E-Commerce

Neue Betrugsmasche schädigt Online-Shops

Im Internethandel ist eine neue Betrugsmasche aufgetaucht. Diese findet häufig in Online-Shops für Bücher statt und funktioniert nach folgendem Prinzip (die Namen der Betroffenen wurden durch Phantasienamen ersetzt): Bert Betrüger hat sich unter falschem Namen und falscher Adresse bei dem Online-Marktplatz „billigste-buecher.de“ angemeldet und bietet dort Bücher gegen Vorkasse zum Verkauf an. Karl Kunde bestellt das Buch „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ zum Preis von 24,90 €.

Bert Betrüger schickt ihm eine Kontoverbindung bei der Gierig-Bank, auf welche Karl Kunde den Betrag unter dem Verwendungszweck „12345Lieferung“ überweisen soll. Die Kontoverbindung gehört jedoch nicht Bert Betrüger, sondern Uwe Unschuldig.

Uwe Unschuldig verkauft im Internet sog. „Paysafe-Cards“. Diese funktionieren nach dem Prinzip einer Prepaid-Card. Es wird also ein gewisses Guthaben erworben, das einem so den Kauf zum Beispiel von Musik oder Software als Download im Internet ermöglicht.

Bert Betrüger hat vorher bei Uwe Unschuldig eine solche Paysafe-Card im Wert von 25,00 € bestellt. Diese soll an seine E-Mailadresse geschickt werden. Bert Betrüger soll das Geld unter dem Verwendungszweck „12345Lieferung“ auf das Konto des Uwe Unschuldig überweisen. Da aber Bert Betrüger dem Karl Kunde die Bankverbindung des Uwe Unschuldig gegeben hat, zahlt tatsächlich Karl Kunde für die Paysafe-Card und nicht Bert Betrüger.

Uwe Unschuldig sieht den Zahlungseingang unter dem Verwendungszweck auf seinem Konto und schickt dann die Paysafe-Card in Form eines Nummerncodes an die angegebene E-Mail-Adresse. Bert Betrüger kann so das Guthaben der Paysafe-Card bei Einkäufen im Internet nutzen.

Karl Kunde erhält das von ihm bestellte Buch nicht. Es kann aber auch vorkommen, dass er das Buch doch bekommt. Allerdings wird ihm das Buch dann nicht von Bert Betrüger geschickt, sondern von einem anderen Händler wie dem Bodo Bücherwurm. Bei dem hat Bert Betrüger im Namen und auf Rechnung von Karl Kunde das gewünschte Buch bestellt. Da Karl Kunde ja davon ausgeht, dass er das Buch schon bei Bert Betrüger gezahlt hat, ignoriert er die Rechnung von Bodo Bücherwurm. Ein paar Tage oder Wochen später erhält Karl Kunde dann die erste Mahnung von Bodo Bücherwurm. Sein Geld sieht Karl Kunde nicht wieder und muss sich dann noch mit den Mahnungen von Bodo Bücherwurm auseinandersetzen.

Das Verhalten von Bert Betrüger stellt eindeutig einen Betrug dar. Hätte Karl Kunde darauf geachtet, dass der Name des Kontoinhabers nicht dem Namen von Bert Betrüger entspricht, hätte die ganze Sache vermieden werden können.

Kunden von Online-Marktplätzen sollten daher unbedingt darauf achten, dass der Verkäufer und der Inhaber der Kontoverbindung identisch sind.

Die nachfolgenden Skizzen sollen das Vorgehen der Betrüger verdeutlichen:

folie1.PNG

folie2.PNG

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)