vor allem daran, dass das in ausländische Labore gesetzte Vertrauen deutlich niedriger ist als in deutsche Zahntechnikfirmen.

Diesen vorgetragenen Punkten folgte auch das Landgericht Düsseldorf und sah die Abmahnung als gerechtfertigt an (Az. 38 O 113/13). Tchibo hat bereits angekündigt, anwaltlich  gegen die vorliegende Abmahnung vorzugehen. Zeitgleich räumte Tchibo jedoch ein, dass sie jeden potentiellen Käufer vor dem Erwerb der ZahnarztCard drauf hinweisen, Rücksprache mit ihrem behandelnden Zahnarzt zu halten, ob dieser mit NOVADENT zusammenarbeiten möchte.

 

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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