E-Commerce

Grenzenlos Handeln: Chancen & Risiken des Auslandshandels im E-Commerce

Bereits der überwiegende Teil der Händler in Deutschland hat sich die Vorteile des Internets für seine Verkaufstätigkeit zu Nutzen gemacht. Denn der Online-Handel bietet für Händler aller Größenklassen erhebliches Potenzial. So können nicht nur Kosten- und Zeiteinsparungen zu mehr Effizienz führen, auch die hohe Verbreitungs- und Nutzungsrate des Internets ermöglicht eine nahezu umfassende Erreichbarkeit und damit einen größeren Kundenkreis.

Doch längst sind Online-Händler nicht mehr nur in ihren nationalen Grenzen im Online-Handel tätig. Die Verbreitung des Internets ermöglicht es den Händlern auch international Kunden anzusprechen und ihre Produkte ins Ausland zu verkaufen. Das Internet ermöglicht einen Handel ohne Grenzen. Jedoch sollte der Verkauf ins Ausland gut vorbereitet und geplant sein, damit keine unnötigen rechtlichen und finanziellen Risiken eingegangen werden.

Zunächst sollte man sich als Online-Händler darüber Gedanken machen, ob sich ein Verkauf der Produkte ins Ausland überhaupt lohnt. Bei dieser Frage spielen vor allem die Produktart und die eigenen Kapazitäten eine Rolle.

Sollen die Produkte schließlich auch im Ausland verkauft werden, ist es wichtig eine genaue Strategie festzulegen. So ist eine Auswahl der Länder zu treffen, in denen die Produkte angeboten werden sollen. Natürlich kann man sich entschließen in alle Länder der Welt zu liefern, jedoch ist das nur in Ausnahmefällen sinnvoll und erfolgreich. Vielmehr sollte diese Entscheidung von der Produktart und durch die sozialen, politischen und kulturellen Eigenschaften des Ziellandes beeinflusst werden. So ist ein Verkauf der eigenen Waren in politisch äußerst instabile Länder nicht immer sinnvoll.

Für deutsche Online-Händler bietet sich vor allem ein Verkauf in die europäischen Länder an, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den deutschen sehr ähnlich sind. Bei der Auswahl der Länder sollte auch eine realistische Einschätzung der Marktchancen berücksichtigt werden. Wichtige Einflussfaktoren auf die eigenen Marktchancen sind für Buchhändler z.B. die Gesamtgröße des ausländischen Buchmarktes, die Anzahl und Stärke der Wettbewerber, das ausländische Preisniveau, Währungsrisiken und auch die Exportkosten.

Hat die Länderauswahl stattgefunden, beginnt die eigentliche Arbeit. Denn beim Verkauf in andere Länder muss auch der Online-Shop angepasst werden. So sind die Sprache, Produktbeschreibungen, Zahlungsverfahren, Impressum, AGB und die Preisangaben an die jeweiligen ausländischen Zielmärkte anzupassen. Hierbei ist es in jedem Fall ratsam professionelle Hilfe von Übersetzern und Rechtsanwälten hinzuzuziehen.

So müssen die AGB des Online-Shops um Klauseln über die anzuwendende Rechtsordnung etc. erweitert bzw. angepasst werden. Auch das Impressum muss um die Ländervorwahl der Telefonnummer ergänzt werden. Bei wesentlichen Zeitunterschieden, sollten auch die Zeiten in denen man telefonisch erreichbar ist an die jeweiligen ausländischen Gegebenheiten angepasst werden.

Werden Waren z.B. nach Länge oder Gewicht verkauft, sind unterschiedliche Maßeinheiten im Ausland bei der Gestaltung des Warenangebots zu beachten.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Auswahl der geeigneten Zahlungsverfahren. Auch hier gibt es viele nationale Unterschiede in der Zahlungsart und dem Zahlungsverhalten. So ist die in Deutschland gängige Zahlung per Lastschrift in anderen Ländern nicht stark verbreitet und akzeptiert.

Allerdings gibt es auch Zahlungsmittel wie Kreditkarten oder PayPal, die inzwischen international anerkannt und akzeptiert werden. Der Verkauf auf Rechnung ins Ausland ist dagegen in der Regel nicht die beste Alternative. Nicht nur, dass in anderen Ländern erheblich längere Zahlungsziele von 60 Tagen oder 90 Tagen üblich sind, auch der Forderungseinzug gestaltet sind im Ausland um einiges schwieriger. Daher ist von der Zahlungsmöglichkeit per Rechnung beim Auslandshandel abzuraten. Sinnvoller sind hier Varianten wie die Zahlung per Kreditkarte oder Vorkasse.

Allerdings ist es immer gut sich auch über die im betreffenden Land gängigen Zahlungsmethoden zu informieren. Denn nur so kann das Risiko, dass der Kunde den Bestellvorgang abbricht, da er die für ihn passende Zahlungsmöglichkeit nicht vorfindet, minimieren.

Ebenfalls sollte man sich im Vorfeld über die genauen Versandmöglichkeiten und -kosten informieren um dem Kunden möglichst genaue Angaben über die Lieferzeiten und -kosten machen zu können.

Um das Potenzial, dass im Online-Handel über die nationalen Grenzen hinweg steckt, richtig nutzen zu können, sollte man sich Gedanken um die richtige Werbung und Vermarktung der Produkte im Ausland machen. In Marketing-Angelegenheiten ist es immer ratsam, Agenturen vor Ort zu Hilfe zu ziehen, da diese den Markt am besten kennen und so bei Bedarf ein optimales Werbeprogramm zusammenstellen können.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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