Start-Up – Die Wahl der Rechtsform

Die Wahl der Rechtsform für Ihr Start-Up Unternehmen

Vielfach können Gründer nicht einschätzen welche Rechtsform für das eigene Unternehmen die richtige ist. Jede Rechtsform hat Stärken und Schwächen. Die Wahl der richtigen Rechtsform kann nicht pauschal beantwortet werden. Entscheidende Beurteilungsfaktoren sind die Idee und geplante Umsetzung der Unternehmung, das Verhältnis der Gründer untereinander, die Kapitalausstattung und die Bereitschaft der Gründer auch persönliche Risiken einzugehen. Die Wahl der Rechtsform entscheidet über das berufliche Verhältnis der Gründer untereinander, über Machtverhältnisse, über Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und der Möglichkeit und den Folgen zukünftiger Änderungen der Gesellschaftsstruktur. Die Frage von Leitungs- und Vertretungsbefugnissen, steuerlichen Vorteilen, Gewinn- und Verlustbeteiligung und die Kontrolle über Unternehmensziele und Besitzverhältnisse ist maßgeblich von der Wahl der Rechtsform abhängig.

Generell müssen Gründer zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden. Personengesellschaften haften regelmäßig mit ihrem Privatvermögen für Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Kapitalgesellschaften sind im Gegensatz zu Personengesellschaften eigenständige Rechtspersönlichkeiten. Die Kapitalgesellschaft – und nicht die Gesellschafter – kann Inhaber von Rechten und Forderungen sein. So ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Dafür muss bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft ein Stammkapital eingebracht werden.

Welche Rechtsformen gibt es?

  • Kleinunternehmer

Unternehmen können ein Gewerbe anmelden, wenn sie einer wirtschaftenden und selbständigen Tätigkeit nachgehen. Für den Kleinunternehmer gelten die oft strengeren Regeln des Handelsgesetzbuches nicht, da Kleinunternehmer nicht als Kaufleute gelten. Vorteil dabei ist die vereinfachte Buchführung. Eine ausführliche Bilanzierung der Geschäftsereignisse ist nicht notwendig, solange gewisse Umsatzgrenzen nicht erreicht werden. Ausreichend ist eine Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben. Die Gründung eines Gewerbes setzt keine Mindesteinlage voraus. Die Gründung erfolgt alleinig durch die Anmeldung des Gewerbes, die regelmäßig weniger als 40 EUR kostet. Eine notarielle Beurkundung ist nicht nötig. Das Gewerbe muss regelmäßig unter dem Namen des Anmelders firmieren. Namenszusätze sind jedoch möglich. Kleinunternehmer können bis zu einem Umsatz von 17.500 EUR im ersten und 50.000 EUR im zweiten der Jahr der Geschäftstätigkeit entscheiden, ob die Umsatzsteuer ausgewiesen und an das Finanzamt abgeführt werden soll oder nicht und ob als Gegenleistung die Vorsteuer abgezogen werden darf. Problematisch stellt sich mitunter die Haftung dar. Der Einzelunternehmer haftet mit seinem gesamten Geschäfts- und Privatvermögen. Diese Haftung stellt eine erhebliche Gefahr dar, sofern es zu unternehmerischen Problemen kommen sollte. Für eine hauptberufliche Tätigkeit mit entsprechenden Umsätzen ist diese Form der Selbstständigkeit ungeeignet.

  • GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Finden sich mehre Personen zusammen, die gemeinsam selbstständig arbeiten wollen, stellt die Gründung einer GbR eine finanziell günstige Möglichkeit der Unternehmensgründung dar. Die GbR muss lediglich angemeldet werden bzw. entsteht kraft Gesetz bei der Aufnahme der Tätigkeit. Eine Mindesteinlage ist nicht vorgeschrieben. Die Gründungskosten sind gering. Zu beachten ist, dass eine GbR mitunter auch schon durch die gemeinsame Arbeit entsteht, auch wenn man keinen Gesellschaftsvertrag unterzeichnet hat. Die Unterzeichnung eines Gesellschaftsvertrages ist jedoch empfehlenswert. Die gesetzlichen Regelungen sind oftmals nicht ausreichend. Der Gesellschaftsvertrag sollte detaillierte Regelungen über Befugnisse, Gewinnverteilung und Regeln bei Ausscheiden von Gesellschaftern enthalten. Die GbR wird generell von allen Gesellschaftern gemeinsam geführt und nach außen vertreten. Andere Regeln können mittels Gesellschaftsvertrag geregelt werden. Auch die GbR als Personengesellschaft birgt das Risiko der persönlichen Haftung. Die Gesellschaft und die Gesellschafter haften für alle Verbindlichkeiten sowohl mit dem Geschäfts- als auch mit dem jeweiligen Privatvermögen gesamtschuldnerisch. Zu bedenken ist, dass die erworbene Rechte (z B. Markenrechte) faktisch den Gesellschaftern gemeinsam gehören. Streitigkeiten bei Ausscheiden einzelner Gesellschafter sind hierbei nicht selten. Des Weiteren ist die GbR dann nicht empfehlenswert wenn externes Kapital akquiriert werden soll. Ein VC-Partner wird nicht als Gesellschafter in eine GbR einsteigen, da auch ihn die Haftung treffen würde.

