Entwicklerverträge

Entwicklerverträge stellen eine der komplexesten und zugleich wichtigsten Vertragswerke im Bereich der Games-Industrie dar. In dem folgenden Beitrag soll ein skizzenhafter Überblick über die allgemeinen Eigenschaften, die typischen Inhalte und gängige Fallstricke von Entwicklerverträgen gegeben werden.

Internationale Projekte – Welches Recht ist anwendbar?

In Zeiten der Globalisierung sind viele Lebensbereiche immer weiter internationalisiert worden. Auch der Bereich der Gaming-Branche ist davon sehr stark erfasst. Und somit sind ein paar der grundlegenden ersten Fragen wenn es um die Ausarbeitung eines Entwicklervertrages geht auch: Welche Vertragssprache wird gewählt? Welches Recht soll anwendbar sein? Wo ist der Gerichtsstand?

Die Beantwortung all dieser Fragen führt zu einer Vielzahl von Konsequenzen. Gerade für kleinere Entwickler, die bei internationalen Projekten nun auch noch den Verständnisschwierigkeiten einer anderen Sprache und den Ungewissheiten bei der Anwendung eines anderen Rechtsgebiets ausgesetzt sind, schleichen sich schnell erhebliche Fehler oder unerwünschte Folgen ein.

Die englische Sprache ist als Vertragssprache bei internationalen Projekten inzwischen zwar üblich, kann bei einem deutschen Gerichtsstandort jedoch zu weiteren Kosten führen. Sollte es zu einem Rechtsstreit kommen, würde das Gericht wohl eine Übersetzung des Vertrages gem. § 142 Abs. 3 ZPO anordnen. Diese zusätzliche Belastung kann vor allem kleineren, finanziell nicht so gut abgesicherten Entwicklern die Durchsetzung ihrer Rechte erschweren.

Der steinige Pfad zum Entwicklervertrag: Vorverträge

Häufig kommt es während des Anbahnungsprozesses dazu, dass Entwickler und Publisher vor dem eigentlichen Hauptvertrag weitere Verträge abschließen. Häufig anzutreffen ist insbesondere der sog. „Letter of Intent“ (LOI). Dieser wird zumeist als eine reine Absichtserklärung verstanden, in dem die Parteien ihr ernsthaftes Interesse am Abschluss an einem Entwicklervertrag bekräftigen. So einfach ist es jedoch nicht.

Ob ein LOI wirklich nur eine reine Absichtserklärung oder doch im Extremfall sogar schon ein fertiger (wenn dann zumeist nicht mit allen gewünschten Inhalten versehener) Entwicklervertrag ist, hängt maßgeblich vom Inhalt ab. Desto ausführlicher und abschließender die Vertragspunkte bereits geregelt sind, desto eher ist im LOI bereits ein (Vor-)Vertrag zu sehen, der seinerseits für alle Beteiligten Rechte und Pflichten bewirkt. Er kann sogar, wenn der Bindungswille eindeutig erkennbar und alle wesentlichen Vertragspunkte (sog. „essentialia negotii“) enthalten sind, einen Anspruch auf Abschluss eines späteren (Haupt-)Vertrag begründen.

Umfang des Entwicklervertrages

Doch was umfasst ein solcher Entwicklervertrag eigentlich? Sinnvoll ist es jedenfalls, gerade bei umfangreicheren Projekten, den Vertrag in verschiedene Abschnitte aufzuteilen. Diese sollten auch klar voneinander abgegrenzt werden, damit die Rechte und Pflichten der Parteien in den einzelnen Phasen klar ersichtlich sind. Häufig anzutreffen sind dabei eine Planungsphase, eine Entwicklungsphase und eine Pflegephase.

Die Planungsphase bietet die Grundlage sowohl für den Entwickler als auch den Publisher für die weitere Zusammenarbeit. In dieser wird ein detaillierter Plan erstellt, der eine genaue Leistungsbeschreibung des angestrebten Spiels enthält. Zusätzlich zu der Festlegung der Features kommt noch ein Zeitplan, der genauer darstellt, wann die jeweiligen Features fertig sein sollen. Dies kann praktikabel nur vom Entwickler vorgenommen werden, der am besten seine Fähigkeiten kennt. Aus dieser Einschätzung ergibt der dann sog. Milestoneplan.

Hier ist eine realistische Einschätzung auch besonders wichtig, denn letztendlich ergeben sich daraus auch die Pflichten, die den Entwickler treffen. Ein Übertreiben oder gar „Angeben“ mit seinen Fähigkeiten kann sich später rächen und zu sehr teuren Konsequenzen führen!

Danach folgt zumeist die Entwicklungsphase, in der das eigentliche Spiel anhand des Milestoneplans fertig gestellt wird. Dies stellt zumeist eine klassische Werkleistung im Sinne der §§ 631 ff. BGB dar.
In einigen Fällen folgt auf Entwicklungsphase noch eine Pflegephase, in der das Spiel auch nach Erscheinen noch weiter mit Patches oder sogar neuen Inhalten versorgt wird. Dies kann damit sowohl Werkleistungen, aber auch Dienstleistungen im Sinne der §§ 611 ff. BGB darstellen.

Gerade aufgrund der Tatsache, dass in den verschiedenen Phasen ganz unterschiedliche Verpflichtungen angestrebt sind, sollte hier auf eine klare Trennung geachtet werden. Das erleichtert es allen Beteiligten erheblich die jeweiligen Leistungen nachzuvollziehen, die sie zu erbringen haben.

