Heilmittelwerberecht

Die virtuelle Sprechstunde bei „DrEd“ – Medizinische Beratung mal anders

Sowohl die Bundesärztekammer, als auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnen vor dem neuen Internetportal „DrEd“ aus London. Dabei handelt es sich um einen Online-Dienst, der eine virtuelle Arztpraxis nachbildet und somit den Patienten die Möglichkeit bietet ein medizinisches Anliegen zu besprechen, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen. Hinter dem Unternehmen stehen zwei deutsche Ärzte, die ihr Handwerk in Deutschland gelernt haben und nun in England registriert und durch die dortige Ärztekammer zugelassen sind. 

Eine zukunftsträchtige Idee? Die Bundesärztekammer äußert sich hierzu sehr skeptisch. Diagnose und Behandlung allein per Mausklick nach Beantwortung eines Fragebogens, könnten nicht dem Interesse des Patienten entsprechen. Fest steht, dass ein Arzt bei einem persönlichen Besuch des Patienten viel mehr selbst wahrnehmen und ertasten kann, als bei einem Kontakt per Internet, bei dem er auf das Vorbringen des Patienten beschränkt ist und darauf vertrauen muss. Insofern kann die Technik ärztliches Handeln nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen.

Der Online-Dienst „DrEd“ wird durch die Firma Health Bridge Limited betrieben und ist insbesondere für Erstdiagnosen bestimmter Krankheitsgebiete gedacht. Für das Unternehmen arbeiten zwei deutsche Ärzte, die ihr Handwerk in Deutschland gelernt haben und nun in England registriert und durch die dortige Ärztekammer zugelassen sind. Auf Grundlage der durch den Nutzer getätigten Angaben erstellen die bei „DrEd“ beschäftigten Ärzte eine erste Diagnose, für die mögliche Behandlungsvorschläge gegeben werden und die in einer online hinterlegten passwortgeschützten Patientenakte jederzeit abrufbar sind. Die gegebenenfalls erforderlichen Medikamente können die Patienten sodann direkt von einer in Kooperation mit „DrEd“ stehenden Versandapotheke beziehen.

Im Hinblick auf die ersparte Wartezeit, die man bei einem üblichen Arzttermin einplanen müsste, erscheinen auch die Kosten für eine Behandlung bei „DrEd“ mit bis zu 29 € durchaus als angemessen. Die Entrichtung der Praxisgebühr entfällt.

Auch wenn „DrEd“ unter anderem für Personen mit peinlichen Problemen, die andernfalls einen Arztbesuch meiden würden, eine Alternative darstellen kann,  so ist das Portal für akute Erkrankungen und Notfälle jedenfalls nicht geeignet. Letztendlich muss aber jeder Einzelne für sich selbst entscheiden, wie wichtig ihm der persönliche Kontakt zu einem ihm vertrauten Arzt ist. Zu Bedenken bleibt allerdings, dass im Falle eines Behandlungsfehlers die unangenehme Folge auftreten kann, dass der Patient den Arzt am Ort der Niederlassung des Unternehmens, hier also in England, verklagen muss.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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