E-Commerce

Online-Handel: Amazon führt Preisparität ein

Die Online-Verkaufsplattform Amazon hat zum 31.03.2010 ihre Teilnahmebedingungen geändert und fordert von den Online-Händlern nun Preisparität. Damit müssen Online-Händler ihre Produkte auf Amazon mindestens genauso günstig oder günstiger anbieten, wie es der Händler auf anderen nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen, also im eigenen Online-Shop oder auf anderen Plattformen wie eBay, booklooker etc., anbietet.Amazon begründet die Einführung der Preisparität damit, dass der Preis den wichtigsten Kaufanreiz darstelle und durch die Preisparität das Vertrauen der Kunden in Amazon gestärkt werde:

„Der Preis ist für Kunden eines der wichtigsten Entscheidungskriterien beim Kauf. Um Käufern auf Amazon.de die bestmöglichen Kaufoptionen zu bieten, wird Amazon ab dem 31. März von allen Verkäufern, die unter den Amazon.de Teilnahmebedingungen verkaufen, Preisparität verlangen. (…)

Wir glauben, dass dies das Kundenvertrauen stärkt, was zu mehr Kunden und damit mehr Umsatz führen und so den Wert von Amazon.de Marketplace für Verkäufer erhöhen kann.“

Die Preisparität gilt sowohl im Hinblick auf den Gesamtpreis als auch für den Artikelpreis. Demnach muss der Artikelpreis der auf Amazon angegeben wird genauso günstig bzw. günstiger sein, „als der niedrigste Gesamtpreis und entsprechende Artikelpreis, zu dem Sie den Artikel über Ihre anderen nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanäle anbieten.“. Auch der Gesamtpreis, also der Artikelpreis zzgl. der Versandkosten und anderen preisbeeinflussenden Faktoren (ohne Steuern), muss die Kriterien der Preisparität erfüllen.

Online-Händler, die ihre Waren auch weiterhin auf Amazon verkaufen wollen, müssen künftig die Preisparität ihrer Angebote sicherstellen. Darüber hinaus erwartet Amazon von den Online-Händlern auch, dass das Serviceverhalten des Händlers bei Verkäufen auf Amazon genauso kundenfreundlich ist, wie im eigenen Online-Shop des Händlers etc.:

„Wir erwarten außerdem, dass die nicht preisbezogenen Bedingungen, die Sie bei Amazon.de bieten (z.B. Kundenservice, Rückgabe- und Erstattungsrichtlinien) mindestens genauso kundenfreundlich sind wie die kundenfreundlichsten Bedingungen, die Sie oder mit Ihnen verbundene Unternehmen auf nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen bieten.“

Die neuen Teilnahmebedingungen auf Amazon gelten bereits ab dem 31.03.2010, allerdings räumt Amazon den Händlern eine Übergangsfrist von 30 Tagen ein, in der die Angebote an die neuen Anforderungen angepasst werden können. Online-Händler stimmen den neuen Teilnahmebedingungen zu, indem sie ihre Produkte auch weiterhin auf Amazon anbieten.

Die neuen Teilnahmebedingungen gelten nicht nur für Deutschland. Auch für die Amazon-Verkaufsplattformen in England und Frankreich gilt der Grundsatz der Preisparität.

Grundsätzlich steht es Amazon aufgrund der in Deutschland herrschenden Vertragsfreiheit frei, die Teilnahmebedingungen nach eigenem Geschmack zu verändern. Allerdings müssen die vertraglichen Bestimmungen mit dem Gesetz vereinbar sein. Die rechtliche Zulässigkeit der Preisparität ist fraglich. So ist zu bezweifeln, dass die Regelung mit den europäischen Kartellrechtsbestimmungen vereinbar ist.

Sollte man als Online-Händler mit der Preisparität auf Amazon nicht einverstanden sein, so bleibt ihm zunächst nur die Möglichkeit seine Verkäufe über die Plattform einzustellen. Amazon erklärt, dass Verkäufer, die sich nach der Übergangsfrist nicht an die Preisparität halten, das Recht auf der Plattform zu verkaufen verlieren:

„Verkäufer, die nicht bereit sind, Preisparität zu bieten, sollten ihre Angebote entfernen, da Verkäufer, die unsere Geschäftsbedingungen nicht einhalten, das Recht auf Amazon.de zu verkaufen verlieren werden.“

Die Einhaltung der Preisparität wird künftig von Amazon überprüft:

„Zur Prüfung der Preisparität ziehen wir Angebote von Ihnen und mit Ihnen verbundenen Unternehmen auf anderen nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen heran. Dabei berücksichtigen wir, ob die Versandkosten eines Artikels von Ihnen oder von Amazon festgelegt werden.“

Für Online-Buchhändler, die ihre Bestände an gebrauchten Büchern über Amazon anbieten, stellt die Preisparität einen besonders starken Eingriff in die Gestaltungsfreiheit der Preise dar. Die unterschiedlichen Preise eines Händlers für das gleiche Buch auf den nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen resultieren vor allem aus den unterschiedlichen Provisionshöhen der Plattformen. Hinzu kommt, dass Amazon den Händlern die Höhe der Versandkosten vorgibt und diese hiervon nicht abweichen können. Dem Angebot gerecht werdende Versandkosten können die Online-Buchhändler bei Amazon somit nicht ansetzen. Die Preisparität führt im Ergebnis dazu, dass Online-Buchhändler zukünftig auch nicht mehr die Preisvorteile, die z.B. durch angebotsgerechte Versandkosten oder niedrigere Verkaufsprovisionen entstehen, an die Kunden auf anderen Plattformen weitergeben können. Denn die Preisparität gilt auch für den Gesamtpreis, also den Artikelpreis zzgl. Versandkosten.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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