Definitionen im Entwicklervertrag

Auch die Bedeutsamkeit von erklärenden Definitionen darf keinesfalls unterschätzt werden. Für viele branchenübliche Begriffe fehlt es an einer verbindlichen und allgemeinen Definition. Doch diese sind unerlässlich, um den Parteien Sicherheit zu geben, was ihre Leistungspflichten angeht. Ansonsten kann es zu enormen Problemen im weiteren Entwicklungsverlauf, insbesondere bei der Abnahme einzelner Milestones kommen.

Ein guter Vertrag stellt damit alle notwendigen Definitionen sozusagen vor die Klammer, und behandelt diese zu Beginn. So ist für den Leser des Vertrags im weiteren Verlauf sofort klar, was im Einzelnen gemeint ist. Allerdings ergibt sich daraus auch die zugleich größte Gefahr: Wenn bei den Definitionen nachlässig formuliert wird, wirkt sich dies auf den gesamten weiteren Vertrag aus. Hier ist also größte Sorgfalt geboten.

Was sind Interpretationsregeln?

Insbesondere in anglo-amerikanisch geprägten Verträgen finden sich im Anschluss an die Definitionen sog. Interpretationsregeln. Das kann beispielsweise umfassen, dass die männliche Form auch die weibliche einschließen soll, oder mit Personen sowohl natürliche als auch juristische Personen gemeint sind. Es können sich aber auch Interpretationsregeln finden, die sich negativ auf den weiteren Vertrag auswirken. Insbesondere wenn es sich um einen einseitig gestellten Vertrag handelt, der in der Folge als Allgemeine Geschäftsbedingungen gilt. Dies kann im schlimmsten Fall sogar zur Nichtigkeit einzelner Vertragsteile führen.

Änderungen am Leistungsumfang

Eine weitere wichtige Frage ist, wie mit Änderungswünschen während des Entwicklungsprozesses umgegangen werden soll. Wenn beispielsweise der Publisher ein weiteres Feature implementiert haben möchte, so sollte bereits im Entwicklervertrag genau geregelt sein, wie sich das auf den Prozess auswirkt. So wird der Entwickler auch dabei die Machbarkeit und den Arbeitsaufwand erst prüfen müssen, was schon eine Vergütung und häufig eine Verschiebung des Zeitplans bewirkt.

Sollte der Umfang tatsächlich geändert werden, muss gegebenenfalls auch die Auswirkung auf den Milestoneplan und die Vergütung an sich berücksichtigt werden. Sollte es über die Wünsche und Machbarkeiten zu Streitigkeiten kommen, sollten Möglichkeiten für eine Beendigung der Zusammenarbeit vorgesehen sein, die für alle Beteiligten tragfähig ist. Aber auch schon die Frage, wer genau eine solche Veränderungsvereinbarung treffen darf, sollte bereits genau geregelt sein.

Vertragsstrafen und Bonus-Malus-Klauseln

Häufig und vor allem von den Publishern gefordert sind Vertragsstrafen. Diese werden üblicherweise bei Verzug der einzelnen Milestones oder bei Ablieferung des Goldmasters fällig. Die Höhe der möglichen Vertragsstrafen darf dabei 10% der gesamten Auftragssumme keinesfalls überschreiten. Bei Bauverträgen hat der Bundesgerichtshof (BGH) sogar schon eine Obergrenze von 5% festgelegt.

Deutlich sinnvoller sind aber zumeist sogenannte Bonus-Malus-Klauseln. Dabei belohnt der Publisher den Entwickler für das (über-)pünktliche Abschließen der Milestones, beispielsweise mit einem festen Betrag pro Tag vor angesetztem Termin, der sich für jeden Tag ab Termin schrittweise bis auf 0 reduziert. Weiterer Verzug würde dann Strafzahlungen oder auch eine Reduktion der Anteile an späteren Erlösen bewirken. Häufig könnte man damit zugleich einen Schadensersatzanspruch des Publishers wegen Verzug abgelten.

Wem gehören die Schutzrechte?

Auch ein wesentlicher Bestandteil sind Regelungen bezüglich der verschiedenen Schutzrechte. Das betrifft insbesondere Markenrechte aber auch die Urheberrechte an dem Spiel. Nur wer die Markenrechte hält oder eine entsprechende Lizenz hat, dürfte beispielsweise eine Fortsetzung des Spiels mit gleichem Namen auf den Markt bringen.

Aber auch wer in welchen Regionen die (ausschließliche) Lizenz zur Vermarktung des Werkes hält, ob diese neben der räumlichen auch eine zeitliche Grenze umfasst und ob sie beispielsweise nur für eine Konsolengeneration gilt oder auch für den PC oder, oder ,oder. Hier sind viele Ausgestaltungen denkbar und sollten deshalb auch klar gefasst werden.

Fazit

Dieser Überblick kann natürlich nur einen ersten groben Einblick in die Ausgestaltung eines Entwicklervertrages und dessen mögliche Schwierigkeiten bieten. Umso deutlicher zeigt sich jedoch, dass ein sauber ausgearbeiteter und auf die Bedürfnisse der beteiligten Parteien angepasster Vertrag von enormer Bedeutung ist.


Um Ihre Projekte auf ein sicheres Fundament zu stellen, ist eine vorherige rechtliche Prüfung ratsam. Hierbei helfen wir Ihnen! Unser Expertenteam um Rechtsanwältin Rafaela Wilde steht Ihnen unter der Rufnummer 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit) gerne für eine erste Einschätzung zur Verfügung.


Zurück zur Seite Games


Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×