  • OHG – Offene Handelsgesellschaft

Die offene Handelsgesellschaft muss als Gewerbe angemeldet und im Handelsregister eingetragen werden. Die Gründungskosten sind gering. Eine Mindesteinlage ist nicht vorgeschrieben. Eine Kapitaleinlage kann aber geleistet werden. Für die Gründung einer OHG sind mindestens zwei Personen nötig. Die Haftungsproblematik ähnelt der einer GbR. Die Gesellschafter haften gesamtschuldnerisch für alle Verbindlichkeiten mit dem Privat- und Geschäftsvermögen. Die Vertretung der Gesellschaft obliegt den Gesellschaftern in Einzelvertretungsmacht. Andere Regeln können aber im Gesellschaftsvertrag geregelt werden. Die ausführliche Ausfertigung eines Gesellschaftsvertrages ist dringend geboten, um möglichen Problemen bei Fortführung oder Beendigung der Gesellschaft zu vermeiden. Bei der OHG besteht eine Pflicht zur ausführlichen Buchführung. Ebenso muss der Jahresabschluss bilanziert werden und eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellt werden.

  • KG – Kommanditgesellschaft / GmbH & Co. KG

Die Kommanditgesellschaft stellt eine interessante Möglichkeit für Gründer dar, die von Anfang an fremde Geldgeber in die Gesellschaftsstruktur eingliedern wollen. Eine KG wird von mindestens zwei Gesellschaftern gegründet. Die Gesellschafter können natürliche oder juristische Personen sein. Es bietet sich an einen persönlich haftenden Komplementär mit Geschäftsführungsbefugnis zu bestimmen und einen Kommanditisten, der ohne Geschäftsführungsbefugnis und Stimmrecht als Kapitalgeber auftritt und lediglich mit seiner Einlage für Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet. Das Haftungsrisiko des persönlich haftenden Komplementärs wird gerne dadurch entschärft, dass als Komplementär eine nur mit der Kapitaleinlage haftende GmbH gewählt wird (sogenannte GmbH und Co. KG). Gründer behalten mit einer GmbH als Komplementär damit die Kontrolle über das Unternehmen, können aber leicht Kapital beschaffen. Die KG ist verpflichtet eine ordnungsgemäße Buchführung zu organisieren und die Geschäftsergebnisse zu bilanzieren. Die Gründungskosten sind überschaubar, jedoch ist eine Handelsregistereintragung notwendig.

  • GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Die allseits bekannte GmbH hat für Gründer den Vorteil der Haftungsbeschränkung.

Die GmbH haftet nur mit dem eigenen Gesellschaftsvermögen. Die Mindesteinlage bei Gründung einer GmbH liegt bei 25.000 EUR. Davon müssen jedoch lediglich 12.500 EUR bei Gründung vorliegen. Restliche Einlagen können auch durch Sacheinlagen erfolgen. Die zwingende Einlage darf darüber hinaus als nötiges Arbeitswerkzeug betrachtet werden und dürfte damit in vielen Fällen ihren Schrecken verlieren. Die Führung eines Unternehmens kostet regelmäßig Geld, so dass die Einlage letztlich nicht als verlorenes Kapital bewertet werden darf, sondern als sowieso nötiges Puzzleteil auf dem Weg hin zu einem operativ erfolgreichen Unternehmen. Die Gründungskosten sind im Vergleich zu den Gründungskosten einer Personengesellschaft höher. Zur Gründung einer GmbH sind ein beurkundeter Gesellschaftsvertrag, ein Geschäftsführervertrag und eine Gesellschafterliste notwendig. Es fallen weiter Notarkosten für die Gründung und Eintragung ins Handelsregister an. Die GmbH als Kapitalgesellschaft ist Buchhaltungs- und Bilanzierungspflichtig. Vorteil einer GmbH ist, dass Banken und Unternehmen eine GmbH aufgrund des vorhandenen Stammkapitals und der damit einhergehenden Sicherheit oftmals als kreditwürdiger als Personengesellschaften einschätzen. Das Wirtschaften kann dadurch einfacher fallen. Ebenso ist die GmbH als juristische Person und mögliche Rechteinhabern im Gegensatz zu einer Personengesellschaft nicht so stark abhängig von Änderungen der Gesellschaftsstruktur.

