E-Commerce

Online-Großversandhäuser wollen kein Geld für Retouren

Bisher konnten die Verbraucher bei Onlinekäufen Retoursendungen der Ware im Wert ab 40,- € auf Kosten des Versandhändlers durchführen. Ab dem 13. Juni 2014 können die Retouren in Entsprechung der neuen EU-Richtlinie (RL 2011/83/EU) generell kostenpflichtig werden. Die Online-Großhändler wollen eigene Rücksendungskonditionen trotz der Gesetzesänderung beibehalten. Demnach bleiben die Retouren bei Zalando, Amazon, Otto und Co. weiterhin kostenfrei.

Rücksendekosten werden zukünftig vom Verbraucher getragen

Nach der bisherigen Rechtslage musste der Onlineverkäufer für die Rücksendekosten nach Widerruf des Verbrauchsgüterkaufs für Waren im Wert ab 40,- € ausnahmslos einstehen. Nun lockert der EU-Normgeber den geltenden Verbraucherschutz auf und gestattet dem Onlinehandel, die Rücksendekosten für Ware aus dem Fernabsatz dem Verbraucher aufzuerlegen. Allerdings muss der der Onlinehändler den Verbraucher dabei über die Kostentragungspflicht im Falle der widerrufsbedingten Rücksendung umfassend informieren. Indes bleibt dem Onlineshop-Betreiber vorbehalten, die Kosten freiwillig zu übernehmen.

Jedoch nicht bei Großhändlern wie Zalando, Otto, Amazon

Offenbar werden die Großversandhäuser Amazon, Zalando und Otto von der letztgenannten Möglichkeit Gebrauch machen und trotz bestehender Möglichkeit den Verbraucherkäufer nicht mit dem Retour-Porto belasten. So bestätigte Amazon laut dem jüngsten Focus-Bericht die Beibehaltung von bisherigen Rücksendungsbestimmungen. Desgleichen äußerte sich Zalando gegenüber Focus: „Kostenfreiheit des Versandes und 
des Rückversandes sind ein zentraler Punkt unseres Verständnisses von E-Commerce.“  Auch die Otto-Group versprach gegenüber Focus-Redaktion, die Kundschaft nicht mit Retourkosten zu belasten.

Onlinehändler: Vorsicht bei Einführung der Kostenpflicht für Retouren

Sicherlich wird nicht jeder Onlineshop-Betreiber die bisherige -und im Großonlinehandel wohl auch die zukünftige- verbraucherfreundliche Retour-Abwicklung beibehalten wollen. Vor Allem ist die Einführung der Kostentragung durch Verbraucher im Falle der Rücksendung von mittleren und kleinen Anbietern zu erwarten. Wir haben bereits absehbare Probleme mit der Tragung von Rücksendekosten sowie mit der Widerrufsfrist beispielhaft dargestellt und auf die damit zwangsläufig verbundene Abmahngefahr für Onlinehändler nach Ablauf des Stichtages (14.06.2014) hingewiesen.  Demnach sollten die Onlineshop-Betreiber sich gerade bei der Umsetzung der neuen Gestaltungsmöglichkeiten rechtzeitig über die wichtigen Neuerungen beraten lassen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Flu sagt:

    Gerade solche Händler wie Amazon sollten doch lieber eine Gebühr für Retouren verlangen. Zumindest für bestimmte Warengruppen wie Kleidung, bei denen man ja meistens etwas zurückschicken muß, was aber dann anscheinend die „interne Retourenquote“ des Kunden belastet und Amazon (oder auch andere Händler) einfach das Konto deaktivieren. Und das ohne Vorankündigung, so dass man sein Verhalten nie anpassen konnte oder eben lieber nichts mehr bestellt hätte wo man auch viel retournieren muß. Denn das Amazon-Konto nutzen ja auch viele für andere Bereiche wie Downloads von Software, Musik oder eBooks für Kindle, was man nach einer Sperrung alles nicht mehr nutzen kann obwohl man dafür bezahlt hat. So geht es nun auch nicht und dann ist es auch richtig, daß die Verbraucherzentrale dagegen vorgeht.
    Amazon kann das Konto vielleicht in einem bestimmten Bereich einschränken aber nicht komplett für alle Bereiche sperren, in denen man sich nie etwas zu Schulden kommen lassen hat. Und damit sowas nicht passiert, zahle ich doch lieber für meine Retouren, dann können sich diese arroganten Konzerne auch nicht mehr darüber aufregen.

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