Der Motivvertrag

Kino- und Fernsehfilme, Serien und Werbespots spielen immer an vielen verschiedenen Orten. In Zeiten immer knapper kalkulierter Produktionsbudgets können nicht alle Schauplätze einer Produktion nachgebaut werden. Um möglichst authentische und gleichzeitig kostengünstige Drehorte für TV- und Filmproduktionen nutzen können, werden regelmäßig entsprechende Plätze, Landschaften und Immobilien gegen Entgelt angemietet, um dort geplante Szenen abdrehen zu können.

So spannend und lukrativ es klingt, muss sich der jeweilige Eigentümer oder Besitzer eines Filmmotivs klar darüber sein, dass eine Filmproduktion mit erheblichem personellem und finanziellem Aufwand verbunden ist.

Mehrere Dutzend Mitarbeiter, Schauspieler und Komparsen werden an den Drehtagen vor Ort sein. Diese müssen am Drehort nicht nur arbeiten, sondern oftmals auch längere Zeit leben. Neben dem eigentlichen Set muss also auch eine entsprechend nutzbare Infrastruktur vorhanden sein. Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass die Produktion mehrere Autos, Busse und Materialfahrzeuge umfasst, die alle in der Nähe des Drehortes geparkt und benutzt werden müssen.

Zudem ist davon auszugehen, dass Drehtage nicht nur zwischen üblichen Bürozeiten stattfinden, sondern die Dreharbeiten bis zu 14 Stunden am Tag dauern und nicht selten erst in der Nacht enden. Gewisse Einschränkungen während der Drehtage müssen also einkalkuliert und hingenommen werden.

Wer als Eigentümer oder Besitzer an einer Zusammenarbeit mit einer Produktionsfirma interessiert ist, sollte die Konditionen und den Ablauf für die Überlassung seiner Räumlichkeiten vertraglich festhalten. Der sogenannte Motivvertrag trägt in seiner Ausgestaltung den örtlichen Begebenheiten und tatsächlichen Risiken vollumfänglich Rechnung.

Was muss in einem Motivvertrag geregelt werden?

Ein Motivvertrag sollte genau regeln welche Orte, Plätze oder Immobilien in welchem konkreten Umfang für welchen Zeitraum genutzt werden dürfen. Hierbei sollte auch vereinbart werden, welche Räumlichkeiten neben dem eigentlichen Drehort genutzt werden dürfen (zum Beispiel für Aufenthalt und Verpflegung). Gleichzeitig bietet es sich an vertragliche Absprachen darüber zu treffen was vor Beginn der Dreharbeiten und nach Ende der Dreharbeiten passieren muss und welche Partei die nötigen Vorbereitungshandlungen zu verantworten hat.

Die Produktionsfirma hat generell ein Interesse daran das Set schnell zu verlassen, der Motivgeber ein Interesse daran, dass alles wieder so aussieht wie vor Drehbeginn.

Fotos, die die Zustände dokumentieren können hilfreich sein, um Abweichungen des Ist- vom Soll-Zustand nach Beendigung der Dreharbeiten festzustellen. Empfehlenswert ist es – sowohl für die verantwortliche Produktionsfirma, als auch für den Motivgeber – vor Beginn der Arbeiten und nach Drehschluss eine Abmahne der genutzten Objekte durchzuführen, um mögliche Verschlechterungen oder Schäden zu dokumentieren.

Des Weiteren sollten ausführliche Regelungen über einen etwaigen Kostenersatz getroffen werden. „Verleiher“ der Locations, die Umsatzeinbußen oder erhöhte Betriebskosten während der Drehtage haben, bekommen von der Produktionsfirma einen finanziellen Ausgleich. Es sollte ebenfalls ein entsprechendes Nutzungsentgelt festgelegt werden.

Soweit der Inhaber der Location für die Nutzung des Motivs eine Gebühr verlangt, sollte die Höhe des Entgelts an der Anzahl der Drehtage, dem Ausmaß der Dreharbeiten und dem Wert des Drehortes bemessen werden. Üblich ist es entweder Tagessätze oder Pauschalen zu vereinbaren. Anders als für Privatpersonen kann es für Unternehmen oder Städte auch weitere Aspekte – wie die durch Abbildung in einem Film erzeugte positive Außenwirkung – geben, die Einfluss auf die Angemessenheit der Höhe des Nutzungsentgelts haben.

Ein weiterer wichtiger Vertragspunkt ist der Nachweis von ausreichenden Versicherungen seitens der Produktionsfirma. Die Produktionsfirma sollte vertraglich gesichert nachweisen, dass die Produktion gegen Sach- und Personenschäden in ausreichender Höhe versichert ist.

Wichtig sind vor allem Haftpflicht- und Feuerregressversicherungen. Erst ein ausreichender Versicherungsnachweis gibt dem Motivgeber die Möglichkeit in Schadensfällen ohne größere Probleme Ausgleichszahlungen zu erhalten. Während eines Drehtages kann viel passieren. Schäden – ob groß oder klein – sind nicht auszuschließen. Daher müssen die Vertragspartner regeln welche Ausgleichspflichten die Produktionsfirma treffen und wie eine Schadensregulierung ablaufen wird.


Nur durch eine vorherige Prüfung lassen sich negativ Folgen vermeiden. Hierbei helfen wir Ihnen! Unser Expertenteam um Rechtsanwältin Rafaela Wilde steht Ihnen unter der Rufnummer 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit) gerne für eine erste Einschätzung zur Verfügung.


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Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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