  • UG – Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt

Die UG als relativ neue Rechtsform ähnelt ihrem Rechtsstatus dem der GmbH. Sie wird daher oft auch als Mini-GmbH benannt. Sie ist als Gegenstück zur englischen Limited vom Gesetzgeber erschaffen worden und macht die Gründung einer englischen Limited in vielen Fällen nicht mehr unnötig. Den großen Unterschied zur GmbH macht die Höhe der nötigen Mindesteinlage bei Gründung aus. Im Gegensatz zur Gründung einer GmbH muss bei Gründung einer UG nur mindestens 1 EUR zu Verfügung gestellt werden. Dafür müssen jedes Jahr Gewinnrücklagen gebildet werden. Diese müssen 25 % des operativen Gewinns betragen. Sie müssen solange gesichert werden, bis ein Stammkapital in Höhe von 25.00 EUR vorhanden ist. In der Praxis stellt die Gründung mit nur 1 € Stammkapital jedoch keinen praktikablen Weg dar, da die Gesellschaft mit dem Firmenvermögen wirtschaften muss. Ein Vermögen von 1 € wird wohl kaum für die Geschäftsführung ausreichen. Wenn jedoch weniger als 25.000 EUR Stammkapital aufgebracht werden kann oder für die Gründung nötig ist, kann die UG eine interessante Gründungsoption darstellen. Die UG haftet wie die GmbH mit dem gesamten Gesellschaftsvermögen. Die Gründung läuft ähnlich die einer GmbH. Die UG hat die gleichen Pflichten im Hinblick auf Buchhaltung und Bilanzierung einzuhalten. Die spätere Umwandlung in eine GmbH ist ohne großen Aufwand möglich. Zu bedenken bleibt, dass die UG den Firmenzusatz (haftungsbeschränkt) tragen muss. Damit wird einem Geschäftspartner sofort deutlich, dass kein hohes Stammkapital vorliegt. Diese Tatsache kann durchaus abschreckend wirken und ein geschäftliches Fortkommen erschweren.

  • AG – Aktiengesellschaft

Die Gründung einer Aktiengesellschaft ist verbunden mit einem recht hohen Aufwand und hohen Kosten. Eine AG braucht einen Gründer als Vorstand und mindestens drei Aufsichtsräte. Die notarielle Eintragung in das Handelsregister ist Pflicht. Zudem wird eine notariell beglaubigte Satzung benötigt, deren Mindestinhalt gesetzlich geregelt ist. Das Stammkapital der AG muss mindestens 50.000 EUR betragen. Die Aufnahme weiterer Aktionäre und Gesellschafter ist ohne größeren administrativen Aufwand möglich. Die AG haftet mit dem Gesellschaftsvermögen. Eine persönliche Haftung des Vorstandes ist theoretisch möglich. Zu bedenken gilt, dass eine GmbH relativ problemlos in eine AG umgewandelt werden kann, wenn dies bei entsprechender Notwendigkeit sinnvoll erscheint. Gerade am Anfang einer Gründung stellt die GmbH oder UG in den meisten Fällen wohl den bequemsten Weg dar.

  • Ltd. – Englische Limited

Die Ltd. genießt internationale Bekanntheit. Die Rechtsform ist vergleichbar mit der deutschen GmbH. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass lediglich ein Stammkapital in Höhe von einem Pfund nötig ist. Außerdem bedarf die Gründung keiner notariellen Beurkundung. Dennoch ist die Haftung der Gesellschafter auf die Kapitaleinlage beschränkt. Die Gründung erfolgt beim zentralen englischen Gesellschaftsregister. Liegen Verwaltungssitz und Tätigkeitsbereich einer Ltd. in Deutschland werden auch in Deutschland Steuern gezahlt. Bis zur Einführung der UG war die englische Ltd. bei Gründern beliebt, um der Haftungsproblematik einer Personengesellschaft entgehen zu können. Nunmehr ist in vielen Fällen die UG einer Ltd. vorzuziehen.

Die richtige Rechtsform

Die Wahl der richtigen Rechtsform muss anhand der Bedürfnisse und Ziele der Gründer entschieden werden. Jede Rechtsform hat Vor- und Nachteile. Generell bietet sich in den meisten Fällen die Gründung einer Kapitalgesellschaft an, um eine persönliche Haftung der Gründer zu vermeiden. Die Entscheidung der Rechtsform sollte zu Beginn der Aufnahme der geschäftlichen Tätigkeit erfolgen. Jedoch ist klar, dass die einmal getroffene Entscheidung durchaus geändert werden kann. Um auf sich ändernde Markt- oder Geschäftsentwicklungen besser einstellen zu können, kann sich durchaus im Laufe der Tätigkeit die Änderung der Rechtsform anbieten. Auch diese Notwendigkeit sollte analysiert werden, um langfristig bestmögliche unternehmerische Ergebnisse zu erziele

Die Kölner Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE verfügt seit mehr als zwanzig Jahren insbesondere über fachliche Kompetenzen in den Gebieten des Wirtschaftsrechts, inklusive E-Commerce und Schutz des geistigen Eigentums, des Internet- sowie des Urheberrechts. Unter der Rufnummer 0221 / 951 563 0 erreichen Sie uns täglich für eine kostenlose Erstberatung. Unsere Anwälte beraten Sie gerne bundesweit.

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