Heilmittelwerberecht

Irreführende Arzneimittelnamen: „Schöne“ Medikamente gibt es nicht

Bei Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt, Apotheker oder den Namensgeber. Hinter verniedlichten oder harmlos klingenden Medikamentennamen stecken meist zahlreiche Nebenwirkungen, die für den Patienten zunehmend in Zeiten der Marketingstrategien der Pharmaunternehmen in den Hintergrund geraten. Arzneimittelprüfer wollen dem nun einen Riegel vorschieben.

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©-Thomas-Jansa-Fotolia

Geht man heutzutage in eine Apotheke und fragt nach einem Kopfschmerzmittel, so bekommt man verschiedene Produkte empfohlen, deren Wirkung gerne mit den Bezeichnungen „express“ oder „super“ gekennzeichnet sind. Nur zu gerne greift dann der Patient nach einem Medikament, das „express“ wirkt ohne überhaupt nach den Nebenwirkungen zu fragen. Hauptsache schnell hilft schnell.

Auch bei der Wahl einer Anti-Baby-Pille, wie z.B. „Petibelle“ oder „Lovelle“, wirkt es als ob die Patientinnen zwischen verschiedenen französischen Desserts wählen könnten, anstatt abzuwägen, welche Pille im Hinblick auf die Nebenwirkungen am besten für sie geeignet ist.

Dieses Problem hat nun sowohl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), als auch das Paul-Ehrlich-Institut (Pei) erkannt. Daher haben beide gemeinsam zum Schutz der Patienten eine neue „Leitlinie zur Bezeichnung von Arzneimitteln“ auf den Weg gebracht. Denn beide Institute haben in der Vergangenheit festgestellt, dass immer mehr Pharmaunternehmen ihre Namen und Namenszusätze für ihre Medikamente danach auswählen, wie sie für den Patienten am schönsten klingen und sich somit am besten verkaufen können. So versteckt sich hinter der Namensbeantragung für ein Medikament also auffallend häufiger eine Marketingstrategie, als die eigentliche Medikamentenwirkung.

Die neue Leitlinie soll genau das verhindern und unklare, irreführende oder verharmlosende Medikamentennamen ausschließen. Im Gegenzug sollen die Bezeichnungen eindeutig und verwechslungssicher gewählt werden, um so zu einer verbesserten Sicherheit im Arzeneimittelverkehr zu sorgen. Auch langwierige Diskussionen bei Namensbeantragungen für Medikamente sollen damit der Vergangenheit angehören, da die Leitlinie die Wahlmöglichkeit für Produktnamen bereits vor dem Antrag der Pharmaunternehmen stark eingrenzt. Bereits vergebene Namen werden jedoch nicht mehr von dieser Regelung betroffen sein.

 

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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